Drei Frauen aus Furth im Wald reparieren gebrauchte Dirndl und geben ihnen zweite Chance

Von Alexander Frimberger · 22. Oktober 2024 um 19:00

Im Juli haben Mutter Karin Altmann und ihre beiden Töchter Lena Nürnberger und Maxi Schillitz aus Furth im Wald (Landkreis Cham) ein Start-up gegründet. Sie reparieren gebrauchte Dirndl, geben ihnen eine persönliche Note und bieten diese als Unikate im Netz an. Die Motivation: Nachhaltigkeit.

Es herrscht fröhlicher Trubel im Haus der drei Frauen, ein Sack voll Flöhe, also zahlreiche Kinder, tobt herum. Natürlich tragen die Frauen Dirndl und es fällt auf, sie sind ausgesprochen gut gelaunt, strahlen Kompetenz aus. Man bekommt von der ersten Sekunde an das Gefühl, hier entsteht gerade etwas Großes.

Nachhaltig und günstig

Das Etwas heißt „Quadrudl“ und ist ein Start-up, das erst Mitte des Jahres gegründet wurde. Auf den ersten Blick ein seltsamer Name für ein Familienunternehmen, das sich darauf spezialisiert hat, dem getragenen Dirndl „ein zweites Leben und neuen Glanz zu verleihen“, wie Karin Altmann (61) sagt.

Die Auflösung liefert Lena Nürnberger (38): „Quadruple ist ein anderes Wort für vierfach und damit es bayerisch klingt, haben wir eben quadrudl daraus gemacht.“ Das macht durchaus Sinn, wenn man weiß, auf welchen vier Säulen die Unternehmensgründerinnen ihre Idee gestellt haben: „Wir fertigen Unikate an, stellen den Nachhaltigkeitsgedanken in den Vordergrund und bieten Dirndl von klassisch bis modern an.“ Die vierte Säule ist der Preis, denn während man für ein neues Kleid schon einmal bis zu 800 Euro hinlegen muss, gibt es die gepimpten Kleider im Onlineshop bereits ab 85 Euro.

Die Idee, eine Firma dieser Art zu gründen, bezeichnet Nürnberger als einen Blitz aus heiterem Himmel: Irgendwann ist bei den drei Frauen das Fass der Verschwendung, die wir jeden Tag erleben, übergelaufen. „Jedes Jahr werden Tonnen an Kleidung einfach weggeworfen“, so Nürnberger. Der Nachhaltigkeitsgedanke wurde ihnen dabei bereits in die Wiege gelegt: „Schon unsere Oma hat einen Secondhandladen gehabt und ist viel auf Flohmärkten unterwegs gewesen“, sagt Maxi Schillitz (36). Man merkt im Gespräch, dass alle drei das verinnerlicht haben. Als Mütter von mehreren Kindern machen sie sich natürlich vermehrt Gedanken über die Zukunft, pflegen auch einen vegetarischen Lebensstil. Außerdem haben sie festgestellt, dass Preis und Qualität von Stangenware oftmals nicht zusammenpassen. „Das ist mir bei einem Dirndl, das ich mir gekauft habe, extrem aufgefallen. Bereits nach dem ersten Mal tragen war der Reißverschluss kaputt“, so Nürnberger. Doch eine Idee haben ist das eine, sie in die Realität umzusetzen etwas ganz anderes. Da stellte es sich als Glücksfall heraus, dass Mama Karin Altmann seit ihrer Jugend an der Nähmaschine sitzt. „Mit 14 Jahren habe ich von meiner Mutter eine geschenkt bekommen“, sagt sie. Auch wenn inzwischen andere dazu gekommen sind, „die habe ich heute noch in Betrieb.“

Fotoshooting in der Natur

Lena Nürnberger ist gelernte Mediengestalterin, hat innerhalb kürzester Zeit ein Logo, eine Internetseite sowie einen Onlineshop verwirklicht und Maxi Schillitz kümmert sich um Buchhaltung und Finanzen. Ein vierter Mitstreiter ist Stefan Altmann, Bruder der beiden jüngeren Frauen. Er hat eine professionelle Ausstattung fertigt Bilder und Videos an. In Kürze findet ein Fotoshooting in der Natur statt. „Dazu kommt ein Modell aus Berlin“, verrät Nürnberger und ergänzt: „Eigentlich stammt sie aus Eschlkam und ist von unserer Sache begeistert, deswegen kommt sie gerne.“

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Wie die Dirndl ausgewählt werden, beschreibt Schillitz so: „Uns ist nicht nur das Aussehen wichtig, sondern auch der Stoff.“ Gerade ältere Stücke wären aus gutem Material gefertigt. Alle Dirndl, die aufgekauft werden, müssen erst einmal eine eingehende Prüfung über sich ergehen lassen und werden hygienisch aufgearbeitet. Danach geht es daran Oberteil, Schürze und Rock nach eigenen Vorstellungen zu kombinieren. „Wir möchten es schaffen so individuell wie möglich zu sein“, so die Finanzexpertin. Das gelingt laut Altmann, weil man nicht an die Vorgaben einer Marke gebunden ist und variieren kann, wie man wolle.

Unternehmen soll wachsen

Wichtigste Frage natürlich: Wie läuft‘s? „Wir sind total überrascht, wie gut unsere Idee angenommen wird.“ Eine eindimensionale Zielgruppe gibt es übrigens nicht. Schillitz: „Viele ältere Frauen wissen unsere Qualität zu schätzen aber eigentlich sprechen wir alle Altersklassen an. Es ist einfach schöner mit einem Unikat zu glänzen.“

Deshalb plant man auch schon für die Zukunft. Lederhosen, Westen für Männer und auch Kindertracht soll ins Portfolio aufgenommen werden. „Wir sammeln auch schon Taschen und Schmuck für später“, verrät Nürnberger. Im Moment gibt es die Dirndl nur im Internet, „weil wir alles in unseren privaten Räumen machen“, sagt die Mama. Aber man plant für die Landesgartenschau Furth im Wald 2025 einen Pop-up-Laden. Immer wieder, auch abschließend, kommen die Unternehmensgründerinnen auf ihren wichtigsten Punkt, die Nachhaltigkeit: Mit ihrer Marke wollen sie eine klare Kante gegen die Wegwerfmentalität unserer Zeit setzen.

Individuell und nachhaltig: die Dirndl von Quadrudl. Foto: Quadrudl