Maschinen- und Anlagenbauer aus der Region sorgen sich um die Wettbewerbsfähigkeit

„Es muss in Deutschland wieder Freude machen, unternehmerisch tätig zu sein.“ Und mit einem Blick auf die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Deutschland wünscht sich Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA), der 3600 Unternehmen vertritt, „dringend mehr Wachstumsdynamik.“
Derzeit geht gerade diese Branche in Deutschland von einem Rückgang der Produktion für 2024 um bis zu acht Prozent aus. Bayernweit verringerte sich das Inlandsgeschäft im Monat August um 27 Prozent, während das Auslandsgeschäft um ein Prozent zulegte. Für die positive Entwicklung Ostbayerns sprach über viele Jahre hinweg die große Vielfalt, mit der gerade die Unternehmen der Metall- und Elektrobranche sogar international von sich reden machten.
Krones nimmt Unwägbarkeiten ernst
In der Region gibt es trotz allem weiterhin Unternehmen, die ihren profitablen Wachstumskurs fortsetzen. Die Krones AG zum Beispiel, deren Vorstandsmitglied Markus Tischer sich als Nachfolger von Volker Kronseder im Fachverband Nahrungsmittel- und Verpackungsmaschinen innerhalb des VDMA engagiert, sieht sich „gut aufgestellt.“ Die Märkte des Unternehmens mit seinen 18 500 Mitarbeitern (davon über 10 600 in Deutschland) seien kaum von konjunkturellen Schwankungen beeinflusst und die Investitionsbereitschaft der Krones-Kunden werde hoch eingeschätzt. Aber: Selbst Krones nehme die zahlreichen Unwägbarkeiten, etwa die geopolitischen Risiken in vielen Regionen der Welt, Materialengpässe und Probleme in den weltweiten Lieferketten durchaus ernst.
Zu den deutschen Firmen, die auch aktuell stark wachsen und insofern durchaus mit Kapazitätsengpässen zu kämpfen haben, zählt die Maschinenfabrik Reinhausen GmbH mit einer Belegschaft von 4000 Mitarbeitern, 2700 davon im Inland. Wie Geschäftsführer Dr. Nicolas Maier-Scheubeck erläutert, profitiere die MR insbesondere von der Energiewende, die bis 2050 eine Verdopplung der weltweiten Übertragungs- und Verteilungsnetze erfordern werde.
Umbauten und Neueinstellungen notwendig
Vor diesem Hintergrund erfolgen am Firmensitz im Regensburger Ortsteil Reinhausen Umbauten, im nahegelegenen Haslbach Neubauten sowie insgesamt zahlreiche Neueinstellungen. Aber auch an Standorten in China, Indien und den USA investiert das Unternehmen umfangreich. Besonders verbunden fühle sich das Familienunternehmen den Belegschaften der deutschen Standorte.
Allerdings, darauf verweist Maier-Scheubeck mit großem Nachdruck, müsse man konstatieren, dass zwanzig Jahre nach den Reformen der Regierung Schröder nahezu nichts mehr wirksam sei. Dafür seien aber eine Fülle von Regulierungen sowie gesellschafts- und energiepolitischer Fehlsteuerungen hinzugekommen: „Deutschland hat im Inland an Selbstgefälligkeit gewonnen und im Ausland an Respekt verloren.“
Wirtschaftsstandort Deutschland „spürbar unattraktiver“ geworden
Der Standort ist nach Auffassung des Unternehmers über die Jahre „spürbar unattraktiver“ geworden. Das von Sozialpolitikern und Bürokraten kolportierte Leitbild des „allzuständigen, besserwissenden“ Staates führe in einer Gesellschaft aufgeklärter Bürger ins Verderben. „Wir brauchen Leuchttürme einer gelingenden Abkehr von dieser fehlgeleiteten Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik,“ betont Maier-Scheubeck. Konkret plädiert er für Leistungsanreize sowie Vertrauen in die Eigenverantwortung von Menschen, Familien und Unternehmen.
Das 1952 von Erich Sennebogen gegründete Straubinger Maschinenbau-Unternehmen Sennebogen beschäftigt heute mit der Produktion von Landmaschinen und Baggern rund 2200 Mitarbeiter, und dies nicht nur in Straubing, Steinach und Wackersdorf, sondern auch an zwei Standorten in Ungarn sowie an zwei Vertriebsstandorten in den USA und Singapur.
Umso mehr bedauern die beiden Brüder und Söhne des Firmengründers Erich und Walter Sennebogen (die dritte Generation ist ebenfalls bereits an Bord), dass das Unternehmertum in Deutschland durch eine verfehlte Wirtschaftspolitik sowie anwachsender Bürokratie behindert werde. Als Beispiel nennt man bei Sennebogen das Lieferkettengesetz, das den Unternehmen eine Last aufbürde, die die Politik nicht bewältigt habe: „Dieses Gesetz trägt weder zur Wertschöpfung noch zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Ländern der Lieferanten bei.“ Sennebogen selbst könne den Ansprüchen dieses Bürokratiemonsters nur durch immensen internen und externen Aufwand nachkommen.
Großer Aufwand für Unternehmen
Zur Nachhaltigkeitsberichterstattung verweist Sennebogen darauf, dass man seit Jahren mit hohem Aufwand in die Klimaneutralität der Produktionsstandorte investiere, dazu aber keinen Bericht benötige, der nur auf vagen Berechnungsansätzen beruhe. Der Aufwand, den die Unternehmen in diese kaum lesbaren Berichte stecken müssen, gehe für jeden Betrieb in die Hunderttausende und wäre besser investiert in wirklich nachhaltige Technologien oder in die regenerative Energieerzeugung.
Die grundsätzliche Frage bringt das Familienunternehmen Sennebogen auf einen Nenner: „Wann hören wir auf, den über Jahrzehnte erarbeiteten Wohlstand und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes populistischen Ideologien zu opfern?“
Vor dem Hintergrund solch praktischer Erkenntnisse ostbayerischer Unternehmen ist Bertram Brossardt, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Bayerischen Metall- und Elektroindustrie, überzeugt, dass die Deindustrialisierung hierzulande längst im Gange sei: „Hier ist einerseits die Politik gefordert, andererseits aber auch wir als Tarifparteien.“