DNA-Spuren gesichert: 48-jähriger Tscheche gesteht Einbruchsserie im Landkreis Cham

Von Martin Hladik · 21. Oktober 2024 um 17:17

Eine Einbruchsserie, die im vergangenen Sommer begann, hatte im Landkreis Cham für reichlich Aufsehen gesorgt. Immer wieder waren meist abgelegene oder einzeln stehende Häuser betroffen. Die Polizei Waldmünchen kam einem 48-jährigen Tschechen auf die Schliche, der sich nun vor dem Strafgericht in Regensburg verantworten musste.

Wenn vor der 10. Strafkammer beim Landgericht Regensburg verhandelt wird, sind eher höhere Haftstrafen zu erwarten. So dürfte das auch bei einem 48-jährigen Tschechen sein, der in der Zeit von Sommer ‘23 bis April ‘24 mehrere Einbrüche im benachbarten bayerischen Grenzland zwischen Schönthal, Waldmünchen und Bad Kötzting unternahm. Bei neun erfolgreichen Einbrüchen, so Staatsanwalt Klinger bei der Verlesung der Anklage, habe er Bargeld und Schmuck erbeutet. Meist richtete er dabei einen vergleichsweise niedrigen Einbruchsschaden an. Auf rund 35 000 Euro schätzte die Staatsanwaltschaft den Schaden.

Welche Strafe den Tschechen erwarten dürfte, war schon kurz nach Beginn der Verhandlung absehbar. Auf Antrag von Verteidiger Alexander Greithaner hatte es ein Rechtsgespräch gegeben. Dabei hatte sich der Vorsitzende Richter Frank Gaßmann mit den Parteien auf ein mögliches Höchststrafmaß geeinigt. Voraussetzung sei allerdings das Geständnis des Angeklagten und dass die Beweisaufnahme keine neuen Fakten erbringt. Unter diesen Voraussetzungen könnte am Ende des Prozesses eine Höchststrafe von vier Jahren bis zu vier Jahren und neun Monaten stehen.

Mann gesteht sieben Einbrüche

Der angeklagte Tscheche hat sieben Einbrüche beziehungsweise Einbruchsversuche eingeräumt. Bei fünf weiteren bestritt er, der Täter zu sein. Selbst aussagen wollte er allerdings nicht. Dafür verlas sein Verteidiger eine Erklärung. Sein Mandant bereue sein Verhalten zutiefst. Er sei sich bewusst, was er den Menschen angetan habe, als er in ihre Privatsphäre eingedrungen sei.

Zu den Hintergründen erläuterte Verteidiger Greithaner, dass sein Mandant bei einer tschechischen Stadt gearbeitet habe und sich dort im Sommer um die Parks und im Winter um den Straßendienst gekümmert habe. Im März 2023 sei er arbeitslos geworden. Er habe sechs Monate von einem Arbeitslosengeld zwischen 400 und 600 Euro gelebt, einen neuen Arbeitsplatz habe er aber nicht gefunden. Als die finanziellen Mittel nicht mehr ausreichten, so der Anwalt, habe sein Mandant mit den Einbrüchen begonnen. Drogen oder Alkohol spielten bei seinem Mandanten keine Rolle. Er lebe mit einer Frau und drei Kindern zusammen.

Weitere Einbrüche in Tschechien

Dass der Tscheche aber nicht zum ersten Mal straffällig geworden ist, wurde deutlich, als der Vorsitzende Richter ein Schreiben des Bezirksgerichtes Pilsen verlas, das über Jahre verteilt mehrere Diebstähle und Verurteilungen in Tschechien beschrieb. Im deutschen Strafregister ist der 48-Jährige bisher ein unbeschriebenes Blatt.

Bei der Anhörung der Diebstahlsopfer aus dem Raum Rötz, dem Raum Waldmünchen und dem Gebiet um Bad Kötzting interessierte sich der Vorsitzende Richter nicht nur für den Diebstahl- und den Einbruchschaden. Er wollte vor allem auch wissen, wie die Opfer den Einbruch in ihre Häuser und Wohnungen verarbeitet hätten.

So schilderte eine Zeugin, dass sie anfangs sehr erschüttert gewesen sei. Sie habe sogar Urlaub genommen, um das Geschehene zu verarbeiten. „Ich hatte Angst, wenn ich abends heimkam!“ Ähnliches schilderte ein anderer Zeuge. Seine Frau habe nicht mehr alleine im Haus bleiben wollen. Oft waren auch Kinder betroffen. So berichtet ein Zeuge, dass sich deren Furcht erst gelegt habe, nachdem er die Sicherheitsmaßnahmen in seinem Haus verbessert hatte.

Bargeld und Schmuck mitgenommen

Bei der Beute hatte sich der Einbrecher meist an Bargeld gehalten, aber auch Schmuck mitgenommen. Auf der Suche danach hatte er meist alle Räumlichkeiten durchsucht. Dabei scheute er auch nicht einen gewissen Kraftaufwand. So wurde bei einem Einbruch ein kleiner Tresor aufgebrochen. Bei den Einbrüchen war der Mann auch zweimal auf die Bewohner getroffen. So wird in der Anklageschrift ein Einbruch in Schönthal geschildert, dass der Einbrecher auf einen Mann im Bett liegend traf und mit dem Wort „Entschuldigung“ flüchtete. In einem anderen Fall ertappte eine Geschädigte den Einbrecher noch auf dem Grundstück mit ihrem E-Bike. Nach einem kurzen hin und her ließ der Mann das Rad los und flüchtete. Die Zeugin war sich sicher, dass er mit einem tschechischen Auto „und quietschenden Reifen“ davongefahren sei. Einen Teil der Nummer hatte sie der Polizei nennen können.

Zu bemerken ist noch, dass der Angeklagte sich bei jedem der Einbruchsopfer entschuldigte, weil er in ihr privates Umfeld eingedrungen sei.

Aufschlussreich war auch die Aussage eines Waldmünchner Polizisten, der die Einbruchsserie aufklären konnte. Auf die Spur des Täters kam die Polizei durch seine Art der Handynutzung. Die Diebstähle beweisen konnte man ihm allerdings erst durch DNA-Spuren, die der Mann an zwei Tatorten hinterlassen hatte. Die DNA-Spuren seien mit einer Wahrscheinlichkeit von 1 zu 30 Milliarden auf den Mann zurückzuführen, teilte das Polizeilabor mit. Der Mann hätte die zwei Einbrüche auch ohne Umschweife gestanden, machte der Polizeibeamte deutlich. Mehr aber nicht.

Mittwoch ein weiterer Zeuge

Die Verhandlung wird am Mittwoch mit der Anhörung eines weiteren Zeugen fortgesetzt. An diesem Tag könnten bereits Abschlussplädoyers und Urteile fallen. Eigentlich war der Prozess auf drei Tage angesetzt.