„Wir wollen Barrieren abbauen“ – Bianca Härtl spricht über die nächste Inklu-Con in Burglengenfeld

Die dritte Inklu-Con ist gerade erst in Maxhütte-Haidhof über die Bühne gegangen. Doch die Planung für das nächste Jahr laufen bereits. Im Interview mit der Mittelbayerischen spricht Organisatorin Bianca Härtl über den Erfolg der Veranstaltung, über die Bedeutung von Inklusion und über den Weg zur Barrierefreiheit.
Die dritte Auflage der Inklu-Con ist Ende September über die Bühne gegangen. Wie haben Sie die Veranstaltung erlebt? Und wie viele Besucher konnten Sie in Maxhütte-Haidhof begrüßen?
Bianca Härtl: Für das Städtedreieck und mich war die diesjährige Inklu-Con wieder mal ein toller Erfolg. Die positiven Reaktionen aus der Bevölkerung bestätigen das nochmals. Bei einer Veranstaltung wie der Inklu-Con ist es vollkommen ausreichend, eine Besucherzahl zwischen 500 und 600 zu erreichen. Das ist uns gelungen. Die circa 350 Sitzplätze reichten zeitweise nicht aus und ein beständiges Kommen und Gehen fand über den Tag verteilt statt. Teilweise hat uns der Besucherandrang bei Kaffee, Kuchen und Co. durchaus auch an unsere Grenzen gebracht.
Sind sie und die Aussteller mit dem Besuch zufrieden?
Härtl: Bei der Inklu-Con kommt es uns nicht darauf an, extrem viele Besucher zu generieren, sondern dass sich die Menschen bei uns wohl fühlen, ihren Spaß haben, neue Erfahrungen machen, sich dem Thema Inklusion annähern und mit einem guten Gefühl wieder nach Hause gehen. Das Gleiche gilt auch für unsere Aussteller. Und so viel schon einmal vorab: Bereits am gleichen Tag haben uns etliche Aussteller ihr Kommen für das nächste Jahr zugesichert. Ich denke, das spricht für sich.
Was war Ihr Moment bei der Inklu-Con 2024?
Härtl: Es gab an diesem Tag sehr viele schöne und besondere Momente. Ein Erlebnis war jedoch sehr besonders. Beim letzten Lied der kleinen Horrorband sang ein Mitglied der Schwandorf Tigers mit Down-Syndrom zusammen mit der Sängerin. Das war ein echter Gänsehaut-Moment.
Die Planungen für die Inklu-Con 2025 in Burglengenfeld laufen bereits
Wie planen sie für das kommende Jahr? Welche Vision haben Sie in Sachen Inklu-Con?
Härtl: Die Planungen für das kommende Jahr in Burglengenfeld laufen bereits. Die Mitmach-Stationen haben sich in diesem Jahr fast verdreifacht. Ich denke, diese Größe ist für die Veranstaltung völlig ausreichend. Wir wollen mit der Inklu-Con einmal im Jahr allen Besuchern einen tollen, erlebnisreichen Tag bieten. Lassen Sie sich überraschen, was die Inklu-Con nächstes Jahr alles zu bieten hat.
Wird auch die Inklu-Con 2025 wieder eine Messer für Jedermann – oder nur eine für direkt Betroffene?
Härtl: Wir wollen mit dieser Veranstaltung die Barrieren zwischen Menschen mit und ohne Handicap abbauen und neugierig machen auf eine andere Sichtweise. So bietet sich nur bei der Inklu-Con die Möglichkeit, zum Beispiel Blindenschrift, Weißstockgehen oder auch Rollstuhlfahren am eigenen Leib zu erleben und auszuprobieren. Unsere Gesellschaft wird immer älter und die meisten werden früher oder später mit einem gewissen Grad an Handicap konfrontiert werden – zum Beispiel mit einem Rollator. Daher ist es unserer Meinung nach von Vorteil, sich dem Thema jetzt schon zu stellen und die Angst davor ein Stück weit zu nehmen. Die nächste Inklu-Con wird am 27. September 2025 in der Stadthalle in Burglengenfeld stattfinden.
Sie leiden selbst an einer Behinderung. Wie kam es zu der Erkrankung? Wie geht es Ihnen damit?
Härtl: Vor 18 Jahren hatte ich nach einer Operation einen Atemstillstand. Daraufhin funktionierte meine rechte Körperhälfte nicht mehr richtig. Ich habe gelernt, mich jeden Tag aufs neue anzupassen. Mal geht es mir besser, mal schlechter. Jedoch habe ich das große Glück, laufen zu können – wenn auch nicht lange und nicht weit. Das macht das rechte Bein nicht mit. Daheim nutze ich den Rollator. Dennoch bin ich bei Alltagsaufgaben wie Duschen, Putzen oder Fahrdienste durchaus auf Hilfe angewiesen. Ohne die große Unterstützung meiner Familie geht es nicht. Trotz allem ist mein Handicap gleichzeitig auch eine große Chance für mich. Dadurch habe ich meinen Weg gefunden, mich immer und überall für die Inklusion stark zu machen.
Wo stellen sie in ihrem Alltag noch Barrieren fest?
Härtl: Es geht hier weniger um meine Barrieren. Ich habe meinen Mann an meiner Seite, der mich begleitet und unterstützt. Wie gesagt, sehr kurze Strecken laufen ist mit Unterstützung durchaus möglich. Mich interessieren die Barrieren für meine Mitmenschen. Im Städtedreieck wird vermehrt ein Augenmerk auf die Barrierefreiheit gelegt. Der Umbau des Rathauses in Teublitz oder ein Fahrstuhl für das Mehrgenerationenhaus in Saltendorf sind nur zwei Beispiele. Auch bemerke ich ein zunehmendes Interesse der Bürgerinnen und Bürger an der Barrierefreiheit. Ich werde durchaus angerufen, wenn jemanden eine Barriere auffällt, die beseitigt werden könnte. Das freut mich und ich versuche gemeinsam mit den Städten diese Barrieren so gut es geht zu beseitigen.
Den Landkreis Schwandorf überlebt Bianca Härtl bei der Inklusion als sehr offen
Wie steht es denn um die Inklusion im Landkreis? Wo sehen sie noch Herausforderungen?
Härtl: Der Landkreis Schwandorf ist sehr offen, was das Thema Inklusion betrifft. Ich hatte in den letzten drei Jahren keineswegs das Gefühl, kein Gehör bei den Verantwortlichen zwecks, Inklusion und Barrierefreiheit zu finden. Jedoch dürfen wir auch nicht den finanziellen Aspekt außer Acht lassen.
Inwiefern?
Härtl: Es wird seitens des Bezirks sehr viel Geld in die Hand genommen, um die Inklusion/Barrierefreiheit voranzutreiben. Dies kann jedoch nicht von heute auf morgen geschehen. Wir brauchen eben – wie auch bei anderen Angelegenheiten – einen langen Atem und Beständigkeit. Dies wird eine Herausforderung auch für die Zukunft sein.
