Waldmünchens Unterwelt wird freigelegt

Hat Waldmünchen eine ähnliche Unterwelt wie Furth im Wald oder gar wie Schwandorf mit seinem Kellerlabyrinth? Um das herauszufinden, arbeitet der Museumsverein schon seit einiger Zeit im Keller des Anwesens von Wieland Oberhofer am Marktplatz. Über den alten Kellern steht ein Anfang der 80er Jahre erbautes Wohn- und Geschäftshaus, das unter anderem den NKD enthält. Ursprünglich stand an dieser Stelle der Alte Pfarrhof, sagt Jürgen Lampatzer, der den Museumsverein leitet.
Rund 15 Menschen kümmern sich um die Ausgrabungen in den Kellern, die wahrscheinlich erst in der direkten Nachkriegszeit verfüllt wurden. Bislang haben diese 15 Personen in mindestens sechs Grabungskampagnen versucht, den alten Schutt per Hand aus den Gängen zu schaffen. Bisher waren das zwölf Kubikmeter Erde und Schutt. Dabei haben sie schon ein Bierlager und einen Gang erschlossen und sind gerade dabei, einen weiteren Gang freizulegen.
Erste Hilfe von Maschinen
Am Montag haben sie erstmals maschinelle Hilfe in Anspruch genommen. Wieland Oberhofer leistete sich einen Saugwagen der Firma Rädlinger. Der schafft bis zu 44 000 Kubikmeter Material in der Stunde. „Dafür mache ich keinen Urlaub“, sagt der 88-Jährige. Er ist neugierig, wie groß die Keller unter dem Haus tatsächlich sind. Zusammen mit Max Lampatzer und Max Harter ist der Hausbesitzer derjenige, der den Anstoß für das ganze Unternehmen gab. Am Montag sind Helmut Roith und Alois Rötzer von den Ausgrabungen in Untergrafenried sowie Fabian Gruber dabei.
Wichtigste Person ist diesmal allerdings der Mann, der den Saugwagen betreibt. Das ist Thomas Burghardt von der Firma Rädlinger. Der Laster ist im Prinzip ein riesiger Staubsauger, der Material bis zu 150 Kilogramm ansaugen kann. Am Montagvormittag klappt das allerdings nicht so einfach, wie man sich das anfangs vorgestellt hatte. Denn man hatte vor, dazu die großen Entlüftungsrohre für den Keller zu nutzen. Aber hier scheinen sich größere Brocken immer wieder zu verkeilen. Doch Jürgen Lampatzer bleibt ruhig. Solche unerwarteten Hindernisse gebe es bei solchen Projekten immer wieder. Morgen will er berichten, wie sich die Probleme lösen lassen.
Begeistert ist er von den Luftverhältnissen im Keller sowieso. Nicht nur die Lüftungsrohre, die beim Neubau mitgeplant wurden, sorgen für einen ständigen Luftstrom, sondern auch an anderen Stellen im Keller ist ein Luftzug zu spüren. Lampatzer führt an ein kleines Loch tief unten im Keller. Dort strömt deutlich spürbar Luft ein. Und anders als in anderen Erdkellern, die oft feucht sind, der unter dem Haus am Stadtplatz ist trocken.
Wann die Keller entstanden sind, das weiß bislang niemand. Dass sie allerdings alt sind, zeigen die Spuren im Gestein. Wie am ganzen Stadtplatz steht auch dieses Haus auf massivem Gneis. Und in dem Gneis sieht man deutlich die Spuren der Meißel, die sich händisch in das harte Gestein gegraben haben.
Dass die späteren Nutzer die Keller aber zusätzlich absichern wollten, zeigen die gemauerten Gewölbe aus Ziegeln. Dass die das sogenannte Reichsformat haben, lässt wiederum einen Rückschluss auf die Zeit ihrer Verwendung zu. „Diese Art Ziegel waren zwischen 1840 und 1950 gebräuchlich“, erklärt Lampatzer.
Mit Laser vermessen
Einen Gang haben die Leute des Museumsvereins schon freigelegt und das Material in Kisten im Keller zwischengelagert. Dieser Gang reicht in etwa bis zur Hauskante am Bürgersteig. Ein zweiter Gang soll jetzt mit Hilfe des Saugwagens freigelegt werden. Wo man sich genau im Kellersystem befindet, das wissen die Waldmünchner durch die Unterstützung der Erdstallforscher um Birgit Symader, die den Keller mit Laser vermessen haben. Unterstützt werden die Museumsleute auch von Bau Wagner und der Zimmerei Stelzer mit Material und Arbeitsgerät.


