Furth im Wald investiert eine Million Euro in Spielplätze und damit in die Zukunft der Kinder

Von Alexander Frimberger · 9. Oktober 2024 um 16:30

Gerade werden in Furth im Wald zwei sehr hochwertige Spielplätze gebaut. Auch eine Pumptrack-Anlage entsteht. Warum das dafür eingeplante Volumen von einer Million Euro eine Investition in die Zukunft ist, weiß man beim Deutschen Kinderhilfswerk.

Rappelkiste und Drachenei heißen die beiden Spielplätze, die gerade auf der Hoferinsel beziehungsweise der Dracheninsel entstehen. Auf den ersten Blick sieht man, dass es sich dabei um individuell gefertigte Anlagen handelt.

Und richtig: „Unsere Spielobjekte sind individuell gefertigt, keine Produktion von der Stange“, verrät Florian Hofmann von der ausführenden Firma projekt spielart und ergänzt, dass vom Modell über die Produktion bis hin zur Installation alles im eigenen Betrieb stattfindet.

Pläne von Planorama

Die Pläne wurden vom LGS-Bauplanungs-Büro Planorama angefertigt. „Mit deren Entwurf haben wir uns zusammengesetzt und besprochen, wie es umgesetzt werden kann“, so Hofmann. Nicht so einfach, da es komplizierte Bauwerke sind, die jede Menge Know-how erfordern. Das Ergebnis: „Jeder Spielplatz, den das Unternehmen anfertigt, gibt es nur einmal“, betont LGS-Geschäftsführer Robert Sitzmann.

Auf der Hoferinsel entsteht eine Spielewelt für kleinere Kinder und Kinder mit Handicap. Drei Rappelkisten sind zu sehen. Die beiden vorderen sind über eine Hängebrücke verbunden, es gibt eine Rutsche und Balancierbalken. „Alles nicht so ganz einfach zu bewältigen, die Geräte sollen ja spannend bleiben und nicht schnell langweilig werden“, so der Spielplatzspezialist Hofmann.

An der dritten Kiste ist eine Rampe angebracht, über die ganz kleine Spielplatzbesucher oder auch Rollstuhlfahrer in das Innere des schiefen Würfels kommen. Drinnen sind zusätzliche Spielmöglichkeiten untergebracht. Neben dem Hauptbauwerk sind auf der Hoferinsel weitere kleine Spielgeräte wie Wippen oder ein Trampolin verteilt. Bürgermeister Sandro Bauer teilt mit, dass diese Maßnahme alles in allem 220 000 Euro kosten wird.

Noch einmal 100 000 Euro mehr, also rund 320 000 Euro, kostet die Maßnahme im Bereich der Dracheninsel, wie die Regner-Insel zukünftig heißen wird. Die Schwierigkeit hier: Das Spielgerät soll äußerlich aussehen wie ein Drachenei. Was man schon jetzt sehen kann: Die Vorgabe wurde erfüllt. Das nicht zu übersehende rund fünfeinhalb Meter hohe Ei hat einen roten Anstrich bekommen. Mit einem Durchmesser von fünf Metern kann darin jede Menge Abenteuerspaß untergebracht werden. Weitere Elemente werden rund um das Ei installiert, es wird außerdem Hängematten und eine Himmelsschaukel geben. Zum Konzept verraten Bauer und Sitzmann, dass später an der Stelle auch Bänke und ein Trinkbrunnen stehen werden. Außerdem befindet sich mit der Sanierung der Drachenhöhle eine Toilettenanlage in unmittelbarer Nähe zum Drachenei. In direkter Nachbarschaft zu den Rappelkisten ist ebenfalls schon zu sehen, dass dort Toiletten gebaut werden. Es sollen Treffpunkte für Kinder und junge Familien entstehen, wohin man auch Mal einen Ausflug mit Picknick macht. Die Orte sollen Aufenthaltsqualität auch für die Eltern haben. „Wir investieren im Moment enorm für Kinder“, so der Further Rathauschef. Rechnet man die Pumptrack-Anlage dazu, summiert sich der Betrag auf rund eine Million Euro.

Notwendige Investition

Folgt man den Ausführungen von Claudia Neumann, Spielraumexpertin beim Deutschen Kinderhilfswerk, ist das eine absolut sinnvolle und vor allem notwendige Investition. In einer idealen Welt, meint sie, seien Spielplätze nicht notwendig, weil Kinder sich überall frei entfalten könnten. Spätestens aber seit Autos die Städte dominieren, bräuchten wir sie. Was viele nicht wüssten, es gebe ein Recht auf Spielraum, und das aus gutem Grund: Kinder hätten ein natürliches Bedürfnis zu spielen, gleichzusetzen mit dem Atmen und dem Essen.

Sie erfahren ihre Welt demnach nicht durch Lernen, sondern durch Selbermachen und Sich-Ausprobieren, so Neumann. Die Qualität der Spielplätze sei dabei ein mitentscheidender Faktor. Es brauche vielfältige Herausforderungen, um die Risikokompetenz zu stärken. Sie sei überzeugt, dass eine Kommune eine Verpflichtung zum Bau solcher Anlagen habe, wenn sie dafür sorgen will, dass Kinder gesund aufwachsen, so die Expertin.

Ein weiterer zentraler Punkt ist für Neumann die Funktion als Treffpunkt. Auf Spielplätzen gebe es ungeplantes Aufeinandertreffen, Zufallsbegegnungen. Deswegen finde sie auch den Gedanken der Begegnungsstätte gut. Im Idealfall sei damit eine Treffpunktfunktion für ganze Familien möglich. Das berge die Chance eines Generationendialogs.

Das Drachenei soll in den kommenden vier Wochen komplett fertig werden.