Automobil-Zulieferer Magna schließt Werk in Neumarkt: 110 Arbeitsplätze vor dem Aus

Von David Santl, Marie Campisi · 11. Oktober 2024 um 16:55

Schock für die Beschäftigten bei Magna in Neumarkt: Der Standort soll geschlossen, sämtliche Arbeitsplätze der 110 Beschäftigten sollen gestrichen werden – das hat Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Regensburg am Freitagnachmittag mitgeteilt. Statt in der Oberpfalz sollen die Produkte in Zukunft in Österreich hergestellt werden.

Über die anstehende Schließung seien die Beschäftigten am Donnerstag informiert worden. Das Werk soll laut Irmischer bis Ende 2026 geschlossen werden, alle restlichen Produkte sollen ins österreichische Schwesternwerk verlagert werden. Die Firmenleitung war am Freitagnachmittag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch am Werk in der Alois-Senefelder-Straße war es am Freitagnachmittag ruhig, der Parkplatz großteils unbesetzt und menschenleer.

„Schon länger hat es bei uns im Werk rumort. Wir wissen, dass unsere Zukunft unsicher ist, dass wir dringend eine Zukunftsidee für den Standort brauchen. Dass uns Magna jetzt aber bis Ende 2026 einfach abserviert, das trifft uns schon hart“, sagt Josef Barth, Vorsitzender des Betriebsrats von Magna Neumarkt.

Produkte weniger nachgefragt

Betriebsrat und IG Metall fordern seit 2018 ein Zukunftskonzept für das Neumarkter Werk ein, heißt es in der Pressemitteilung. Im Rahmen der Mobilitätswende insbesondere im Pkw-Bereich seien die Produkte, die Magna in Neumarkt fertige, weniger stark nachgefragt, so die IG Metall. Magna stellt Kunststofftanks für den Kraftstoff von Autos her.

„Seit guten sechs Jahren fordern wir das Management auf, neue, tragfähige Produkte an den Standort Neumarkt zu bringen“, so Irmischer. Man habe externe Experten und Expertinnen an den Tisch gebracht, die Politik eingebunden und das regionale Transformationsnetzwerk involviert. Jedoch: „Das Unternehmen hat offenkundig kein Interesse daran, diesen starken Standort weiterzuführen. Was sie wollen, ist Kahlschlag“, so Irmischer. Mit der Ankündigung, die 110 Beschäftigten auf die Straße zu setzen, mache das Unternehmen deutlich, wie wenig ihnen an den Menschen und der Region liege.

Das Werk soll in den nächsten zwei Jahren schrittweise heruntergefahren und Ende 2026 komplett geschlossen werden, so Irmischer. Die Beschäftigten seien bei der Informationsveranstaltung am Donnerstag auf umliegende Arbeitgeber verwiesen worden, die möglicherweise Interesse an den Arbeitskräften hätten.

Verhandlungen mit Arbeitnehmern

„Das ist ein Schlag ins Gesicht der Menschen, die sich hier Tag für Tag fürs Wohl des Unternehmens aufarbeiten“, so Barth. „Wir hatten erwartet und gehofft, dass wir mit einer guten Idee und viel Engagement Zukunftsgeschäft nach Neumarkt holen können.“

Das Unternehmen habe angekündigt, mit der Arbeitnehmervertretung in Verhandlungen über einen Interessensausgleich und Sozialplan zu treten, so die IG Metall. Betriebsrat und IG Metall würden jetzt intern über die weiteren Schritte beraten. In der ohnehin geplanten Betriebsversammlung am 21. Oktober soll die Belegschaft über die nächsten Schritte informiert werden.

Das Magna-Werk in Neumarkt zählt zu den Standorten für die Produktion von Autotanks und anderen Fahrzeugkomponenten. Seit dem Jahr 2002 werden Tanks in Neumarkt produziert, damals noch unter dem Eigentümer Delphi. 2010 hat Magna die Tankproduktion übernommen, damals mit 19 Beschäftigten. In der Spitze waren laut IG Metall mehr als 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Zu den Hauptprodukten gehören Benzin- und Dieseltanks, die unter anderem an Hersteller wie Audi und Porsche geliefert werden.