Aus für 50-Liter-Müllbehälter im Landkreis Regensburg: Müssen auch Exemplare mit Rädern weg?

Von Benedikt Baumgartner · 7. Oktober 2024 um 05:00

Die Entscheidung des Umweltausschuss des Kreistags zur digitalen Identifizierung von Mülltonnen – und somit dem Aus der kleinen, schwarzen Rundtonnen – beschäftigt viele Bürger. Für einige Besitzer von 50-Liter-Tonnen könnte es nun aber einen Hoffnungsschimmer geben.

Eine kleine Tonne sorgt für hohe Wellen im Landkreis. Das Aus der Restmülltonne mit 50 Litern Volumen treibt viele Landkreisbürger um. Im kommenden Jahr sollen die aktuell kleinsten verfügbaren Behälter nach und nach aus dem Verkehr gezogen und durch 60-Liter-Tonnen ersetzt werden.

Der Hintergrund: Die Abfallwirtschaft plant im Landkreis die Einführung eines digitalen Ident-Systems für Restmüll- und Papiertonnen. Bei 50-Liter-Rundtonnen ist kein Chipnest vorhanden, ein Ident-System ist daher in diesen nicht integrierbar. Zudem seien diese Tonnen ohne Räder und Einhängmöglichkeit in die Müllwagen arbeitsschutzrechtlich bedenklich.

Nachdem der Umweltausschuss des Kreistags die Einführung der digitalen Identifizierung von Mülltonnen und somit das Aus der kleinen, schwarzen Rundtonnen beschlossen hatte, tauchten bei vielen Bürgern Fragezeichen auf.

Denn: Zahlreiche Landkreisbewohner hatten bei lokalen Entsorgern 50-Liter-Tonnen gekauft, die Räder haben, rechteckig geformt und in den Außenmaßen exakt identisch mit 60- und 80-Liter-Tonnen sind. Ihr geringeres Volumen verdanken sie einem innen höher gesetzten Boden. Eine solche Tonne besitzt auch Gottlieb Peter. „Wenn man das Pickerl wegmacht, kennt man sie nicht auseinander“, sagt er über seine 50-Liter-Tonne, die neben einem 80-Liter-Exemplar steht.

Nicht mehr im Handel

Kein Einzelfall: „Bis zum heutigen Tag haben sich im Landratsamt ein knappes Dutzend Bürgerinnen und Bürger gemeldet, die aktuell eine 50 Liter Restmülltonne mit Rädern besitzen, und nach dem weiteren Vorgehen gefragt haben“, informiert Landkreissprecher Hans Fichtl auf MZ-Anfrage. Peter hat seine Tonne 2018 gekauft. Auch andere Besitzer solcher Tonnen haben sich bei der MZ gemeldet. Einer schreibt, er besitze sein Exemplar seit 2020, auf der Website des Entsorgers, bei dem er es gekauft hat, finde man es heute aber nicht mehr. „Da frag ich mich, ob das nicht eine versteckte Müllgebühren-Erhöhung ist, wenn man die 50-Liter-Tonnen so einfach verschwinden lässt?“, kritisiert er.

Fichtl bestätigt das Aus des 50-Liter-Behältnisses mit Rädern. „Leider werden aktuell von keinem bekannten Hersteller Restmülltonnen mit einem Füllvermögen von 50 Litern angeboten, die der aktuellen DIN Norm entsprechen – auch nicht mehr von der Firma Meindl.“ Beim Landratsamt geht man davon aus, dass die geringe Nachfrage der ausschlaggebende Grund hierfür sei.

„Nachdem jedoch auch 50-Liter-Tonnen mit Rollen in Umlauf sind, die den aktuellen DIN-Vorschriften entsprechen und ein Chipnest besitzen, wird unsere Abfallwirtschaft prüfen, wie mit diesen Tonnen zukünftig verfahren werden kann“, verspricht Fichtl. Noch ist also nicht ausgeschlossen, dass zumindest die Bürger, die bereits eine solche Restmülltonne besitzen, diese auch nach Einführung des Ident-Systems weiternutzen können.

Gottlieb Peter würde es begrüßen, seine kleine Tonne behalten zu können. „Die steht da wie neu“, sagt er. Er hat sich bewusst für die kleinste Größe entschieden, berichtet er auf MZ-Nachfrage nicht ohne gewissen Stolz. Er trenne Müll, fahre alle zwei Wochen zum Wertstoffhof.

Mehr Platz, wenig Trennung?

Ob er die brave Trennung so beibehalten wird, wenn er zwangsweise mehr Platz in der Tonne hat? „Wenn ich schon zahlen muss dafür, dann werfe ich alles halt da rein“, vermutet er mit Blick in die Zukunft. Schließlich sei der Wertstoffhof auch nicht um die Ecke, sondern ein paar Kilometer entfernt – durchaus möglich, dass er sich diese Fahrten dann spart, wenn eine größere Mülltonne mit reichlich Platz lockt.

Alle Besitzer von 50-Liter-Restmülltonnen, egal ob Rund- oder DIN-Norm-Tonnen, werden laut Landkreissprecher Fichtl im nächsten Jahr ein Anschreiben mit detaillierten Informationen zur weiteren Vorgehensweise vom Fachbereich Abfallwirtschaft am Landratsamt erhalten. Spätestens dann sollen sich die Fragezeichen um die kleine, schwarze Tonne lichten.

Ident-System

Digitalisierung: Aktuell erfolgt die Kennzeichnung einer angemeldeten Mülltonne durch kleine Aufkleber, die jährlich versendet werden. Das sei anfällig für Täuschung, kosten- und arbeitsintensiv. Daher will die Abfallwirtschaft am Landratsamt auf ein digitales Ident-System setzen.

Kosteneinsparung: Rund 468 000 Euro dürfte die Bestückung der 139 300 Restmüll- und Papiertonnen im Landkreis kosten. Dafür wird mit jährlichen Mehreinnahmen von mindestens 132 750 Euro durch mehr erfasste Tonnen gerechnet.

Kleintonnen: Rund 21 000 Restmülltonnen fassen nur 50 Liter, das ist ein knappes Drittel der 74 800 Restmülltonnen im Landkreis. Unter den 50-Liter-Tonnen scheinen aber zahlreiche die Anforderungen für eine Weiternutzung mit Ident-System zu erfüllen.