Holzwurmbefall: Kirche in Mitterschneidhart ist gesperrt

Die Fenster der Kirche St. Martin in Mitterschneidhart sind fein säuberlich mit Folie verklebt. Die Friedhofstore sind verschlossen. Wegen „Vergiftungsgefahr“ dürfen Friedhof und Kirche bis Freitag, 25. Oktober, nicht betreten werden. Das steckt dahinter.
Im Inneren der Kirche wurde im Kampf gegen den Holzwurm am Montagnachmittag Gas verteilt. Der Schädling hatte sich großflächig im Gotteshaus ausgebreitet. Die Putzfrauen und die Mesnerin hätten ihn auf die Holzmehl-Häufchen aufmerksam gemacht, sagt Pfarradministrator Walter Csar, denn Mitterschneidhart gehört zur Pfarrei Herrnwahlthann. Als dann ein Kerzenleuchter am Hochaltar mit Holzwurmspuren umfiel und auseinanderbrach, war für den Geistlichen klar: „Da müssen wir sofort etwas machen“, schließlich soll die Kirche, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde und Sitzplätze für rund 134 Gläubige bietet, weiterhin gut erhalten bleiben.
Deutliche Spuren
Daraufhin wurde die Firma Binker Materialschutz beauftragt. Wie Geschäftsführer Joachim Binker erläutert, sei der Innenraum der Kirche vom „Gewöhnlichen Nagekäfer“, auch Holzwurm genannt, befallen. Seine Spuren sind deutlich am Gestühl, am Hochaltar, in der Sakristei, am Chorgestühl, an der Treppe zur Empore und auch an der Orgel zu erkennen. „Holzwurmbefall kann auf Dauer diese historische Ausstattung erheblich schädigen“, sagt Binker.
Der Dachstuhl ist nicht betroffen und wird nicht mit Gas behandelt. Deshalb müsse auch das Dach nicht abgedichtet werden, erklären die Mitarbeiter, die Montagfrüh in Schneidhart anrückten. Auch habe es keine Spuren von Fledermäusen im Dachraum gegeben. Darum könne man auf eine Absaugeanlage im Dachraum verzichten. Zuerst galt es, alle Fenster, Türen und sonstige Öffnungen abzudichten. Am Nachmittag wurde schließlich das Gas eingeleitet. Rund drei Tage muss es einwirken, bis es Freitagvormittag wieder abgesaugt wird.
Schlüssel abgegeben
Zeigen Kontrollmessungen keine Gasspuren mehr in den Räumen an, wird die Kirche zum gefahrlosen Wiederbetreten freigegeben. Freitagnachmittag soll es soweit sein, sagt ein Mitarbeiter auf Nachfrage. Dann soll auch Pfarrer Walter die Schlüssel für die Kirche wiederbekommen. Denn die musste er abgeben, damit in dieser Zeit niemand unbefugt die Kirche betritt.
So lange St. Martin gesperrt ist, müssen die Gläubigen auf andere Gotteshäuser ausweichen. In Mitterschneidhart wird alle 14 Tage ein Sonntagsgottesdienst gefeiert sowie einmal wöchentlich eine Messe. Die müsse nun entfallen, sagt Pfarrer Walter. Er rechnet mit Kosten von „mehreren tausend Euro“ für die Schädlingsbekämpfung. Ist sie abgeschlossen, stehen schon die nächsten Arbeiten in der Pfarrei Herrnwahlthann an. Anfang 2025 soll die Orgel in der Kirche in Hausen renoviert werden. Feuchtigkeit im Kirchenraum hatte das Instrument in Mitleidenschaft gezogen. Im Dezember 2023 war die Innenrenovierung und im Jahr davor die Außenrenovierung der Hausener Kirche abgeschlossen worden.


