Öffentliche WCs in der Kritik: Senior sieht in Burglengenfeld für Notdurft nur Notlösungen

Vorsicht, hier geht es um eine Sache, die nicht gut zu einer Mahlzeit passt. Aber: Die Angelegenheit ist wichtig. Schließlich muss jeder jeden Tag kleine und größere Geschäfte erledigen – nicht selten auch außerhalb der eigenen vier Wände. Wer in der Burglengenfelder Innenstadt eine öffentliche Toilette sucht, hat allerdings nicht immer Glück.
Ein älterer Herr, der aus verständlichen Gründen seinen Namen an dieser Stelle nicht lesen möchte, hat der MZ-Redaktion seine Erfahrungen mit der Suche nach einem Klo im öffentlichen Raum geschildert. Der Burglengenfelder ist über 80Jahre alt, aber noch gut zu Fuß. Um etwas für seine Gesundheit zu tun, geht er deshalb regelmäßig spazieren – auch in der Innenstadt.
Das Problem: Die Blase des Mannes ist nicht mehr die zuverlässigste, und auch der Darm spielt bisweilen verrückt. Aber sollte der Senior deshalb nur noch zuhause sitzen?
Er wagt sich also trotz der Handicaps fast täglich nach draußen, um seine Runden zu drehen. Im Fall der Fälle, so seine frühere Überzeugung, würde er im Stadtzentrum schon rechtzeitig ein stilles Örtchen finden. An einem späten Freitagnachmittag jedoch musste der Herr erkennen, dass er sich verkalkuliert hatte. Am Marktplatz spürte er plötzlich das dringende Bedürfnis zum Toilettengang. Was lag näher als die Rathausstraße anzusteuern, wo es bekanntlich eine Anlage für die Allgemeinheit gibt. Direkt vor dem Rathaus weist ein pipigelbes Schild ausdrücklich darauf hin.
Auch in der kleinen Großstadt Regensburg sorgen Bedürfnisanstalten immer wieder für Schlagzeilen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Also marschierte der Senior los und hoffte auf ein schnelle Erleichterung. Doch die WC-Tür war verschlossen. Verzweifelt rüttelte der Mann am Griff. Nichts zu machen. Der Schweiß trat ihm auf die Stirn. „Schnell umdrehen und ins nächste Gasthaus!“, dachte er. Doch das hatte an diesem Abend Betriebsurlaub. Und so lief der Mann, so schnell er konnte, in Richtung Naabufer, wo er ziemlich wahllos ins nächste Gebüsch stürzte, um die Hosen runterzulassen...
Wie vielen Mitmenschen geht es ähnlich?
Das Erlebnis war für den Rentner so deprimierend und beschämend, dass er sich an die Redaktion wandte. Das Problem sollte publik gemacht werden. Schließlich könnten auch viele andere Senioren in eine ähnliche Notlage geraten?
Die Botschaft es Bürgers: Die Ausstattung der Innenstadt mit öffentlichen WCs müsse verbessert werden. Die Anlage in der Rathausstraße sei zwar intakt, werde aber jeden Freitag ab 17Uhr bis Montag geschlossen. Die zweite am Europaplatz sei nur zu bestimmten Anlässen geöffnet. Die dritte im Parkhaus sei immer auf – aber in einem erbärmlichen Zustand.
Die MZ steckte selbst die Nase hinein und war vom Ambiente überrascht. Überall seltsame Schriftzüge und Symbole, die vor unbestimmter Zeit offensichtlich von einem Sympathisanten der Antifa-Szene an Fliesen und Türen gesprayt worden sind. Die Klos selbst machten keinen ganz so üblen Eindruck, wie der Informant geschildert hatte. Aber deutlich zu erkennen war, dass das vom letzten Nutzer zurückgelassene Geschäft nur teilweise weggespült wurde.
Stadtwerke klagen über „unsachgemäße Abfallentsorgung“
Mit diesen Eindrücken konfrontiert, erklärt Stadtwerke-Vorstand Johannes Ortner, die Anlage im Parkhaus funktioniert „grundsätzlich recht gut“. Allerdings führten die „leider häufigen unsachgemäßen Abfallentsorgungen“ dazu, dass die „Abflussleistung entweder nicht gegeben oder aber stark reduziert ist“ – bis die Störung wieder beseitigt wird.
Meldungen von Missständen nähmen die Stadtwerke gerne entgegen. „Wir kümmern uns auch zeitnah darum, um den Service für die Nutzer des Parkhauses und die Besucher der Innenstadt möglichst lückenlos anbieten zu können“, versichert Ortner. Auf den Hinweis, dass die Toilettenanlage durch Sprayer verunstaltet worden ist, reagiert der SWB-Vorstand mit einem Satz: „Die Entfernung erfolgt nach unserem Ermessen.“
Für die anderen Anlagen ist die Stadt selbst zuständig. Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) hält die Kritik für überzogen. Immerhin habe Burglengenfeld im Zentrum mehrere öffentliche WCs. Welche Stadt im Umkreis von 30 Kilometern biete mehr? Gesche verweist auf den Bürgertreff am Europaplatz, wo sich ebenfalls eine barrierefrei zugängliche Toilette für Besucher der Einrichtung befinde. Für den Spaziergänger oder Altstadtbummler, der den Bürgertreff nicht nutze, sei der Weg zum Parkhaus zumutbar.
Bürgermeister verweist auf die Gastronomie
Ferner dürfe man, so Gesche weiter, in der Gesamtbetrachtung nicht vergessen, dass die Besucher der Innenstadt am Wochenende oder in den Abendstunden meist die Gastronomie besuchten, welche ebenfalls Toiletten zur Verfügung stelle. Der „nächtliche“ Spaziergänger ohne konkretes Ziel komme eher selten vor und wenn, dann finde er wiederum im Parkhaus eine Toilette. Während der Geschäftszeiten im Rathaus (auch samstags), der Öffnungszeiten der Stadtbibliothek oder im Volkskundemuseum stünden den Besuchern ebenfalls Klos zur Verfügung.
Der Bürgermeister gibt im Übrigen zu bedenken, welcher Aufwand mit dem Betrieb öffentlicher WC-Anlagen verbunden sei. Sie müssten von jemandem kontrolliert und sauber gehalten werden. Leider verhielten sich nicht alle am stillen Örtlichen so, wie es wünschenswert wäre. Gegenstände würden in die Abflüsse versenkt, die dort nicht hineingehörten – was die Klos nicht nur unbrauchbar mache, sondern auch teure Reinigungsaktionen nach sich ziehe.
Nächtliche Kontrollen oder Kontrollen am Wochenende, die missbräuchliche Nutzung einschränkten, hält der Rathauschef für nicht leistbar. Die jährlichen Kosten für den Unterhalt in der Rathausstraße beziffert er auf rund 7000 Euro, die für den Europaplatz auf 1200Euro.


