Die Familie Wild hat das Fechten schon vor 100 Jahren nach Furth im Wald gebracht

Fechtsport in Furth im Wald und die Familie Wild – das eine ist ohne das andere kaum denkbar. Vor 100 Jahren hat Ernst Wild sen. die Sportart in der Grenzstadt etabliert und damit den Grundstein für eine Familiendynastie gelegt, die bis in die Gegenwart reicht.
Die Gegenwart, das ist Max Wild, der aktuell Fechtabteilungsleiter im TV Furth im Wald ist. „Das ist auch gut so, wir fühlen uns wohl im Verein“, sagt der Nachfahre des Gründervaters. Zum 100. Geburtstag hat man gerade ein Einladungsturnier in der Dreifachturnhalle abgehalten.
Ausgelassen gefeiert
„Gefolgt sind dieser Einladung so viele Fechter wie noch nie“, freut sich Max Wild. 51 Sportler hatten gemeldet, krankheitsbedingt waren es dann immer noch 43 Sportler, die auf der Planche, wie das Kampffeld der Fechter heißt, mit Florett, Säbel und Degen um den Sieg gekämpft haben.
„Besonders gefreut hat uns, dass die Sportfreundschaft zum nächstliegenden tschechischen Verein vertieft wurde“, sagt der Further Abteilungsleiter und ergänzt: „Der TS Lokomotiva Pilzeň trat mit einer starken Abordnung von 18 Turnierteilnehmern an.“
Aktive und interessiertes Publikum sahen spannende Wettkämpfe, in denen sich auch Further Fechter hervortun konnten. Am Ende des Turniertages nahm die Vorsitzende des Bayerischen Landesfechtverbands, Birgit Anzenberger, zusammen mit Max Wild die Siegerehrung vor. Überreicht wurden handgefertigte Medaillen zur Erinnerung an dieses denkwürdige Turnier zum 100. Geburtstag der Fechtabteilung. Anschließend wurde im Café V.I.P. eine ausgelassene Geburtstagsparty gefeiert.
Das war der vorläufige Höhepunkt einer einhundertjährigen Erfolgsgeschichte. Im Jahr 1924 hat sich eine Schar junger Männer um einen Kriegsveteranen und Zollbeamten geschart, der in die Drachenstichstadt versetzt worden war. „Er konnte den Sport unterrichten“, sagt Barbara Wilnhammer, die ebenfalls zur Fechtfamilie gehört. Neben dem Fechtmeister, der seine Erfahrung weitergeben konnte, waren dies Ernst Link, Hans Ermel, Max Götz, Ludwig Mühlbauer, M. Schillitz, Christian Schmidbauer, Franz Schneider, Alois Wolf und Ernst Wild sen. Wilnhammer: „Allerdings war das damalige Fechten noch nicht mit dem vergleichbar, was wir heute modernes Sportfechten nennen.“
Schon damals hat sich Ernst Wild sen. um die Entwicklung des Sports vor Ort verdient gemacht. Wie so vieles andere auch brachte der 2. Weltkrieg die Aktivitäten zum Erliegen. „Auch in den Jahren danach war an ein Weitermachen zunächst nicht zu denken“, sagt der aktuelle Abteilungsleiter Max Wild. „Die Amerikaner hatten den Besitz von Waffen verboten und alle Bürger dazu aufgefordert, diese abzugeben.“ Laut Chronik des Vereins ist geschichtlich verbürgt, dass die Further Fechter der Aufforderung nicht nachkamen. Doch sie mussten ihre Sportwaffen im Verborgenen halten. Erst 1954 sollte das Further Fechten wieder aus dem Dornröschenschlaf erwachen. Ernst Wild sen. war zu diesem Zeitpunkt stellvertretender Vorsitzender des TV. Vereinskamerad und Turner Hans Huber entdeckte seine Leidenschaft für das Fechten und rannte damit bei Wild natürlich offene Türen ein.
Das Feuer war wieder entfacht. Schnell entwickelte sich eine Abteilung mit Hans Huber, Karl und Ralf Kleeberger, Herbert Maschek, Dietrich und Gerhard Sturm, Ernst Wild jun., Helmut Silberer, dazu die Damen Itzi Blahut, Ursel Brunner, Ruth Haimerl, Marianne Henschker, Liesel Jahn, Lina Merdan, Gertraud Redel, Anni Wierer und Gusti Zinterer. Problem: Es stand im Gegensatz zu 1924 kein Lehrer zur Verfügung. Hans Huber legte sich theoretisches Wissen zu, Siegi Wild, Bruder von Ernst Wild sen., führte die Mitglieder in die Grundzüge der Beinarbeit ein. Der Sog dieser besonderen Sportart ist so groß, dass sich ihr danach auch alle Kinder der Brüder Ernst jun. und Siegi Wild verschrieben haben. Dazu gehören Barbara und Anne Wild. „Auch wir Enkel sind von dem Virus infiziert“, sagt Max Wild und nennt seine Geschwister Fabiola, Laurin, Janosch sowie Ludwig Hofmann. Auch Antonia und Margarete Wilnhammer (Töchter von Barbara) sind aktiv dabei.
Fechten ist ein Taktiksport
Doch woher rührt die große Faszination des Fechtsports? Max Wild zitiert seinen Großvater: „Fechten findet zwischen den Ohren statt.“
Damit meint er, es ist weit mehr als die natürlich vorhandene Dynamik und der sportliche Aspekt. „Man braucht eine Taktik, muss sich in den Gegner hinein versetzen, agiert defensiv oder aggressiv.“ „Fechten“, so sein Fazit, „fordert Körper und Geist.“
Further Fechter erzielten hervorragende Ergebnisse
Das Fechtturnier wurde durch den Leiter der Fechtabteilung, Max Wild, Bezirksfechtwart Stefan Aargauer (TB Weiden) und den Vorstand des Turnvereins Furth im Wald (TV Furth), Erwin Lamecker, eröffnet. Hubert Lauerer als Vertreter des Bayerischen Landessportverbands (BLSV) und der TV Furth übergaben eine Spende an die Further Fechter. Die tschechischen Fechtfreunde überraschten den Gastgeber mit einem Präsentkorb.
Danach entwickelte sich ein Turniertag mit spannenden Runden-Gefechten und spektakulären K.O.-Begegnungen unter dem Beifall des Publikums – darunter viele ehemalige Fechter, die zum Teil von weit angereist waren. Und so erkämpften sich im Florett Petr Skrovny, TS Lokomotiva Pilzeň, Barbara Wilnhammer, TV Furth im Wald und Leopold Beer, FC Regensburg, die vorderen Plätze. Im Säbel, der Paradedisziplin der Further, war das Starterfeld deutlich größer: Bei einem Tableau mit 17 Teilnehmern sind nach drei Vorrunden und einem anschließendem K.O.-System schließlich Dominik Schumann vom Fechterring Nürnberg, Roman Truksa und Janosch Wild, beide TV Furth im Wald, als Erfolgreichste von der Bahn gegangen. Besonders zu erwähnen ist, dass einige der Further Nachwuchsfechter hier ihre ersten Turniererfahrung sammeln konnten.
Insbesondere im Degen war mit 22 gemeldeten Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Beteiligung groß und das fechterische Niveau hoch. Nach vier Vorrunden und einem K.O.-System beherrschten letztlich Petr Skrovny , TS Lokomotiva Plzeň, als Erstplatzierter vor Jürgen Wagner (FC Regensburg), gefolgt von Jakub Coufal, TS Lokomotiva Plzeň, das Feld.

