Ende des Engagements im Landkreis Cham: Die Stanglmeier-Stiftung zieht sich zurück

Von Christina Hainzinger-Feigl · 18. Oktober 2024 um 15:00

Seit mehr als 40 Jahren sind sie ein fester Bestandteil der Jugendkulturarbeit im Landkreis Cham: Die Vorspielabende der Josef-Stanglmeier-Stiftung, bei denen Kinder und Jugendliche eine Bühne für ihre musischen Fähigkeiten bekommen. Viele Nachwuchs-Musiker sind gerade wieder dabei, ein Stück für die diesjährige Stanglmeier-Veranstaltung herauszusuchen und einzuüben. Es werden die letzten Veranstaltungen dieser Art in Bad Kötzting, Furth im Wald, Waldmünchen und Roding sein: Die Josef-Stanglmeier-Stiftung zieht sich aus dem Landkreis Cham zurück. Das sind die Gründe.

Im April hat der Stiftungsvorstand mit seinem Vorsitzenden Dr. Uwe Brandl dem Landratsamt Cham in einem Brief mitgeteilt, die Stiftung werde ihr Engagement im Landkreis Cham aus finanziellen Gründen 2025 beenden. Dr. Brandl war 30 Jahre lang Bürgermeister in Abensberg (Landkreis Kelheim), wo die Josef-Stanglmeier-Stiftung ihren Sitz hat, und ist auch Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebunds sowie des Bayerischen Gemeindetags.

Die Förderung der Jugend

Er bestätigt auf Nachfrage unseres Medienhauses den Grund für den Rückzug aus dem Landkreis Cham sowie dem Landkreis Dingolfing-Landau und der Stadt Landshut (im Landkreis Kelheim ist die Stiftung weiterhin tätig). Die Stiftung erwirtschafte aufgrund der momentanen Niedrigzinsphase zu wenig, habe unter anderem sanierungsbedürftige Immobilien im Portfolio. Er habe ein Konsolidierungskonzept für das Stiftungsvermögen entwickeln und eine Priorisierung unter Wahrung des Stiftungswillens vornehmen müssen.

Zur Erklärung: Der Abensberger Bauunternehmer und Politiker Josef Stanglmeier hatte 1978 anlässlich seines 60. Geburtstages eine Stiftung ins Leben gerufen mit folgendem Stiftungszweck: Förderung der Aus- und Fortbildung Jugendlicher in Bayern; Förderung der sinnvollen Freizeitgestaltung Jugendlicher in Bayern; Unterstützung von in Not geratenen und bedürftigen Personen; Förderung des Sports; Förderung der Wissenschaft und Forschung; Förderung der Kunst und Kultur. Dr. Uwe Brandl aber spricht von der „begründeten Hoffnung“, das Stiftungs-Engagement womöglich in fünf bis acht Jahren wieder zu erweitern.

Im Landratsamt Cham ist man derweil „tief betroffen“ von der Entscheidung der Stanglmeier-Stiftung, sagt Kreisjugendpfleger Simon Frank. Das Landratsamt ist Mittelempfänger der Stiftungs-Zuwendungen, die im Rahmen der Jugendkulturarbeit mit dem Amt für Jugend und Familie Kreis Cham eingesetzt werden.

Hinter der Organisation all der Aktionen im Landkreis stecken aber auch viele Ehrenamtliche, die „in all den Jahren mit viel Herzblut und Engagement Strukturen aufgebaut haben, um etwas Optimales für die Kinder- und Jugendarbeit zu schaffen. Darauf sind wir ziemlich stolz“, sagt Frank. Die Pressestelle des Landratsamtes informiert, dass in den mehr als 40 Jahren weit über eine halbe Million Euro von der Stiftung in den Landkreis Cham geflossen seien. „Dafür ist der Landkreis sehr dankbar.“

Finanziert und gefördert

Konkret wurden folgende Aktivitäten bisher mit den Mitteln der Josef-Stanglmeier-Stiftung finanziert und gefördert: jährlich fünf Vorspielaktionen für Kinder und Jugendliche mit Musik, Gesang und Tanz sowie ein Kinder-Kunstseminar (Eigenveranstaltungen der Stiftung); außerdem: Organisation und finanzielle Unterstützung von Auftrittsmöglichkeiten für jährlich bis zu drei Jugendorchestern bei Kultur im Schloss in Neukirchen b. Hl. Blut – Zuschüsse für Jugend-Theatergruppen – Zuschüsse für Musikseminare der Jugendorchester im Landkreis Cham (jährlich bis zu zehn Seminare) – Förderung der Arbeit mit behinderten Menschen: Zuschüsse für die Unbehinderten Kulturtage, Musikgruppen der Behindertenwerkstätten, Bildungsstätte St. Gunther, Barmherzige Brüder Reichenbach, BRK-Sozial-Psychiatrischer Dienst, Sonderpädagogisches Förderzentrum. Hinzu kommt eine jährliche Ausbildungsförderung für BRK-Kurse „Helfer in der Pflege“, um die Seminargebühren etwas zu reduzieren.

All diese Aktionen können nun ab dem kommenden Jahr nicht mehr gefördert werden oder finden jetzt, wie die anstehenden Vorspielabende im November, im Landkreis Cham und auch in Bad Kötzting zum letzten Mal statt. Letztere wollen „alle Ehrenamtlichen im Landkreis Cham zu einem ganz besonderen, tollen Erlebnis werden lassen. Wir hoffen, dass sich möglichst viele Kinder und Jugendliche für die Vorspielabende im November anmelden“, sagt Simon Frank.

Anmelden für Vorspielabend in Bad Kötzting

Termin: Die Josef-Stanglmeier-Stiftung lädt Kinder und Jugendliche ein, sich aktiv zu beteiligen. Als Publikum möchten die Verantwortlichen nicht nur die Eltern, sondern gerne die gesamte Bevölkerung begrüßen. Der Eintritt ist frei. Am Dienstag, 19. November, um 19 Uhr heißt es wieder „Jugend gestaltet Freizeit“. Hierbei erhalten die Mitwirkenden eine finanzielle Anerkennung durch die Josef-Stanglmeier-Stiftung. Veranstaltungsort ist die Aula des Benedikt-Stattler-Gymnasiums in Bad Kötzting.

Anmeldungen per E-Mail an franz.adam@bsg-koetzting.de (Franz Adam) so bald wie möglich. Anmeldeschluss ist der 8. November. Für die Anmeldung erhalten die Interessenten per Mail ein Formular. Erforderliche Angaben sind neben den Personalien auch eine Kurzbeschreibung der Darbietung (Titel des Stücks, Instrument und vor allem eine realistische Angabe über die Dauer des Beitrages). Selbstverständlich liegt dem Veranstalter der Datenschutz sehr am Herzen. Die Daten, welche für eine Teilnahme nötig sind, werden für keine weiteren Zwecke verwendet. Weiterhin interessiert die Organisatoren, wie lange die jungen Künstler bereits musikalisch aktiv sind.

Mitwirkende: Bei instrumentalen Beiträgen sollten die jungen Künstler mindestens seit zwei Jahren Unterricht haben. Die Altersgrenze beträgt zehn bis 21 Jahre. In Gruppen dürfen einzelne Mitglieder auch jünger sein. Wie immer erhalten die Mitwirkenden eine finanzielle Anerkennung für ihr Hobby. Musikalisch oder tänzerisch begabte Kinder und Jugendliche können sich für Solo- oder Ensembledarbietungen anmelden. Musikalisch ist alles möglich (Volksmusik, Klassik, Rock und Pop). Jazz- und Volkstanz, Turn- oder Akrobatikvorführungen (soweit die Räumlichkeiten es zulassen) werden ebenfalls ins Programm aufgenommen. Auch sollte der Gesang (Chor und Solo) nicht fehlen.

Vielfalt: Um möglichst vielen Mitwirkenden die Chance eines Auftrittes zu geben, sollen die Programmbeiträge nicht zu lange sein. Es entscheidet grundsätzlich der Zeitpunkt der Anmeldung, und es wird eine größtmögliche Programmvielfalt angestrebt. Die Auswahl der Gruppen und Stücke obliegt letztendlich dem Veranstalter.