Schwandorf tritt ein großes Erbe an: Die Stadt erfüllt Millionär einen letzten Wunsch

Jetzt ist es fix: Die Große Kreisstadt Schwandorf wird zum großen Erben und erfüllt damit einen der letzten Wünsche des verstorbenen Gynäkologen Dr. Bruno Faderl aus Wackersdorf. Doch bis das Geld fließt, sind noch mehrere Schritte notwendig.
Der Stadtrat hatte kürzlich in nicht-öffentlicher Sitzung grünes Licht für das Ansinnen gegeben. Wie berichtet, beschloss der kinderlose Mediziner zu Lebzeiten, dass ein Teil seines Vermögens nach seinem Tod an die Bürgerspitalstiftung in Schwandorf fließen soll. Diese verwaltet unter anderem das Elisabethenheim an der Bahnhofstraße.
Für Schwandorfs Stadträte überwogen die Vorteile
Doch Faderl verknüpfte das Erbe in seinem Testament mit einer Bedingung. Das Geld kann nur nach Schwandorf fließen, wenn die Stadt eine Straße oder einen Platz nach ihm benennt. Daraufhin entbrannte unter den Stadträten eine Diskussion. Weil Wackersdorf zuvor das Erbe abgelehnt hatte, um keinen Präzedenzfall zu schaffen, überlegte man auch in Schwandorf, ob man dadurch nicht käuflich werde.
Doch letztlich überwogen für die Stadträte die Vorteile. „Wir wären dumm, wenn wir es nicht machen würden“, erklärte UW-Fraktionschef Kurt Mieschala Mitte September im Gespräch mit unserer Zeitung. Und mit seiner Meinung war der Jurist nun im Stadtrat offenbar nicht alleine. Mit großer Mehrheit stimmten die Mandatsträger für die Erbschaft.
Ferner fassten sie in nicht-öffentlicher Sitzung den Beschluss, dass der Vorplatz des Elisabethenheims nach dem verstorbenen Mediziner benannt werden soll. So wird ein räumlicher Bezug zwischen dem Erblasser und der Stiftung hergestellt. Bei dem Vorplatz handelt es sich um einen beschränkt öffentlichen Weg für Fußgänger. Vor allem Besucher des Elisabethenheims gehen hier lang.
Der Mediziner war am 20. Juni 2024 in einem Nürnberger Pflegeheim im Alter von 80 Jahren verstorben. Seine letzte Ruhestätte fand er am Wackersdorfer Friedhof. Mit seinem Tod hinterließ er ein beachtliches Vermögen von bis zu drei Millionen Euro. Dazu gehören zwei vermietete Wohnhäuser in Wackersdorf, etwa 500.000 Euro Bankguthaben und Finanzanlagen, aber auch sechs Sportwagen, die Autofans begeistern. Zu Faderls Sammlung gehörten etwa ein Ferrari 458 Spider oder ein Porsche 911 Carrera RS, Typ 964. Als Erben benannte er neben der Bürgerspitalstiftung, die ein Drittel erhalten soll, mehrere Hospizvereine in Bayern und einen Verein für krebskranke Kinder.
Noch ist in Schwandorf Geduld gefragt
Bis das Erbe auf das Konto der Bürgerspitalstiftung fließt, dürfte noch etwas Zeit vergehen. Laut Informationen unserer Zeitung muss das Nachlassgericht erst noch Faderls Testamente eröffnen. Dann soll es eine Mitteilung an die einzelnen Erben geben. Erst dann kann Testamentsvollstrecker und Rechtsanwalt Sebastian Lommer mit der Konstituierung des Nachlasses beginnen. Dazu dürften neben einem möglichen Verkauf der Häuser und der Sportwagen auch die Auflösung des Haushalts des Verstorbenen gehören.
So lange diese Schritte nicht vollzogen sind, ist unklar, wie viel Geld die Bürgerspitalstiftung tatsächlich erhält. Stadträte rechnen mindestens mit einem höheren sechsstelligen Betrag.
Erst vor wenigen Wochen hatte Gunda Micke, die Lebensgefährtin des verstorbenen Gynäkologen, Schwandorf besucht und auch den Vorplatz des Elisabethenheims besichtigt. „Ich finde den Platz nicht schlecht“, hatte die 86-Jährige damals erklärt. Auch das Heim sei „sehr schön“. Sie sei sicher, dass sich ihr verstorbenen Lebensgefährte über die Wahl des Ortes sehr freuen würde. Nun geht sein Wunsch in Erfüllung.

