Jede Menge Schutt und eine Keramikscherbe aus Gewölbe in Waldmünchen geborgen

Von Martin Hladik · 9. Oktober 2024 um 05:00

Am Montag hat es dann doch noch geklappt und der Saugwagen konnte in Aktion treten. Am Dienstagmittag sind die Ausgräber des Museumsvereins in den uralten Kellern am Stadtplatz 11 zufrieden. In dem zugeschütteten Kellergewölbe konnten sie jede Menge Schutt wegräumen. Wieder ist ein Stück der Waldmünchner Unterwelt zugänglich und erforscht.

Mindestens acht Kubikmeter seien es gewesen, sagt Fabian Gruber. In etwa die gleiche Menge Schutt hätten sie aus fünf bis sechs Kisten wegbefördert. Hier war der Schutt von vorherigen Grabungsaktionen zwischengelagert worden. Der von Hauseigentümer Wieland Oberhofer, selbst Mitglied im Museumsverein, angeforderte Saugwagen, eine Art überdimensionaler Staubsauger mit der offiziellen Bezeichnung Saugbagger, hat den Entdeckern der alten Keller viel Arbeit gespart. Sonst hätten die Männer des Museumsvereins eine Eimerkette bilden müssen, um den Schutt über viele Treppen in den Hof zu befördern. Das, was jetzt an eineinhalb Tagen aus dem Keller befördert wurde, hätte sonst drei Tage Handarbeit gekostet, schätzt Helmut Roith. Als Ausgräber im verschwundenen Dorf Grafenried kann er solche Mengen gut einschätzen.

Dabei macht Fabian Gruber deutlich, dass das Meiste am Dienstag weggeschafft wurde. Erst da habe man gelernt gehabt, wie mit dem Saugschlauch umzugehen ist, damit er nicht verstopft. Auch jetzt noch müsse man die Arbeit alle Stunden unterbrechen, um die Rohrbiegungen wieder durchgängig zu machen. Dort sammelt sich im Laufe der Zeit nämlich das Erdreich.

Drei Meter freigelegt

Und was haben die Kellerforscher in den zwei Tagen erreicht? Sie konnten gut drei Meter Kellergang freilegen. Am Ende ist massiver Fels und der Gang scheint nicht weiterzugehen. „Also müssen wir zu einer andern Stelle“, sagt Max Lampatzer. Eine Möglichkeit im Keller unter dem Haus am Stadtplatz 11 ist noch unerforscht. „Vielleicht ist da der Zugang zum Hauptgang“, sagt Max Lampatzer. Er hofft, dass sich die alten Gerüchte bestätigen, dass die Häuser am Stadtplatz über solche Gänge verbunden sind. Deswegen bittet er auch andere Waldmünchner, sich bei ihm oder dem Museumsverein zu melden, wenn sie ein Gangsystem unter ihrem Altstadthaus vermuten.

Ein solches Kellersystem wäre durchaus keine Überraschung. In Furth im Wald oder in Schwandorf gibt es solche Keller. Sie wurden zur Lagerung, als Schutzräume bei Überfällen, aber auch als Fluchtwege genutzt, weiß Jürgen Lampatzer, der Vorsitzende des Museumsvereins. Er ist der Vater von Max.

Keine Schatzsuche

Bleibt noch ein Nachtrag: War im Schutt irgendetwas Bemerkenswertes? Fabian Gruber bringt eine handtellergroße Keramikscherbe. Die habe man zwischen Erdreich und den Steinen entdeckt. Wovon die Scherbe einst Teil war, ist allerdings nicht zu erkennen. „Nach Schätzen suchen wir nicht“, hatte Jürgen Lampatzer zum Start der Aktion gesagt. Man wolle wissen, wie Waldmünchens Untergrund aussieht.

Fabian Gruber und Helmuth Roith zeigen, dass sich in den Rohrbiegungen immer wieder Erde sammelt.