Leichte Verbesserungen bei den Krankenhäusern im Landkreis erkennbar

Von Jochen Dannenberg · 1. Oktober 2024 um 15:00

Die beiden Krankenhäuser im Landkreis Kelheim befinden sich offenbar auf dem Weg der Besserung. Doch das zahlt sich noch nicht finanziell aus. Sorgen bereiten daneben der Ilmtalklinik Mainburg anhaltend negative Meldungen in den Sozialen Medien.

Sätze wie „gibt‘s euch noch?“ oder „die werden doch eh zugesperrt“ sind es, die im Internet über die Ilmtalklinik kursieren. Darauf wies Christian Degen, Geschäftsführer der Klinik, am Montag in der Sitzung des Kreistags hin. Zu derartigen Äußerungen hatte zuletzt auch die Abstufung der Ilmtalklinik beigetragen.

Tatsächlich, erklärte Degen, seien die wirtschaftlichen Zahlen zuletzt alles andere als zufriedenstellend gewesen, wenngleich es auch positive Entwicklungen gebe. So dürften die Ilmtalkliniken in diesem Jahr auf eine durchschnittliche Auslastung von 83 Prozent kommen, was dem Mittelwert des Vorjahres entspricht. Aber die Belegungssituation ist „schlecht“, sagte Degen, „wobei insbesondere Mainburg eine desolate Auslastung hat“.

Dennoch fällt das Jahresergebnis der Ilmtalkliniken besser aus als erwartet. So fiel das Defizit („operativer Jahresfehlbetrag“) im vorigen Jahr 2023 deutlich niedriger aus als erwartet. Ging man ursprünglich von einem Minus von 17,7 Millionen Euro aus, waren es am Ende 4,8 Millionen weniger. Der Jahresfehlbetrag 2023 liegt damit bei fast 14 Millionen Euro. Die Mitglieder des Kreistags genehmigten den Jahresabschluss einstimmig.

Abstimmung mit den Füßen

Die Ursache für das Defizit wird aus Sicht etlicher Kreisräte auch in den negativen Meldungen in den Sozialen Medien gesehen. Mainburgs früherer Bürgermeister Josef Reiser (SLU) meinte: „Der Patient stimmt mit den Füßen ab.“ Reiser ist überzeugt, die Bevölkerung wolle ein Krankenhaus. Kreisrätin Annette Setzensack (ÖDP) haute in dieselbe Kerbe. Die Perspektive Level 1i für den Standort Mainburg sei „eine ‘sektorenübergreifende Versorgungseinrichtung‘, und nicht mehr das, was wir unter einem Krankenhaus verstehen“. Das Krankenhaus selbst, betonte Setzensack, biete nach wie vor eine hervorragende Versorgung.

Birgit Steinsdorfer (CSU) stellte fest: „Das Krankenhaus, das viele glauben zu haben, gibt es seit 20 Jahren nicht mehr.“ Und Landrat Martin Neumeyer (CSU) wies darauf hin, dass es sich bei der Entscheidung zum Krankenhaus in Mainburg um eine demokratische Entscheidung handele. Mehrere Kreisräte merkten an, man müsse jetzt für ein positives Bild sorgen.

Um eine positive Perspektive war auch der Geschäftsführer der Ilmtalklinik bemüht. Er verwies auf diverse Baumaßnahmen und stellte fest: „Am Standort Mainburg kann derzeit nach wie vor das gleiche Leistungsportfolio angeboten werden, wie vor der Beschlussfassung des Kreistags.“ Und es wird sogar noch ausgebaut. So werde die Hüft- und Knie-Endoprothetik von Pfaffenhofen nach Mainburg verlagert, außerdem kehre der Hauptoperateur und Oberarzt Viktor Orlovski nach Mainburg zurück. Ferner wurde für eine mögliche Ansiedlung einer Geriatrie am Standort Mainburg die Stelle eines leitenden Oberarztes ausgeschrieben, wozu es aber noch keine Rückmeldungen gebe.

Bessere Zahlen gibt es derzeit aus dem Krankenhaus St. Lukas. Geschäftsführerin Sabine Hehn erklärte, man habe in diesem Jahr „mehr Leistung generiert“. Das habe zu einer höheren Belegung und zu einer deutlichen Steigerung der Fallzahlen geführt. Im Ergebnis erwartet Hehn für 2024 daher ein Ergebnis, dass um 1,6 Millionen Euro besser ausfällt, als es geplant war. Gerechnet hatte man mit einem Defizit von 8,8 Millionen Euro, jetzt dürften es 7,2 Millionen Euro werden. Die Bilanzsumme beträgt 73,4 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Bilanzsumme des Vorjahres betrug 71,8 Millionen. Der Jahresfehlbetrag lag mit 7,8 Millionen sogar etwas niedriger.

„Umstellung dauert“

Kreisrat Willi Dürr (SPD) hatte sich ein besseres Ergebnis von der Übernahme der ehemaligen Goldbergklinik zum jetzigen Caritas-Krankenhaus St. Lukas erwartet. Der Landrat verteidigte die Übernahme: „Die Umstellung dauert.“ Alle Krankenhäuser hätten derzeit massive Probleme. Die Mitglieder des Kreistags stimmten anschließend der Feststellung des Jahresabschlusses einstimmig zu.

Geschäftsführerin Hehn erwartet für die Zukunft des Krankenhauses St. Lukas „weitere Steigerungen“. Sie betonte: „Es gibt wenige Kliniken, die mehr Leistung generieren.“ Die Entwicklung in Kelheim sei auch darauf zurückzuführen, dass man Zuspruch generiert habe. Für die Zukunft geht Hehn davon aus, dass „wir immer mehr Kooperationen brauchen“.

Ebenfalls mit dem Gesundheitswesen im Landkreis beschäftigte sich ein Antrag von Kreisrat Heinz Kroiss (FDP). Kroiss beantragte zur „langfristigen Krankenhausstrategie“, dass die Verwaltung beauftragt werde, „ein kontinuierlich vier mal jährlich tagendes Gremium einzurichten, dass sich mit der Weiterentwicklung insbesondere der stationären Gesundheitsentwicklung im Landkreis Kelheim beschäftigt“. Für möglich hielt Kreisrat Heinz Kroiss insoweit eine Arbeitsgruppe der Gesundheitsregion plus, einen Ausschuss des Kreistages oder ein anderes Konstrukt.

In seiner Begründung wies Kroiss darauf hin, dass die Kreisräte regelmäßig von Ereignissen „überrollt“ werden. Die meisten Kreisräte seien kurzfristig vor Entscheidungen gestellt, die Sachkunde und vor allem langfristige strategische Ausrichtung erforderten.

Die Landkreisverwaltung war anderer Auffassung. Ein solches Gremium sei nicht notwendig. Grundlegende Entscheidungen würden zunächst in den Aufsichtsräten behandelt. Landrat Martin Neumeyer (CSU) erklärte, dass es bereits Überlegungen in dieser Richtung gebe.

Die Kreisräte waren mehrheitlich anderer Meinung. Mit 28:19-Stimmen votierten sie für Kroiss‘ Antrag. Helmut Fichtner (FW) meinte, es sei „wichtig, dass wir bestmöglich reagieren“. Andreas Fischer (SLU) betonte: „Wir müssen Verantwortung übernehmen.“ Willi Dürr (SPD) betonte, er habe Bedenken „gegenüber dem Expertentum“. Christian Nerb (FW) wies darauf hin, dass Aufsichtsräte grundsätzlich nicht öffentlich tagten und „uns auch nichts sagen“ würden. Dagegen meinte u.a. Maria Krieger (ÖDP), ein weiteres Gremium seit nicht sinnvoll.