Neue Wende um Luxusyacht aus Saal: „Golden Eye“ steht für 3,5 Millionen US-Dollar zum Verkauf

Von Martin Rutrecht · 6. Mai 2024 um 05:00

Demoliert, überholt, geklaut, zurück gekapert – die Luxusyacht „Golden Eye“ schrieb schon spektakuläre Kapitel. Nun fügt sich ein neues an: Das Prunkstück liegt vor Florida und steht zum Verkauf – allerdings nicht vom angeblich rechtmäßigen Eigentümer aus Deutschland. Ein Texaner soll der Besitzer sein, heißt es aus den USA.

Für den damaligen Yachtenbauer PR Marine war es eine Sternstunde: 1997 lief die „Golden Eye“ mit einem Preis von 10,5 Millionen US-Dollar im Saaler Hafen vom Stapel. Doch viel Freude machte sie nicht. Beim Transport zur Messe „Boot“ 1998 in Düsseldorf folgte ein Schadensfall auf den nächsten, unter anderem krachte das Boot beim Hieven aus dem Wasser von einem Haken. Der Käufer, ein russischer Öl-Magnat, wollte die demolierte Yacht nicht mehr. PR Marine, die einige Edelboote baute, ging pleite.

Aus der Insolvenzmasse wurde der havarierte Luxuskahn für ein Schnäppchen herausgekauft (die Angaben schwanken zwischen 150.000 und 250.000 D-Mark). Eigentümer wurde 2004 ein türkischer Investor, der später eine undurchsichtige Rolle spielen sollte. Er ließ die Yacht in Bratislava generalüberholen und verkaufte sie seinerseits 2006 an einen früheren deutschen Unternehmer (Anm.: alle Namen der Redaktion bekannt). Ein Gutachter gab den Wert damals mit 5,9 Millionen Euro an.

Die Luxusyacht verschwand über die Weltmeere

Die Transaktion belegte der deutsche Käufer in einem Treffen mit der Mediengruppe Bayern mit Dokumenten, darunter die Schiffsbesitzkarte, ähnlich einem Kfz-Brief. Doch in seinen Besitz kam die „Golden Eye“ nie, sagte er. Denn sie verschwand nach Übersee und wurde dort für70.000 US-Dollar pro Woche verchartert. Der türkische Vorbesitzer, der sich in Dubai aufhalten soll, hätte noch immer die Hand drauf. Erst 2021 stöberte der deutsche Eigner die Yacht in der Karibik auf und ließ sie von einem darauf spezialisierten Unternehmen aus England kapern.

Der deutsche Besitzer hatte sich per Gericht einen „europäischen Titel“ gesichert, dass es seine Yacht ist. Seinen Plan, die „Golden Eye“ wieder nach Europa zu bringen, setzte er aber nicht in die Tat um. Das Luxusschiff heißt mittlerweile „Grandeur“, nachdem es schon als „Lifestyle“, „Lady Z“ und „Charisma“ über die Meere schipperte, was die Suche nach ihm erschwerte.

Bilder, Imagefilm und Daten zeigen: Es ist die „Golden Eye“

Und als „Grandeur“ taucht die frühere „Golden Eye“ jetzt beim Yacht-Händler Northrop & Johnson als Verkaufsobjekt auf – für knapp 3,5 Millionen US-Dollar. Alle Angaben und Bilder samt Imagefilm auf der Homepage belegen, dass es tatsächlich die Yacht aus Niederbayern ist: Baujahr 1997 unter dem Namen „Golden Eye“, Werft Saal/Donau, Überholung 2005, Länge 36,58 Meter, Designer Frank Mulder.

Vor Anker liegt sie in Fort Lauderdale in Florida. Das bestätigt Yacht-Maklerin Kristen Klein von Northrop & Johnson gegenüber der Mediengruppe Bayern. „Ich war erst vor wenigen Tagen an Bord“, sagt die Brokerin in den USA. In wessen Auftrag die Yacht verkauft werde, dürfe sie nicht sagen. Von einem deutschen Besitzer habe sie jedenfalls keine Kenntnis.

Yacht-Makler verkaufte sie 2017 an Kalifornier

In die Frage nach dem aktuellen Eigentümer bringt Kurt Bosshardt Aufklärung. Er ist ebenfalls Yacht-Makler und für Denison Yacht Sales tätig. Auch er sitzt in Fort Lauderdale. „Ich habe das Schiff 2017 an einen Mann aus Kalifornien verkauft.“ Von wem, darf er nicht verraten. Als Bosshardt den Kauf der damaligen „Charisma“ (aufgerufen für knapp vier Millionen US-Dollar) abwickelte, „hatte ich keine Informationen über einen deutschen Besitzer“.

Der Kalifornier sei im Jahr darauf verstorben, laut Bosshardt nach einer Herzattacke an Bord. Daraufhin sei die Yacht, die zeitweise auf den Bahamas ankerte, 2019 erneut veräußert worden, allerdings nicht über ihn. Er bestätigt aber Informationen, dass es sich um einen Texaner handle „und ich nehme an, er ist nach wie vor der Eigentümer“.

Auch deutscher Besitzer meldet Anspruch an

Vor einigen Monaten meldete sich auch der deutsche Besitzer bei ihm, berichtet Bosshardt. „Er hat mir geschildert, dass eigentlich er der rechtmäßige Eigentümer ist.“ Wenn der Deutsche einen Rechtstitel habe, könne er das in den USA einklagen, meint der Yacht-Makler. „Warum tut er das nicht?“ Diese Frage könnte der deutsche Besitzer beantworten, aber eine Anfrage an ihn blieb unbeantwortet. Ungeklärt bleibt auch, wie die Yacht, die vom Deutschen nach der langen Suche angeblich aufgebracht wurde, wieder in die Hände eines anderen Besitzers geriet.

So aber ist die frühere „Golden Eye“ als „Grandeur“ erneut zum Verkauf ausgeschrieben. Kann der deutsche Eigentümer seinen Besitzanspruch nicht geltend machen, wird die Yacht wieder einen neuen Eigner erfahren. Und ein weiteres Kapitel seit ihrem Bau 1997 in Saal an der Donau schreiben.

Das bietet die „Golden Eye“

Ausstattung: Auf der „Golden Eye“, heute „Grandeur“, sind vier Schlafkabinen für acht Gäste vorhanden, zudem Räume für sechs Crewmitglieder. Für Holztäfelungen wurde Palisander verwendet. Zwei Motoren mit insgesamt 3600 PS treiben die Yacht an.

Luxus: An Oberdeck (Flybridge) finden sich Whirlpool, eine Beiboot-Garage, die zur Kinoleinwand umfunktioniert werden kann, überdachter Essbereich sowie eine Bar mit Grill. Im Hauptdeck liegen ein großer Salon, ein weiterer Essbereich und Küche.

Klientel: Die Kunden der PR Marine waren „sehr vermögende russische oder amerikanische Einzelpersonen bzw. Personen mit hohen Staatsämtern aus arabischen oder asiatischen Ländern“, hielt Insolvenzverwalter Michael Jaffé im Jahr 2000 fest.

An Oberdeck der Yacht befindet sich ein Whirlpool.
Auch innen wartet die „Golden Eye“ mit edler Ausstattung auf.