Als das Lichtspiel nach Reinhausen kam: Das Regina gibt es seit 75 Jahren

1949 feierte die Komödie „Musik für Millionen“ deutsche Uraufführung in Regensburg. Und nicht nur das: Der Hollywoodstreifen war auch die erste Vorführung in einem Kino, das den Regensburger Stadtnorden über die kommenden Jahrzehnte prägen sollte wie kein anderes: das Regina. Ein Rückblick.
Ihr zuckersüßes Lächeln hätte Steine erweichen können: Margaret O’Brien galt in den 40ern als „jüngster Star der Welt“, sie verzauberte Millionen und erhielt Fanpost von US-Soldaten, die in Deutschland kämpften. Wer hätte damals denken können, dass O’Brien 1949 genau hier in Deutschland, in Regensburg, auch den ehemaligen Feind verzaubern würde?
Heuer ist das Regina Filmtheater, in dem die Komödie „Musik für Millionen“ deutsche Uraufführung feierte, ein Dreivierteljahrhundert alt geworden. Dass es so lange überlebte, während Kinos wie das Bavaria, Kammer und Gloria verschwanden, ist nicht zuletzt einer Frau zu verdanken: Doris Lerchl-Goldermann. Sie leitet das Regina nun schon seit genau 38 Jahren. Am 11. September 1986 wurde sie im Alter von 24 Jahren die wohl jüngste Kinobetreiberin Deutschlands.
Erst Getreide, dann Träume
An diesem Zeitpunkt 1986 hatte das Regina schon einige Jahrzehnte, Erfolge und Krisen hinter sich. Ursprünglich war das heutige Kinogebäude ein Getreidespeicher, 1912 gebaut und 1922 erweitert. Zu dieser Zeit galt Reinhausen noch als größtes Dorf der Oberpfalz. Erst 1924, vor genau 100 Jahren, wurde es als Stadtteil von Regensburg eingemeindet.
1949 wurde schließlich aus dem alten Reinhausener Lagerhaus das Regina Filmtheater. Nach dem Zweiten Weltkrieg bot es Ablenkung für die niedergeschlagene Bevölkerung: mit Filmen und dem längst abgerissenen Tanzsaal. Hier trafen sich verschiedenste Bevölkerungsschichten des Stadtnordens, beschrieb es die Historikerin Dr. Marita Panzer heuer in einem Vortrag zum 100-jährigen Jahrestag der Eingemeindung von Reinhausen: Als „kultureller Mittelpunkt von Reinhausen“ bezeichnete sie das Kino.
Nach den goldenen Jahrzehnten der 50er und 60er bedrohte dann der Fernseher, in den 70ern in bald jedem Regensburger Wohnzimmer zu finden, die Branche. Viele Lichtspielhäuser strauchelten, das Astoria (heute Garbo) versuchte, mit Pornos die Leute zu locken. Das Regina tat dasselbe, hielt „Varietés“ ab, musste zeitweise schließen. Doch die Branche fing sich wieder.
1986 übernahm dann Doris Lerchl-Goldermann. Sie fungiert seitdem als Intendantin für das handverlesene Programm und bringt Filmstars nach Regensburg: Publikumsmagneten wie Haindling, Otti Fischer oder die Eberhofer-Schauspieler und auch Filmlegenden wie Wim Wenders. Marcus Rosenmüller („Wer früher stirbt ist länger tot“) nannte es „sein“ Regina, ein Kino, in dem er sich wohlfühle wie in kaum einem anderen.
Die Sucht nach dem Kino
Gemeinsam mit Oliver Goldermann an ihrer Seite navigiert Lerchl-Goldermann das Kino durch Aufs und Abs, Krisen, Pandemien, Filmflops und stressige Wochen. Die beiden profitieren nach eigener Aussage auch von der Filmbegeisterung der Regensburger – in wohl keiner Stadt könnten sich so viele Lichtspielhäuser halten. In wenigen Städten ist die Wertschätzung so groß, sagt Lerchl-Goldermann. Die Magie des Kinos bestehe weiter, heute ebenso wie in der Anfangszeit des Regina 1949.
Der „jüngste Star der Welt“ Margaret O’Brien ist heute 87 Jahre alt, ihre Karriere seit Jahrzehnten vorbei. Das Regina blieb. Und auch Doris Lerchl-Goldermann macht weiter. „Ich dachte nicht, dass ich das so lange machen würde. Aber morgen werde ich wieder hier sein“, sagt sie, denn sie liebe das Kino. „Es hat mich von jeher fasziniert – wenn bei Komödien die Leute als Gemeinschaft lachen“, sagt sie. „Kann man es schon eine Sucht nennen?“, fragt sie Oliver Goldermann. „Eine Sucht? Ja, bestimmt“, antwortet er.


