Eberhofer-Krimis und Dahoam is Dahoam: Schauspieler Moritz Katzmair ist in Sinzing aufgewachsen

Eberhofer-Krimis, Känguru-Chroniken, Tatort oder auch Dahoam is Dahoam: Moritz Katzmairs Film- und TV-Liste ist lang. Seine Wurzeln hat der Schauspieler im Landkreis Regensburg.
Der Name Moritz Katzmair ist vielleicht nicht so geläufig, dafür aber sein Gesicht mit den markanten Zügen. In Sinzing, wo er aufgewachsen ist, kennt man ihn von klein auf.
Katzmair ist kein klassischer Hamlet. Mit 1,64 Metern Körpergröße und der Halbglatze sind ihm imposante Heldenfiguren nicht auf den Leib geschnitten. Seine Stärke liegt vielmehr in charakterstarken Nebenfiguren. Typen eben, so wie er selbst einer ist.
Katzmair ist in Lappersdorf zur Welt gekommen und auf der Marienhöhe in Sinzing aufgewachsen. „Traumhaft“ sei das gewesen, schwärmt der 40-Jährige im Rückblick. „Mein ältester Freund lebt noch da.“ Ebenso Teile seiner Familie. In Sinzing hat Katzmair lange im Verein Fußball gespielt, war auch als Trainer aktiv und bei den Pfadfindern mit dabei. Der Oberpfälzer ist ein durch und durch bodenständiger Typ. Mit seiner Familie lebt er in einem Dorf bei Landshut – dem Heimatort seiner Frau. „Ich bin ein Landei“, sagt Katzmair. Er genieße die kurzen Wege und die lokalen Freundschaften. „Man kennt sich.“ Aber Katzmair mag auch die Abwechslung: „Ich bin ein extrovertierter Mensch.“ Aber nur in der Kunstwelt zu leben, das sei nicht sein Ding. „Ich genieße beide Welten.“
Vom Büro auf die Bühne
Dass er einmal auf der Bühne und vor der Kamera landen würde, war nicht abzusehen. „Ich habe keine Schauspieler in der Familie.“ Das Gymnasium schmeißt Katzmair in der neunten Klasse. „Dabei war ich gern in der Schule, ich mochte die Leute dort. Nur das Lernen war nix für mich“, erzählt er mit einem Grinsen. 2000 beginnt er eine Lehre als Bürokaufmann bei Holz Weinzierl in Sinzing, anschließend macht er Fachabitur. Zugleich spielt Katzmair von klein auf Theater: „Huckli Buckli“ in der Grundschule ist sein Debüt, auch im Gymnasium und der Berufsoberschule steht er auf der Bühne.
Bei einem Infotag an der damals neu eröffneten Akademie für Darstellende Kunst (ADK) in Regensburg wird Katzmair erstmals bewusst, dass die Schauspielerei auch ein Beruf ist. „Da war klar: Das will ich auch.“ Er plündert sein Konto, belegt einen Abendkurs für Laien und macht danach eine Schauspielausbildung an der ADK. Dann geht es Schlag auf Schlag weiter. Noch während er an der ADK ist, bekommt er sein erstes Engagement am Theater in Landshut. „Die brauchten jemanden, der Trompete spielen kann, und so bin ich reingerutscht.“ Aus dem ersten Engagement wird eine Festanstellung – „ohne mich zu bewerben, das war Glück“.
Inzwischen hat er nicht nur in einer Reihe von Kino- und TV-Produktionen mitgespielt, sondern führt seit 2017 auch Regie – am Theater und auch bei Freilichtspielen. „Für mich ist das eine willkommene Abwechslung zur Schauspielerei.“ So brachte er vor zwei Jahren „Die Schlacht bei Ampfing“ mit mehr als 300 Mitwirkenden, dazu noch 30 Pferde, zur Aufführung. Derzeit bastelt er an einem weiteren Freilichtprojekt: 2025 wird er in Burghausen das Stück „Helmbrecht“ inszenieren.
Großes Freilichtprojekt
„Gscheit stressig“ sei das, weil er Regisseur, künstlerischer Leiter und Kopf des Ganzen in einem sei. Tausend Ehrenamtliche müssen koordiniert werden, 300 bis 500 stehen auf der Bühne. „Ob Kostüme oder Organisatorisches, da ist jeden Tag was zu tun“, erzählt Katzmair. Dabei entstehe auch eine tolle Gemeinschaft, das gefällt ihm besonders. Darüber hinaus steht Katzmair derzeit für einen Pumuckel-Film vor der Kamera – „ein Kindheitstraum“. Auch eine TV-Staffel mit dem Kobold wird gedreht. „Ich war schon in der Werkstatt von Meister Eder, das war phänomenal“, schwärmt Katzmair, der einen Spezl des Schreinermeisters spielt. Marcus H. Rosenmüller führt beim Pumuckel-Projekt Regie. „Die Zusammenarbeit ist toll, ein Mega-Team.“
Katzmair mag es, wenn „die richtigen Leute beisammen sind“. Das sei für ihn noch wichtiger als das Stück oder das Drehbuch. Darüber hinaus steht derzeit auch der Dreh eines ZDF-Zweiteilers in seinem Terminkalender. Katzmaier, der gern Hollywood-Filme schaut, würde gerne einmal in einem Marvel-Film mitspielen – „wo richtig viel explodiert“.
Katzmair übernimmt auch gern Dialektrollen: „Ich weiß, wer ich bin und wo ich hingehöre.“ Für seine Freunde sei sein Beruf kein großes Thema. „Meine regionalen Wurzeln erden mich.“ Auch halte sich sein Promifaktor in Grenzen. „Wenn allerdings ein Eberhofer-Film im Fernsehen läuft, dann werde ich schon angesprochen.“ Die Schauspielerei wirke exotisch, „aber der rote Teppich ist für Außenstehende glänzender, als er ist“. Der Beruf sei viel Handwerk und fordere „richtig viel Leidenschaft“. Reich werde man aber nicht. „Da gibt es bessere Berufe.“
Schauspieler und Regisseur
Vita: Moritz Katzmair ist regelmäßig im Kino und im Fernsehen zu sehen, zum Beispiel in „Willkommen bei den Hartmanns“, Eberhofer-Krimis, „Schweigend steht der Wald“ oder auch in „A hidden life“, einer deutsch-amerikanischen Produktion. Er spielt Theater auf verschiedenen Bühnen. In Regensburg war Katzmair von 2010 bis 2019 im legendären Weihnachtsstück „Scrooge“ an der Seite von Steffi Denk zu sehen. Außerdem spielte er von 2011 bis 2014 „Die Wanze“ im Coccodrillo Theater. Katzmair unterrichtet außerdem regelmäßig an der Akademie für Darstellende Kunst in Regensburg.
Preise: 2012 wurde er mit dem Nachwuchspreis der Luisenburgfestspiele Wunsiedel ausgezeichnet – für die Darstellung eines autistischen Jungen. 2013 erhielt er mit seinen Kollegen den Deutschen Schauspielpreis in der Kategorie „bestes Ensemble“ für „Polizeiruf 110“.
Familie: Katzmair ist mit einer Sozialpädagogin verheiratet und hat Zwillingsbuben (12) sowie eine Tochter (5). Er lebt in einem kleinen Ort im Landkreis Landshut.