Luxusyacht „Golden Eye“ rückt in den USA ins Rampenlicht – Bisher findet sich aber kein Käufer

Von Martin Rutrecht · 13. Oktober 2024 um 19:00

Die „Golden Eye“ war das Prunkstück des früheren Yachtbauers PR marine in Saal (Landkreis Kelheim) und schrieb Geschichten in bestem James-Bond-Stil. In den USA wird die Luxusyacht seit einigen Monaten für gut drei Millionen Euro feil geboten – und soll über die weltweit größte Bootsmesse im Wasser einen Käufer finden.

Gut 36 Meter lang, am Hauptdeck mit großem Salon, Essbereich, Küche, vier Schlafkabinen (acht Gäste) und Räumen für die Crew ausgestattet, das Oberdeck mit Whirlpool, Kinoleinwand, überdachtem Essbereich und einer Bar mit Grill versehen: Das sind die Schmankerl der „Golden Eye“, das Interieur gearbeitet in feinsten Materialien und mit 3600 PS unter dem Kiel. Aufgerufen war die Yacht einst für 10,5 Millionen US-Dollar.

Heute, 27 Jahre nach ihrem Bau 1997 in Saal, gibt es das Prunkstück noch immer, mittlerweile umgetauft in „Grandeur“. Unter diesem Namen liegt die Yacht in Fort Lauderdale vor Anker und ist seit etwa einem Jahr zum Kauf ausgeschrieben. Bis heute findet sich aber kein Käufer.

Eine von vielen Yachten am Markt

„Das ist aber nicht ungewöhnlich. Es stehen in Florida eine Reihe von Yachten zum Verkauf“, sagt Tom Downey von Downey Yacht Sales in Riviera Beach. Der Makler soll die Saaler Yacht an den Mann bringen. Gelistet war die „Grandeur“ nicht nur bei ihm, sondern auch bei Northrop & Johnson, ebenfalls eine Yacht-Broker-Firma in Florida. Sie weist Hunderte Yachten aus – die teuerste für 199 Millionen US-Dollar (fast 78 Meter lang, für 14 Gäste und 27 Crewmitglieder).

Im Vergleich dazu ist die vormalige „Golden Eye“ günstig. Ihr Verkaufspreis liegt bei knapp 3,5 Millionen US-Dollar, etwa 3,1 Millionen Euro. Noch Anfang des Jahres waren für sie 500.000 US-Dollar mehr aufgerufen. „Es waren ein paar Servicearbeiten zu machen, daher hat der Eigentümer einer Preisreduzierung zugestimmt“, erklärt Downey. Wer der Besitzer ist, darf er nicht sagen. Nach Recherchen der Mediengruppe Bayern soll es ein Texaner sein. Die Antwort des Maklers: „No comment“.

Ein Deutscher reklamiert die Luxusyacht für sich

Dass ein früherer deutscher Unternehmer die Yacht für sich beansprucht, ist Downey nicht bekannt. Der Deutsche will die „Golden Eye“ 2006 von einem türkischen Investor gekauft haben. Die Transaktion belegte der deutsche Eigentümer gegenüber der Mediengruppe Bayern mit Dokumenten, darunter die Schiffsbesitzkarte, und einem Rechtstitel, dass es seine Yacht ist.

Nach seinen Angaben verschwand die „Golden Eye“ mutmaßlich über Kanäle des türkischen Vorbesitzers aber in Übersee – sie wurde ihm gestohlen, sagt er. Erst 2021 stöberte der Deutsche die Yacht in der Karibik auf. So schilderte er es unserer Zeitung.

Schon die Anfänge des Prunkstücks sind spektakulär: Beim Transport zur Messe „Boot“ 1998 in Düsseldorf krachte die Yacht von einem Haken. Der Käufer, ein russischer Öl-Magnat, wollte die demolierte Yacht nicht mehr. PR Marine ging in der Folge pleite.

Ein Schnäppchen aus der Insolvenzmasse

Aus der Insolvenzmasse wurde die nach einem James-Bond-Film benannte Yacht für ein Schnäppchen herausgekauft (angeblich 150.000 D-Mark), Eigentümer wurde der erwähnte türkische Investor (Anm.: alle Namen der Redaktion bekannt), er ließ die Yacht generalüberholen und 2006 ging sie dann an den Deutschen.

In den USA ist von diesen Vorgängen nichts bekannt. In den Staaten hatte die Yacht während ihrer langen Odyssee offenkundig andere Besitzer, ergaben Recherchen: 2017 erwarb sie ein Kalifornier, nach dessen Tod 2019 ein Texaner. Der Yacht-Makler Kurt Bosshardt aus Fort Lauderdale jedenfalls zeichnet diese Spur. Von einem rechtmäßigen deutschen Eigentümer wusste er bis vor einigen Monaten nichts.

Seinen Anspruch hat der mutmaßliche Besitzer bislang nicht geltend gemacht. Die Frage, warum nicht, ließ der frühere Unternehmer gegenüber der Mediengruppe Bayern unbeantwortet. Ein Privatprozess würde wohl hohe Kosten verursachen. Daher: Wo kein Kläger, da kein Richter. Insofern läuft der Verkaufsprozess der Yacht in Florida ungehindert weiter.

„International Boatshow“ in Florida läuft auf dem Wasser

Diesen will Tom Downey jetzt anschieben. „Wir werden die ,Grandeur‘ bei der Internationalen Boatshow in Fort Lauderdale präsentieren.“ Diese Bootsmesse läuft nicht wie etwa die „Boot“ in Düsseldorf überwiegend in Hallen ab – die Yachten sind an Anlegeplätzen im Hafen zu besichtigen.

„Sie ist die größte Bootsmesse im Wasser der Welt“, schreibt der Veranstalter auf seiner Homepage. Von 30. Oktober bis 3. November geht sie heuer über die Bühne. Angeboten werden rund 1300 Yachten aller Preisklassen. „Wir hoffen, dort einen Käufer für die ,Grandeur‘ zu finden – deshalb zeigen wir sie auf dieser Messe.“ Eine weitere Preisreduzierung schließt Downey aus. Ein Schnäppchen wird die „Golden Eye“vermutlich nie.

Mehrmals umgetauft

Namen: Die Luxusyacht heißt mittlerweile „Grandeur“, nachdem sie schon als „Lifestyle“, „Lady Z“ und „Charisma“ über die Meere schipperte.

Eckdaten: Baujahr 1997 unter dem Namen „Golden Eye“, Werft Saal/Donau, Überholung 2005 in Bratislava, Designer Frank Mulder, Interieur: Egg & Dart.

Das Hauptdeck ist stilvoll eingerichtet.
Auch am Oberdeck lässt es sich komfortabel verweilen.