„Ich dachte, ich sterbe“: Junge Mutter aus Staufersbuch kämpft gegen Darmkrebs

Am 27. Oktober war Karin Flierl der glücklichste Mensch der Welt. Doch gut drei Wochen nach der Geburt ihres Sohnes Louis erhielt die Mutter aus Staufersbuch (Stadt Berching, Landkreis Neumarkt) die Diagnose, die ihr Leben für immer auf den Kopf gestellt hat: Darmkrebs im Endstadium. Dennoch glaubt sie an ein Wunder.
Für die heute 35-Jährige brach eine Welt zusammen. Bereits zum damaligen Zeitpunkt hatte sich der Krebs im Körper ausgebreitet und Metastasen in der Leber gebildet. „Ich dachte, ich sterbe.“
Schon während ihrer Schwangerschaft habe sie gespürt, dass etwas nicht stimme. „Doch ich wurde von Ärzten immer nur belächelt.“ Das Blut in ihrem Stuhlgang und die Hämorrhoiden seien von ihren behandelnden Medizinern auf die Schwangerschaft geschoben worden, erzählt Flierl.
Auch, nachdem sie im Juli 2023 an ihrem 34. Geburtstag per Helikopter in eine Klinik geflogen wurde, haben Ärzte ihre Beschwerden mit der Schwangerschaft begründet. Nach drei Tagen wurde sie entlassen, auch zwei weitere Ärzte konnten ihr danach nicht weiterhelfen.
Dann kam ihr Sonnenschein Louis auf die Welt. Nach der ersten Freude über die Geburt hat Flierl in den Tagen danach kaum mehr gegessen. „Wenn ich Essen nur gerochen habe, musste ich mich schon übergeben.“ Als sie dann mit starken Bauchschmerzen zu ihrem Hausarzt ging und dieser einen Ultraschall von der Leber machte, ahnte sie schon Böses.
Krebsdiagnose schockte Familie aus Berching
„Ich habe das Ultraschall-Bild gesehen und dachte mir: Da ist etwas“, erzählt die Frau aus dem Berchinger Ortsteil. Die auf dem Bild schwarze Leber sei mit weißen Sternchen übersät gewesen. Im Neumarkter Klinikum wurde dann eine Magen-Darm-Spiegelung gemacht, auf dessen Ergebnis Flierl aus ihrer Sicht lange warten musste.
„Wir haben einen Anruf aus dem Krankenhaus bekommen, dass wir in die Klinik kommen sollen“, erinnert sich Karin Flierls Mama Irmgard. „Da wussten wir schon, dass etwas Schlimmes ist.“ Die Eltern sollten ihrer Tochter beistehen, wenn sie die Schockdiagnose übermittelt bekommt.
Danach hat sich Flierl erst einmal zwei Tage in ihrem Zimmer verkrochen, ehe sie darüber reden wollte. Heute, neun Monate nach der Diagnose, spricht Flierl offen über ihren Krebs und ihre Chemo.
Die erste hat sie direkt nach der Diagnose stationär in Regensburg erhalten. Jetzt werden ihr ambulant im Abstand von zwei Wochen immer drei Tage am Stück Medikamente per Infusion in den Körper gepumpt. Wenn sie die Chemotherapie bekommt, geht körperlich bei ihr nichts.
An anderen Tagen dagegen fühlt sie sich – je nach Tagesform – gut und geht zum Beispiel mit Freundinnen frühstücken. Vor allem an den schlechten, aber auch an allen anderen Tagen, kümmert sich die ganze Familie um den bald zehn Monate alten Louis.
karin_vs_cancer: Auf Instagram teilt sie ihr Leben
Über den Zusammenhalt unter ihren Geschwistern, ihren Eltern und dem Vater von Louis ist Karin Flierl ebenso dankbar wie über die positiven Nachrichten, die sie erreichen. Auf ihrem Instagram-Profil (karin_vs_cancer) gibt sie Einblicke in ihr Leben. Dort hatte sie vor wenigen Tagen auch dazu aufgerufen, für sie über PayPal zu spenden.
Denn die gelernte Altenpflegerin lebt derzeit von Elterngeld, Kindergeld sowie dem Unterhalt für Louis. Ab 1. September erhält sie Erwerbsminderungsrente. Doch die vergangenen Monate habe sie kämpfen müssen, die Zusatzkosten für die Therapien zu bezahlen. Dank des Spendenaufrufs sind innerhalb weniger Tage über 15000Euro zusammengekommen. „Ich bin überwältigt und möchte hiermit allen Spendern danken“, sagt Flierl, die nach dem ersten Spendenaufruf einen zweiten gestartet hat. Das Ziel sind nun 5000 Euro. „Das Geld ist aber nicht nur für meine Therapie“, betont Flierl.
Mutter sammelt Spenden für Sengenthalerin mit Knochenkrebs
Nach eigenen Angaben möchte sie einen Teil davon auch an Alexandra Nosdrenko spenden – sofern diese das Geld annimmt. Kontakt hatte Flierl mit Nosdrenkos Familie noch nicht. Unsere Zeitung hatte aber vor einer Woche über das Schicksal der Sengenthalerin berichtet. Sie leidet unter Knochenkrebs. „Das ist mir so nahe gegangen, als ich diesen Artikel gelesen habe“, sagt Flierl, für die am Montag ihre nächste Chemo ansteht.
Die Therapie läuft „solange, bis ich sterbe“, sagt Flierl. Wann das sein wird, weiß niemand genau. Während ein Arzt zu ihr gesagt haben soll, dass sie dieses Jahr wohl nicht mehr überlebe, sei ein anderer dagegen positiver gestimmt.
So oder so: Aufgeben ist für Flierl keine Option. Ihr Glaube gebe ihr Hoffnung, sagt die Katholikin. „Es passieren jeden Tag Wunder.“