Die geklaute Luxusyacht kehrt heim

Von Martin Rutrecht · 23. Juli 2021 um 15:55

Die legendäre Luxusyacht „Golden Eye“, gebaut in Saal an der Donau, entführt bis in die Südsee, soll in einen Mittelmeer-Hafen zurückkehren. Der Besitzer des einst 10,5 Millionen Dollar teuren Prunkstücks war nach erfolgreicher Aufspüraktion seines gestohlenen Schiffs erstmals in Kelheim. Und traf dort den Mann, der das 36,5 Meter lange Edelboot aus der Taufe hob.

Beide haben in ihrem Leben mit Millionen jongliert. An diesem Nachmittag sitzen sie vor einem schlichten Kiosk. Der Eigentümer der Luxusyacht „Golden Eye“ und der Macher dieses Prunkstücks, Peter Rammelmayr, treffen sich im Yachthafen Kelheim-Kapfelberg, wo kleinere und mittlere Boote anlegen. „Nach 15 Jahren habe ich das Schiff wieder aufgespürt. Das ist doch ein Grund, mit dem Yachtbauer zusammen zu kommen“, lächelt der Besitzer (62), ein früherer Unternehmer aus Deutschland, der Name und Gesicht nicht öffentlich machen will.

Video-Fundstück vom Bau taucht auf

Der 75-jährige Rammelmayr steht für die Anfänge der „Golden Eye“, benannt nach einem James-Bond-Film. In den späten 1990er-Jahren wurde sie in seiner Werft PR marine in Saal gebaut. Die Yacht sollte mit über 8000 PS und fast 100 km/h neue Dimensionen erreichen. Doch sie leitete den Niedergang der Firma ein: Beim Transport zur Messe „Boot“ 1998 in Düsseldorf folgte ein Schadensfall auf den nächsten. Der frühere Präsident eines russischen Ölkonzerns, der sich die Yacht gesichert hatte, trat vom Kauf zurück, die Versicherung zahlte nichts. PR Marine ging insolvent.

Vor über 20 Jahren wurde der Bau der „Golden Eye“ Teil einer Film-Doku über PR marine:

Aus der Insolvenzmasse war der havarierte Luxusyacht mit 250.000 D-Mark – wie Besitzer und Rammelmayr heute beziffern – ein Schnäppchen. Über einen Käufer landete die „Golden Eye“ in den Händen eines türkischen Investors. „Ich habe dem Mann damals noch geholfen, die Yacht nach Bratislava zu bringen“, erzählt Rammelmayr. Dort, bei der Danube Marine Consulting, wurde die verschlissene Yacht auf Vordermann gebracht. Die größte Unwägbarkeit waren mögliche Risse im Boot durch die Transportunfälle. „Zwölf Tonnen Spachtelmasse wurden runtergeklopft, Risse fanden sich nicht“, berichten die Herren.

Anfang 2006 brachte der türkische Käufer die Superyacht in eine Werft nach Antalya. Die „Golden Eye“ hieß jetzt „Lifestyle“. Der heutige Eigentümer der Yacht kaufte das runderneuerte Schiff (Wert damals: 5,9 Millionen Euro) und wollte sie verchartern. Doch es begann eine irre Geschichte: „Der türkische Geschäftsmann entführte die Yacht.“ Spätere Spurensuchen ergaben, dass er sie unmittelbar zu Bootsschauen in Cannes und Monaco brachte. Bis in die USA und die Südsee schipperte die Yacht danach.

Es entstand ein perfides Verwirrspiel, so der deutsche Eigentümer. Sein Vor-Besitzer ließ die „Golden Eye“ an verschiedensten Orten der Welt registrieren, unter wechselnden Namen („Lady Z“, „Charisma“, „Grandeur“). „So schnell kann man ein Schiffsregister gar nicht abklappern, war sie schon woanders eingetragen.“ Fast 15 Jahre jagte der deutsche Eigner der Yacht hinterher, die der türkische Geschäftsmann – der sich nach MZ-Recherchen jetzt in Dubai aufhält – über Agenturen vercharterte. Auch ein weltbekannte Schauspieler aus Neuseeland, der 2001 einen „Oscar“ gewann, war angeblich an Bord.

Der rechtmäßige Eigentümer sicherte sich über Gerichte einen „Titel“, dass es seine Yacht ist. An diesem Nachmittag in Kapfelberg legt er der Mittelbayerischen Dokumente vor, darunter die Schiffsbesitzkarte, ähnlich einem Kfz-Brief, und Urteile. Über eine Berater- und Sicherheitsfirma, die „weltweit Probleme der Schifffahrt löst“ (Eigendefinition),wurde die nunmehrige „Grandeur“ in der Südsee aufgebracht.

Er braucht eine Crew und Tanks

Wo die Yacht heute genau liegt, will der deutsche Eigner nicht publik machen. „Ich hatte in den 15 Jahren genug Ärger und Kosten und muss andere nicht mit dem Finger auf den Liegeplatz stoßen.“

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Der frühere Unternehmer will die Yacht wieder in „Golden Eye“ umbenennen und irgendwann zurück ins Mittelmeer schaffen. Erforderlich sind eine drei- bis vierköpfige Crew und Zusatztanks für die lange Reise, die mehr oder minder um die halbe Welt führen soll.

Den genauen Hafen im Mittelmeer will sich der Eigentümer erst aussuchen. Die Kosten für die Aktion möchte er nicht beziffern, eine sechsstellige Zahl ist es allemal. „Und eine Yacht liegt dann nicht kostenlos in einem Zielhafen.“ Einen Tag zur Formel 1 in Monte Carlo zu ankern, schlage mit 20.000 Euro zu Buche, erwähnt der Deutsche als Beispiel.

Nachbau:Heimwerft:

Das Modell der „Golden Eye“, wie es in Saal gefertigt wurde, gibt es nicht nur einmal. Laut Peter Rammelmayr existieren vier Yachten baugleicher Art. Drei, so sagt er, gingen nach Dubai, eine liege vor Malta. Werften, die der PR marine folgten oder Pläne aus der Insolvenz erwarben, zeichnen für den Bau verantwortlich. Mit dem Original sind es fünf Stück weltweit.Im Internet findet man die Yacht als „Grandeur“ weiterhin bei namhaften Charter-Agenturen weltweit, allerdings mit dem Zusatz „nicht verfügbar“. Unter „Builder“ (Hersteller) steht vereinzelt „PR marine, Saal/Donau“. Meist wird sie als Erzeugnis der „Danube Marine Consulting“ aus Bratislava aufgelistet, weil das Schiff dort 2005 generalüberholt wurde.

Wann die Rückholaktion erfolgen soll, kann der 62-Jährige nicht genau abschätzen. Später kann er sich eine Vercharterung vorstellen. Auf ihrer Odyssee über die Meere war die „Golden Eye“ für 70.000 US-Dollar pro Woche zu mieten.