Es war ein langer Weg: Evangelische Kirche in Neunburg ist jetzt endlich barrierefrei

Gleich zwei besondere Ereignisse lieferten am Freitag einen Grund für einen Besuch in der evangelischen Versöhnungskirche. In erster Linie ging es um den Abschluss der Bauarbeiten zur Barrierefreiheit mit Segnung der dazugehörigen Rampe. Der zweite Grund war ein Beitrag zum Neunburger Kunstherbst 2024.
Passend zum ersten Anlass hatte sich die Pfarrei den Regensburger Mundmaler Markus Kostka eingeladen, der nicht nur zehn seiner bemerkenswerten Werke ausstellte, sondern auch aus seinem Leben mit der Behinderung berichtete. „Die Idee für einen behindertengerechten Zugang reicht schon über 15 Jahre zurück“, erinnerte sich Pfarrer Gerhard Beck.
Zuvor hatte er unter anderem Bürgermeister Martin Birner (CSU), die Vertretern der Stadtratsfraktionen sowie den katholischen Pfarrer Stefan Wagner, sowie Formation „Kraut und Rüben“ der Kontaktgruppe Behinderte-Nichtbehinderte begrüßte, die den Abend musikalisch begleitete.
Unzählige Sitzungen für das Projekt in Neunburg
Als Alternative zu der steilen Treppe an der Straßenböschung sei 2016 sogar eine Art Treppenlift angedacht worden. Schließlich sei es erst 2018 möglich gewesen, ein „Gesamtpaket“ für die Barrierefreimachung zu schnüren – und damit auch die Landeskirche als Träger von der Notwendigkeit zu überzeugen.
Der Auslöser dafür seien gelockerte Treppenstufen gewesen. In unzähligen Sitzungen aller Beteiligten konnte schließlich mit der Architektin Regina von Wenz eine gangbare Lösung erarbeitet werden. Sie sprach mit einem Schmunzeln davon, an diesem Tag ein „architektonisches Meisterwerk“ zu feiern, das die eigene Welt grundlegend verändern könnte.
Dass eine Rampe eben nur eine schiefe Ebene sei, wäre eine schreckliche Untertreibung. Diese sei nicht nur schief, sondern auch barrierefrei, was eine kleine Revolution bedeute. Sie sei eine Kunstform, welche eine denkmalschutzrechtliche Genehmigung und die Zustimmung des landeskirchlichen Baureferates erforderte – einschließlich der Integration in das Gesamtensemble. Neben den verschiedensten Berechnungen sei vor allem die Frage der Rutschfestigkeit zu klären gewesen.
„Sie würden nicht glauben, wie viele Testpersonen mit glatten Schuhsohlen benötigt wurden, um diese Frage zu klären“, meinte sie. Letztendlich, so fasste es die Architektin zusammen, sei Barrierefreiheit nicht nur für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen gedacht, sondern auch für jene, die einfach keine Lust auf Treppen hätten.
Sie bedankte sich bei allen Beteiligten – unter anderem für das Durchhalten in Pandemiezeiten. Besonders erinnerte sie an den verstorbenen Dr. Hajo Steffens, der durch seine Idee, die Rampe auf öffentlichen Grund zu verlagern, das Ganze erst möglich gemacht habe.
Mit der richtigen Rampe Hindernisse überwinden
Mit der Betonung als Symbol für Zugänglichkeit und Inklusion meinte sie: „Egal, wie schräg das Leben manchmal sein mag, mit der richtigen Rampe kommen wir alle problemlos darüber hinweg.“ Zu jenen, die ihren persönlichen Weg auf einer „Rampe“ gefunden haben, gehört auch der Mundmaler Markus Kostka. Ausführlich schilderte er seinen Weg von einem Badeunfall im Mittelmeer, der ihn seit seinem 16. Lebensjahr nahezu bewegungsunfähig an den Rollstuhl gefesselt hatte.1989 holte er sein Abitur nach und studierte ab 1990 an der Universität Regensburg Psychologie, wo er 1998 eine Anstellung im Bereich Human Factors erhielt.
„Mit der Mundmalerei habe ich 1983 – nach meinem Unfall – noch im Krankenhaus begonnen, weil mir langweilig war“, schilderte er. Als großes Glück habe sich ein Stipendium der Vereinigung der Fuß-und Mundmalenden Künstler International erwiesen. Bereits 2012 sei er innerhalb der Vereinigung zum „assoziierten Mitglied“ aufgestiegen, was für ihn die finanzielle Unabhängigkeit bedeutete, um freiberuflich vorwiegend als Künstler tätig sein zu können.
Neben Beispiele seiner Arbeitsweise auf Video, forderte er am Ende die Besucher der Veranstaltung auf, selbst einmal diese Maltechnik anzuwenden. „Es ist schwieriger, als man denkt“, meinten unter anderem Herma Bullema und Maximilian Lang.

