Im Herbst grünt und blüht es auf den Feldern um Waldmünchen

Von Martin Hladik · 10. Oktober 2024 um 11:00

Wer jetzt bei Sonnenschein durch die Felder um Waldmünchen fährt, könnte meinen, mitten im Frühling zu sein. Auf den Äckern bei Schäferei blüht der gelbe Senf. Weiter hinten, das könnte auch gelber Raps sein. Bei Biberbach blüht ein Feld voller Rettich und anderer Pflanzen und bei Hocha prangt ein bunter Mix aus Sonnenblumen, Rettich und Senf. Wären da nicht die herbstlich angefärbten Bäume im Hintergrund , wäre die Täuschung perfekt.

Und warum Blütenpflanzen?

Aber warum sorgen Landwirte im Herbst für eine solche Blütenpracht? Bestimmt nicht um das Auge ihrer Mitbürger zu erfreuen. Obwohl, ganz stimmt das nicht, wendet der Landwirt Daniel Löffler aus Hocha ein. Wenn er die Wahl zwischen blühender Zwischenfrucht und nicht blühender Zwischenfrucht habe, dann wähle er die blühende. „Allein schon für die Insekten!“

Anders als im Vorjahr werde er heuer vor allem Kleegras als Tierfutter anbauen. Das allerdings blühe nicht, aber er könne es diesen Herbst wahrscheinlich zweimal und vielleicht noch einmal im Frühjahr mähen. Anders als die meisten Zwischenfrucht-Pflanzen überstehe das Kleegras auch Frost. Zwischenfrüchte hätten Landwirte „schon immer angebaut und zwar freiwillig“, sagt Löffler. Schließlich sei das für den Boden gut. Dazu seien keine politischen Vorgaben nötig.

Damit spielt der Landwirt auf eine EU-Vorgabe an, auf die Wolfgang Alt vom Chamer Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten hinweist. In dem für Bayern gültigen GLÖZ – das ist die Abkürzung für „Erhaltung landwirtschaftlicher Flächen in gutem landwirtschaftlichem und ökologischem Zustand (GLÖZ)“ – heißt es: „Auf mindestens 80 Prozent der Ackerflächen des Betriebes ist im Herbst bzw. Winter eine Mindestbodenbedeckung sicherzustellen.“

Die Zwischenfrucht nutze den Landwirten und auch der Allgemeinheit, argumentiert Alt. Wichtigster Punkt sei dabei der Erosionsschutz durch die Bodenbedeckung. Der bewachsene Boden könne nicht so einfach durch Wasser und Wind abgetragen werden. Dass der Boden schon bewachsen sei, verhindere auch die Ausbreitung von Unkraut. Ein anderer Punkt ist die Bodenverbesserung. Durch die Pflanzen erhalte der Boden zusätzlichen Stickstoff. Durch den Zwischenfruchtanbau werde aber auch das Bodenleben, die Würmer, die Kleinstlebewesen und die Bakterien gefördert. Und von den Blühpflanzen hätten auch die Insekten etwas.

Die meisten Landwirte setzten dabei auf Arten, die nicht winterfest sind, sagt Franz Kerscher. Er ist Geschäftsführer beim BBV in Cham. Sonnenblumen, Ölrettich und Senf sind die bekanntesten Sorten. Raps werde nicht mehr so häufig als Zwischenfrucht genutzt wie früher. Vorteil der abfrierenden Zwischenfrüchte ist, sie sind im Frühjahr verschwunden und der Bauer muss sich bei der Aussaat der nächste Fruchtfolge nicht um möglicherweise den Winter überlebende Pflanzen kümmern. Frostfeste Pflanzen müssen dagegen vor der erneuten Aussaat untergeackert und eventuell mit Pflanzenschutzmitteln behandelt werden.

Und warum sind im Winter kaum mehr umgeackerte Felder zu sehen? Neben den zuvor erwähnten Vorgaben aus den Förderrichtlinien sieht Kerscher auch einen Wandel der Landwirtschaftstechnik. Früher sei die Frostgare in der Winterfurche üblich gewesen, um den umgeackerten Boden durch das tiefe Eindringen des Frostes aufzulockern. Heutzutage gebe es Maschinen wie Kreiselegge und Grubber, die das übernehmen könnten.

Mais folgt auf Klee

Was als Zwischenfrucht in den Boden kommt, hat auch damit zu tun, was danach gepflanzt werden soll. Kerscher und Löffler nennen das gleiche Beispiel. So wird Klee meist vor einer Maisaussaat gepflanzt. Ein Grund dafür: Der Klee gilt als Stickstoffsammler, der dann wieder vom Mais verwertet werden kann.

Dass die ständige Bodenbedeckung auch ohne Zwischenfrucht im klassischen Sinne möglich ist, berichtet Biobauer Matthias Eiber aus Hocha. Er nutzt beispielsweise im Getreide eine dauerhafte Untersaat von Klee, Spitzwegerich und anderen Kräutern.