Landwirtschaftliche Ausbildung im Landkreis Cham vor ungewisser Zukunft

Es ist die Randlage, die ihr zum Verhängnis werden könnte – das, was in Sachen Lebensqualität im Abseits des Trubels oft als Vorteil gilt. Doch, wenn eine Schule geht, leidet auch die Qualität vor Ort. Noch sei es nicht so weit, doch bei einer möglichen neuen Standortdiskussion müsse man bangen, sagt Heribert Semmler, Chef des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten.
Denn die Landwirtschaftsschule in Cham ist gemeint, wenn‘s ums Bangen geht. 2021 habe es schon einmal eine Debatte um die Schließung von Schulstandorten gegeben. Cham blieb erhalten, die Nachbarschule Nabburg musste die Segel streichen, nicht zuletzt, weil es nahe an Weiden, einem großen, daher ungefährdeten Schulstandort liegt.
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Für die Weiterbildung der Landwirte im Landkreis Cham wäre Nabburg keine optimale Lösung gewesen, meint Semmler: „Es wäre zu befürchten gewesen, dass sich die Zahl der Landwirtschaftsschüler dann schlimmstenfalls halbiert hätte!“
Vor der nächsten Reform
Umgekehrt hat sich der erhoffte Zustrom nach Cham von Landwirtschaftsschülern aus Nabburg nur teilweise eingestellt. Die nächste Standortreform wird irgendwann kommen – dann könne es eng werden für den Chamer Schulstandort, abhängig von der Entwicklung der Studierendenzahlen. Die müssen mindestens stabil bleiben, was vor dem Hintergrund des anhaltenden Strukturwandels in der Landwirtschaft schwierig werden wird.
Die Folge sei, dass ohne Landwirtschaftsschule die Weiterbildung zum Landwirtschaftsmeister in der Regel nicht mehr erfolgt. Sonstige Weiterbildungsmöglichkeiten wie Vorträge oder Kurzlehrgänge können die Ganztagsausbildung an der Schule nicht gleichwertig ersetzen.
Cham sei heute in Bayern eines der kleineren Ämter, habe aber Personal für die Schule mit an Bord. Wie es künftig weitergehe, wenn die Schülerzahlen sinken würden, sei fraglich. Viele Nabburger würden Weiden vorziehen, weil nah und über die Autobahn schnell zu erreichen.
„Folglich hat die Landwirtschaftsschule Cham auch nur den Landkreis Cham als Einzugsgebiet!“, erläutert der Amtsleiter. Schon jetzt könne die zweijährige Chamer Schule nicht jedes Jahr ein neues Semester beginnen, sondern es werde wechselklassig – also nur jedes zweite Jahr gestartet – letztlich auch, um genügend Studierende zu bekommen.
Ein solches Wechselklassensystem gebe es derzeit nur an zwei von 20 noch bestehenden Landwirtschaftsschulen in Bayern. Das System sei nicht ideal für den Schulbetrieb. Wie der Trend läuft, zeigen die Zahlen: Gab es bis vor wenigen Jahren noch 30 Schulen, die 700 neue Schüler unterrichteten, seien es heute noch 20 Schulen mit 400 Schülern. „Der Ausdünnungsprozess läuft“, sagt Heribert Semmler. Andere Lösungen als ein möglichst dichtes Netz an wohnortnahen Schulen sind in seinen Augen nicht zielführend, wie etwa zentrale Schulstandorte mit Internatsbetrieb. „Fast alle Landwirtschaftsschüler kommen von einem Hof und müssen dort außerhalb der Unterrichtszeit täglich noch arbeiten“, erklärt er die Vorbehalte.
Wobei nicht nur die Abteilung Landwirtschaft der Schule Sorgen bereitet, auch bei der Abteilung Hauswirtschaft („Teilzeitschule“) gibt es alle zwei Jahre ein Hoffen und Warten auf genügend Anmeldungen.
Im Zweijahresrhythmus startet jeweils der neue Ausbildungskurs. „Und immer ist die Frage: Bekommen wir genügend?“ Manchmal werde es eng, manchmal kämen fast zu viele Anmeldungen. „2023 etwa hatten wir fast zu viele Anmeldungen“, sagt Semmler. Und manchmal geht es auch in die andere Richtung, so dass ein Start eng wird. „Das Ministerium schaut da genau hin!“, sagt Semmler aus Erfahrung. Es entsteht Erklärungsbedarf, wenn die Zahl der Studierenden nach dem Schulstart unter die Mindestzahl fällt – auch wenn das erklärbar sei.
16 sind das Minimum
Die Auflage des Ministeriums für die Hauswirtschaftsschule liege bei 16 Teilnehmern. Als sich von dieser Mindestzahl drei verabschiedet hätten, etwa weil sich eine berufliche oder familiäre Änderung ergeben hatte oder ähnliches, sei das nicht gut angekommen. „Aktuell haben wir 19 Schülerinnen“, sagt Semmler.
Teilzeitschulen Hauswirtschaft wie in Cham gebe es deutlich mehr als Landwirtschaftsschulen. Auch bei dieser Einrichtung sei schon über eine Ausdünnung der Schulstandorte nachgedacht worden. Entscheidungskriterium ist die zu erwartende Zahl an Studierenden. Doch auch das wäre in den Augen Semmlers problematisch: „Das Dilemma ist, dass die Frauen nicht bereit sind, weit zu fahren! Sie sind meist verheiratet und haben Kinder. Wenn sie nicht am Hof gebunden sind, gehen sie in der Regel einem Beruf nach. Es kommt nicht von ungefähr, dass sie die Teilzeitschule nebenbei machen.“ Das sei für sie zu viel Aufwand – folglich seien bei einer Zusammenlegung deutliche Verluste vorhersehbar.
Das Amt und seine Schulen
Mitarbeiter: Die Mitarbeiterzahl des AELF Cham bewegt sich zwischen über 50 bis knapp 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, überwiegend in Teilzeit. Umgerechnet in Voll-Arbeitskräfte sind es etwa 40. Der Bereich Forsten ist dabei enthalten mit etwa 15 Vollzeitstellen. Teilzeit ist im Bereich Forst – anders als in der Landwirtschaft – eher die Ausnahme.
Lehrer: Von den Mitarbeitern im Bereich Landwirtschaft werden für die Landwirtschaftsschule in der Abteilung Landwirtschaft („Landwirtschaftsschule“) derzeit fünf Lehrer eingesetzt, in der Abteilung Hauswirtschaft („Teilzeitschule Hauswirtschaft“) drei Lehrerinnen.
Teilzeit: Die Lehrerinnen und Lehrer sind überwiegend mit Beratung, Förderung, Hoheitsaufgaben und Bildungsaufgaben (Ausbildung, Fortbildung außerhalb der Landwirtschaftsschule) beschäftigt. Lehrer in der Landwirtschaftsschule sind sie auch mit vielleicht 50 Prozent ihrer Zeit oder weniger. „Schule und Beratung – diese Verknüpfung wird in unserer Verwaltung schon immer gelebt. Beides soll sich gegenseitig befruchten“, so Landwirtschaftsdirektor Semmler.