Einen Unternehmer wie Hermann Kronseder bräuchte es heute wieder

Von Christian Eckl · 10. Oktober 2024 um 05:00

Der Unternehmer Hermann Kronseder legte den Grundstock für ein Weltunternehmen, das heute fast 20.000 Mitarbeiter hat. Er wäre in diesen Tagen 100 Jahre alt geworden. Sein Leben zeichnet die Geschichte des Aufstiegs der Bundesrepublik nach.

Er war 27 Jahre alt, das war 1951, als er einen eigenen Betrieb zum Bau von Etikettiermaschinen gründete: Hermann Kronseder hätte sich damals wahrscheinlich nicht vorstellen können, dass heute 18.500 Menschen weltweit für ihn arbeiten und das von ihm aus der Taufe gehobene Unternehmen mehr als 4,7 Milliarden Euro Umsatz macht. Kronseder, Sohn eines Schmiedes, war ein echter „Pionier des Maschinenbaus“, so heißt es jetzt auch in der Mitarbeiter-Zeitschrift für die „Kronesen“, wie sich die Mitarbeiter am Standort Neutraubling und natürlich auch in Nittenau, Rosenheim und Flensburg nennen. Ein Pionier, der mit Durchsetzungskraft ein Imperium schuf, von dem heute Abertausende Familien gut leben.

Geboren wurde Kronseder vor 100 Jahren am 3. Oktober 1924. Wie so viele junge Menschen der Region und dieses Jahrgangs lernte er bei Messerschmitt, den Flugzeugwerken, die am 17. August 1943 bei der „Operation Double Strike“ in Schutt und Asche gelegt wurden. 400 Menschen kamen damals ums Leben, darunter 91 Lehrlinge. Kronseder wurde ins Werk nach Neutraubling versetzt, kam an die Front nach Russland und geriet in Kriegsgefangenschaft.

Liebe zum Handwerk

Die Liebe zum Handwerk war ihm in die Wiege gelegt – Kronseder konstruierte landwirtschaftliche Fahrzeuge, machte zwei Abschlüsse als Maschinenbau- und Elektromeister und gründete schließlich das Unternehmen in Neutraubling, wo sich noch heute der Hauptsitz des „Global Players“ befindet. Die erste vollautomatische Etikettiermaschine stand 1956. Kronseder meldete zahlreiche Erfindungen zum Patent an.

Auch warum das Unternehmen heute Krones und nicht, wie ursprünglich „Hermann Kronseder Maschinenfabrik“ hieß, erklärt der Beitrag in der Mitarbeiterzeitschrift von Krones. Demnach sei ein Werbeprospekt für Etikettiermaschinen sowie ein Karikaturist der Lokalzeitung nicht unbeteiligt gewesen – dem war der Name nämlich zu lang und er machte kurzerhand Krones daraus. Das soll der Firmengründer zwar zunächst mit einem lapidaren „Ich bin doch kein Zirkus“ abgetan haben, doch es blieb schließlich dabei.

Kronseders weiteres berufliches Leben zeichnet die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik nach. In den 60er Jahren nahm der Neutraublinger die Märkte in Übersee in den Blick: Er verkaufte Maschinen nach Japan, dann in die USA, wo er in New Berlin (Bundesstaat Wisconsin) einen Auslandsstandort eröffnete. Auch nach Frankreich expandierte Kronseder das Unternehmen.

Dass bis heute ein Standort von Krones in Nittenau existiert, ist überdies kein Zufall: Der Großvater, so wird berichtet, stammte aus dem Ort in der mittleren Oberpfalz. Auch in Amberg ließ er fertigen. In den 70er Jahren half Kronseders Erfindergeist und die Tatsache, sich fleißige Ingenieure gesucht zu haben: Das Portfolio des Maschinenbauers wuchs und wuchs – und der deutsche Erfindergeist erlebte eine wahre Blüte bei Krones. 1976 schrieb Kronseder sogar das Buch „Handbuch für Etikettiertechnik“ zusammen mit Karl Dullinger. Ein zweites Mal schrieb Kronseder 1992 eines – „Mein Leben“ hieß die Biographie, deren Erlös er an Neutraublinger Einrichtungen spendete.

Dazwischen erlebte Krones in den 80er Jahren Boomjahre – wie heute übrigens wieder. Und das Jahrzehnt begann mit einem Meilenstein, was die Unternehmensform anbelangte: Aus der Hermann Kronseder Maschinenfabrik GmbH & Co. KG wurde eine Aktiengesellschaft.

Der Firmen-Patriarch schaffte aber in den 90er Jahren auch noch etwas, was heute nicht jeder Familienunternehmer schafft: Die nächste Generation ins Boot zu holen. 1996 legte er die Geschicke des Unternehmens in die Hände seines Sohnes Volker.

Zum Jubiläum des Firmengründers äußerte sich auch der Sohn Volker, der die Geschicke des Unternehmens jahrelang leitete und heute Vorsitzender des Aufsichtsrates ist. Volker Kronseder beschreibt in dem Beitrag, wie sein Vater 1949 nicht nur seine Frau, die aus Aufhausen (Lkr. Regensburg) kam, sondern auch eine Etikettierfirma mit Sitz dort kennenlernte, die ihren Sitz von Berlin aus kriegsbedingt dorthin verlegt hatte. Zwar ging die Geschäftspartnerschaft nach einem Jahr auseinander, aber: „Am Küchentisch in unserer Wohnung in Neutraubling hat er dann 1951 seine ersten eigenen Maschinen gezeichnet“, schilderte sein Sohn Volker. Die Getränkeindustrie und der Maschinenbau seien vielversprechend gewesen für den Gründer. „Was ihm besonders half, war sein Gespür, immer einen Schritt weiter zu denken. Denn mein Vater hatte immer gute Ideen, wie man etwas besser machen oder preisgünstiger herstellen kann“, so Volker Kronseder weiter. Eines der Geheimnisse des Erfolgs von Hermann Kronseder, so beschreibt es sein Sohn heute, sei gewesen, dass er seinen Kunden zuhörte und von ihnen lernte – eine Eigenschaft, die sicherlich auch heute noch durchaus ein Erfolgsrezept ist.

2010 verstarb der Gründer

Kronseder starb 2010 im Alter von 85 Jahren in seinem Wohnort in Wörth an der Donau, hoch geschätzt und von den Mitarbeitern verehrt. Seine Lebenslinie markiert in seiner Jugend die dunkelsten Jahre der Geschichte dieses Landes, in seinen 20ern aber und fortan bis ins hohe Alter die Erfolgsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland: Kronseder machte unter dem Siegel „Made in Germany“ eine Marke, die bis heute strahlt.

Kommentar: Der Wille zum Erfolg

Persönlichkeiten wie Hermann Kronseder muss man heute suchen. Der Patriarch war eine echte Marke. Erfindergeist und der Wille zum Erfolg sind Vorbild für nachfolgende Generationen. Kronseder hatte den Mut, Ideen umzusetzen, in einer Zeit, die noch von den Erschütterungen des Krieges geprägt war. Es mutet seltsam an, dass die Tugenden dieser Generation heute nicht hoch im Kurs zu stehen scheinen. Dabei waren es Persönlichkeiten wie Kronseder, die dieses Land nicht nur aus den Trümmern aufgebaut, sondern den Wohlstand von heute erwirtschaftet haben.