Nicht nur Schwammerl im Rodinger Forst: Wie kommt der Reifen in den Wald?

Von Christoph Klöckner · 10. Oktober 2024 um 11:00

Josef Biendl ist im Ruhestand – und doch noch immer jeden Tag an seinem frühen Arbeitsplatz. Oder besser: in seinem früheren Arbeitsplatz. Denn er war bis vor zwei Jahren Förster, angestellt bei den Bayerischen Staatsforsten, hat jahrelang als Förster und Jäger das Revier von Altenkreith bis Neubäu betreut. Bis heute lässt ihn der Wald nicht los. Vor allem die Schwammerl locken ihn – und der Müll.

Das eine ist Vergnügen und Genuss , das andere eher Belastung. So geht Josef Biendl sozusagen mit leeren Händen in den Wald und kommt mit vollen heraus: In der einen Hand den Korb mit Maronen, Steinpilzen oder Parasol, in der anderen Hand Flaschen, Altreifen, Zigarettenstummel oder Plastik jeder Art. Der 67-Jährige kann nicht vorbeigehen und wegschauen, wenn da etwas liegt, was dort nicht hingehört. Das sei als Förster schon so gewesen und bis heute so geblieben.

Früher landete alles im Wald

Wer lässt sich schon gern den Arbeitsplatz von anderen beschmutzen? Da müsse er tätig werden, meint Biendl. Es sei immer Müll im Wald zu finden gewesen, so seine Erinnerung.

Auch lesenswert: Zahl unzulässiger Müllablagerungen steigt

„Früher, in der Kindheit, als es hier bei uns noch keine Müllabfuhr gab, hat man den Müll in den Wald gefahren!“, so die Erinnerung des Neubäuers, der im Chamer Ortsteil Ried am Pfahl geboren ist. Das sei aus damaliger Sicht normal gewesen.

Mitten im Wald

Doch heute, wo es Wertstoffhöfe, Müllkraftsammelstellen und Restmüll- wie Biotonnen gebe, verstehe er die Intention der Menschen nicht, die zur Erholung oder um Pilze oder Beeren zu sammeln in den Wald gehen würden und sich dort dann ihres Mülls entledigen. „Das muss doch nicht sein!“, sagt er. Er habe sogar schon Neubäuer im Wald beim Müllabladen erwischt, was zwar ohne Konsequenzen blieb, aber für den anderen beschämend gewesen sei – „der kann mir bis heute nicht ins Gesicht schauen!“

Und es müssen oft diejenigen sein, die mit der Schwammerlsuche vom Ökoraum Wald profitieren. Denn Biendl findet Plastik, Flaschen und anderes an Stellen, wo kein Weg in der Nähe ist. „Das ist oft mitten im Wald, wo ich Sekt- und Weinflaschen finde oder Plastikverpackungen von Süßigkeiten“, beschreibt Biendl.

Da sei keine Lichtung oder ähnliches. Das Glas verrotte nicht, Scherben seien eine Gefahr für Mensch und Tier – das müsse doch eigentlich jeder wissen.

Für ihn ist das nur schwer begreifbar, was der Mensch dort macht. Wer Schwammerl suche und dann seinen mitgebrachten Müll vor Ort liegen lasse, zeige vor allem einen negativen Zeitgeist heutiger Gesellschaft, meint der Förster im Ruhestand, der seit 1983 in Neubäu lebt: „Das ist der Egoismus, der da handelt.“ Da denke jeder nur an sich, nicht an den Nächsten, der hier vorbeigehe oder an seine Nachkommen. Früher, in den Nachkriegsjahren, sei mehr wiederverwendet worden, da fast alles mehrfach brauchbar war und viele im Landkreis Selbstversorger waren.

Manchmal sei es auch Unwissenheit – etwa, wenn er menschliche Hinterlassenschaften von Waldbesuchern am Wegesrand findet – bedeckt von den typischen Tempotaschentüchern. „Was viele nicht wissen: Tempos verrotten nur ganz schlecht, wegen der Fasern!“ Zudem seien sie chemisch behandelt. Er rät daher Schwammerlsuchern oder Wanderern, lieber normales Klopapier in den Rucksack zu stecken – das sei für die Umwelt verträglicher.

Müll im Wald sei zwar immer da, denn die meisten Hinterlassenschaften seien aus Plastik und brauchten teils Jahrhunderte, um zu verrotten. Doch gebe es schon Unterschiede. Dort, wo eine Stadt nah sei, wie hier Roding, gebe es mehr Verschmutzung im Wald. Oder auch entlang der Straßen, wo einfach alles aus dem Autofenster entsorgt werde.

Josef Biendl richtet am Wegesrand Sammelstellen ein, wo der Müll später abgeholt wird. Foto: ck
Statt Tempo, das nur schlecht verrottet, empfiehlt Biendl, Klopapier mitzunehmen. Foto: Biendl