Schwandorfs Millionenerbe rückt näher: Mehrheit der Stadträte will Arzt seinen Wunsch erfüllen

Von Jan Lange, Martin Kellermeier · 16. September 2024 um 19:00

In Schwandorf könnte es vielleicht bald einen Bruno-Faderl-Platz geben. Darüber würde sich Gunda Micke (86) „sehr freuen“. Die Lebensgefährtin des verstorbenen Gynäkologen besuchte jetzt Schwandorf – und schaute sich dabei auch den Ort an, wo an den Millionär, der der Großen Kreisstadt einen Teil seines Vermögens vererben will, erinnert werden soll.

Wie berichtet, hatte die Stadtverwaltung den Stadträten vorgeschlagen, den Vorplatz des Elisabethenheims nach Bruno Faderl zu benennen. Denn ein Teil von Faderls Millionenvermögen soll an die städtische Bürgerspitalstiftung gehen. Das Erbe ist allerdings an eine Bedingung geknüpft: Die Große Kreisstadt muss im Gegenzug eine Straße oder einen Platz nach Bruno Faderl benennen. So wollte der verstorbene Frauenarzt, der selber keine Kinder hatte, erreichen, dass sein Name in Erinnerung bleibt – und er gleichzeitig etwas Gutes tut.

Räumlicher Bezug zu Bürgerspitalstiftung

Die Stadt hat den Vorplatz des Elisabethenheims ausgewählt. Die Pflegeeinrichtung an der Bahnhofstraße wird von der Bürgerspitalstiftung betrieben. So könnte ein räumlicher Bezug zwischen dem Erblasser und der Stiftung hergestellt werden.

„Ich finde den Platz nicht schlecht“, erklärte Gunda Micke nach der Stippvisite. Auch das Heim sei „sehr schön“, so ihr Eindruck. Sie sei sicher, dass sich ihr verstorbenen Lebensgefährte über die Wahl des Ortes sehr freuen würde.

Eine Entscheidung über die Benennung des Vorplatzes ist noch nicht gefallen. Der Ferienausschuss beriet jüngst in nichtöffentlicher Sitzung, verschob aber eine Abstimmung. Das muss nicht bedeuten, dass das Anliegen kritisch gesehen wird. Das zeigen Aussagen der Stadtratsfraktionen.

Man schätze grundsätzlich das Angebot, meint CSU-Fraktionsvorsitzender Andreas Wopperer. Er betont aber auch, dass der Entscheidungsprozess noch nicht abgeschlossen sei. Dies könnte nach seinen Worten noch ein paar Wochen dauern.

SPD-Fraktion sieht keinen Präzedenzfall

Im Ferienausschuss hatte bereits die SPD dem Anliegen zugestimmt, wie Fraktionsvorsitzender Franz Schindler erklärt. Man habe lange diskutiert und sei zu der Auffassung gelangt, dass es sich nicht um einen Präzedenzfall handele. Es sei ein bestimmter Platz für die Namensgebung vorgesehen. Das schließe aus, ist Schindler überzeugt, dass bald der nächste Erblasser komme und ebenfalls eine Straße nach sich benannt haben möchte. Er sehe die Benennung des Vorplatzes des Elisabethenheimes in Bruno-Faderl-Platz „unproblematisch“.

Schindler habe aber Verständnis, wenn jemand Nein sage. Die Gemeinde Wackersdorf gehört dazu. Ihr wurde 2016 ebenfalls ein Erbteil von Bruno Faderl angeboten – mit der gleichen Bedingung, also der Benennung einer Straße. Die Wackersdorfer Gemeinderäte entschieden sich laut Vize-Bürgermeister Thomas Neidl (FW) damals gegen das Erbe. Sie wollten „keinen Präzedenzfall schaffen“, so Neidl.

Mieschala: Namensnennung sollte Ausnahmefall sein

In Schwandorf könnte es durchaus eine Mehrheit für die Annahme des Erbes geben. UW-Fraktionschef Kurt Mieschala sieht keinen Grund, das Angebot abzulehnen. „Wir wären dumm, wenn wir es nicht machen würden“, sagt Mieschala.

Eine Straße oder einen Platz nach einem Erblasser zu benennen, sollte aber der Ausnahmefall und nicht die Regel für die Stadt sein. Man sollte erst ab einer gewissen Höhe des Erbes solche Bedingungen erfüllen, steht für den UW-Fraktionsvorsitzenden fest. Bruno Faderl hatte bestimmt, dass die Bürgerspitalstiftung ein Drittel seines gut drei Millionen Euro umfassenden Vermögens erhalten würde. „Bei dieser Höhe tut man sich leicht, dem Wunsch nachzukommen“, erklärt Kurt Mieschala. Auch Alfred Damm (ÖDP) steht der Benennung in Bruno-Faderl-Platz positiv gegenüber. Es sei ein Platz, der bisher keinen Namen habe, so der ÖDP-Politiker. Er erklärt aber auch, dass es innerhalb der gemeinsamen Stadtratsfraktion mit den Grünen auch andere Meinungen gebe. Es könnte sein, so Damm, dass wir am Ende unterschiedlich abstimmen.

Das Geld wird gebraucht

AfD-Fraktionschef Reinhard Mixl sieht es pragmatisch: „Einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul.“ Nachdem die Stadt beim Bau der Schwellenwerkunterführung Zuschüsse verschleudert habe, sehe er „keinen Grund, warum man die angebotene Million nicht nehmen sollte“. Der Erblasser sei ein „sehr hochgebildeter Mann“, der es gut mit Schwandorf meine. Ihm könne man „ruhig einen Platz widmen“, so Mixl. Es seien andere Plätze nach Bürgern benannt worden, die weniger für die Stadt gemacht hätten, findet der AfD-Fraktionsvorsitzende.

Gunda Micke findet es gut, dass Bruno Faderl sein Vermögen spendet. Wenn es ihre eigene Gesundheit zulasse, wolle sie regelmäßig nach Wackersdorf, wo der verstorbene Gynäkologe seine letzte Ruhestätte gefunden hat, und Schwandorf kommen, verspricht die 86-Jährige. Vielleicht kann sie schon bei einem ihrer nächsten Besuche den Bruno-Faderl-Platz am Elisabethenheim bewundern.