Drehleitern per Sammelbestellung: Historisches Ereignis für drei Feuerwehren im Landkreis Cham

Von Mittelbayerische Zeitung · 2. Oktober 2024 um 17:50

„Es ist ein historisches Ereignis“ überschrieb Markus Hofmann am Dienstagabend die Vorstellung der neu in Dienst gestellten Drehleitern bei den Feuerwehren Bad Kötzting, Furth im Wald und Waldmünchen.

Schon vor über 30 Jahren hatten die gleichen drei Kommunen und Feuerwehren, den gemeinsamen Schritt zur Beschaffung derartiger Fahrzeuge gemacht. Nun haben sie sich erneut zusammen getan, um die für die Rettung von Menschen und der Brandbekämpfung unverzichtbaren Einsatzmittel neuester Technik zu ordern.

In den 80er Jahren hatte die Landkreisfeuerwehrführung um Kreisbrandrat Hans Zwick argumentiert, dass ein Flächenlandkreis wie Cham nicht nur zwei Drehleiterstandort, damals Cham und Roding, sondern fünf benötige. Diesen Ball nahmen die drei Kommunen Bad Kötzting, Furth im Wald und Waldmünchen 1988 auf zu einer gemeinsamen Beschaffung von Drehleitern mit einer Leiterlänge von 30 Metern. Nach den Beschlüssen, Vorführungen und Auftragsvergaben wurden die Drehleitern zwischen 1990 und 1992 ausgeliefert.

„Wir haben diese gute Kooperation von damals aufgegriffen, uns auch für die Ersatzbeschaffung abgestimmt, um diese wieder gemeinsam zu tätigen“, sagte Bad Kötztings Bürgermeister beim Festakt am Jahnplatz.

Mehr Förderung war möglich

Auslöser war, dass die vorhandenen Modelle teils 34 Jahre im Dienst standen, nicht mehr dem Stand der Technik entsprachen und die Ersatzteilversorgung immer schwieriger wurde. Dem Ansinnen half auch, dass damit mehr Förderung, je Kommune 22 500 Euro, einherging, der Kreisbrandrat die Ersatzbeschaffung positiv beschied und auch die Regierung zustimmte. Ein Fachbüro wurde zur Erstellung der Ausschreibungsunterlagen beauftragt. Im Februar 2022 wurden die Anträge zur Förderung gestellt. Es folgten gemeinsame Besichtigungsfahrten. Um sich ein Bild vom aktuellen Modell zu machen, fanden Vorführung der am Markt gängigen Hersteller statt.

Im August 2022 wurde die Ausschreibung veröffentlicht. Die Firma Rosenbauer aus Karlsruhe erhielt den Zuschlag. Ausgeliefert wurden die drei Fahrzeuge im Sommer 2024.

„Einziger Wermutstropfen war, dass sich die Preisgestaltung durch die bekannten Faktoren im Vergleich mit der Kostenschätzung doch etwas nach oben gestaltete“, so Markus Hofmann. Letztendlich kosteten die Fahrzeuge je Stück etwa 832 000 Euro. An Förderungen können die Kommunen jeweils 258 000 Euro vom Freistaat Bayern und 90 000 Euro vom Landkreis Cham erwarten, so dass noch an Restbelastung etwa 484 000 Euro für jede Kommune übrig bleiben. „Die neuen Drehleitern sind mit modernster Technik ausgestattet, können ein Leiterteil abknicken. Der Korb kann bis zu fünf Personen oder 500 Kilogramm Last aufnehmen. Liegendkranke bis zu 300 Kilogramm können gerettet werden“ so Hofmann. Es war ein logistischer Aufwand, alles unter einen Hut zu bekommen. Es galt die Haushaltssituation der jeweiligen Städte genauso zu betrachten wie die differierenden Anforderungen der drei Feuerwehren. „Vorgabe war, dass die Fahrzeuge baugleich sind“ so Hofmann, „wir haben das Ziel erreicht, es hat alles bestens geklappt, und ist ein tolle Sache.“ Er dankte den drei Kommandanten Michael Weiß, Franz Stoiber und Michael Bierl und ihrem Führungsteam, den Bürgermeistern Sandro Bauer und Markus Ackermann sowie Florian Heigl der die Beschaffung federführend begleitete.

Ein gutes Ergebnis

„Wir brauchen solche Geräte zur Rettung von Menschen, der Brandbekämpfung und bei Unwettern“, sagte Landratsstellvertreter Markus Müller. Die Kommunen haben damit eine hohe Hürde überschritten, um diese wichtigen Rettungsgeräte zu beschaffen. „Es ist ein gutes Ergebnis für die Menschen in der Region“, ergänzte Sandro Bauer. Furths Bürgermeister hob die Wichtigkeit der Drehleiter für die jeweiligen Inspektionsbereiche an, nachdem diese Fahrzeuge über die jeweiligen Stadtgrenzen hinaus alarmiert werden. „Es geht heute hoch hinaus für die Feuerwehren“ sagte Julian Preidl. In den Fokus stellte der Landtagsabgeordnete auch die hohen Preise, die derzeit für Feuerwehrfahrzeuge verlangt werden.

„Drehleitern haben einen hohen Anteil am Einsatzerfolg“, sagte KBR Michael Stahl. Feuerwehr ist Teamarbeit, in die sich die Kommunen und der Landkreis eingliedern. Nur so sei diese Beschaffung, die der Landkreis mit einem Zuschuss unterstützt, möglich gewesen. „Wir sind für alle da und benötigen deshalb diese neueste Technik“ so Stahl, dabei auch auf die immer höheren Kosten bei den Feuerwehrfahrzeugen eingehend.

Ehe die Ehrengäste in die Rettungskörbe einstiegen, um sich die Technik und Möglichkeiten der neuen Fahrzeuge vorführen zu lassen, bedankte sich Hans de Vigneux, der die Lieferung seitens der Firma Furtner& Ammer begleitete, für das Vertrauen in die Landauer Firma und den Hersteller Rosenbauer in Karlsruhe. „Mir war es eine Herzensangelegenheit diese drei Drehleitern liefern zu können“ so der Außendienstmitarbeiter, der selbst in Bodenmais aktiven Feuerwehrdienst leistet.

Im Beisein von zahlreichen Ehrengästen wurden die Schlüssel zu den drei neuen Fahrzeugen symbolisch übergeben. Fotos: kht
Die Möglichkeiten, die der Rettungskorb an der Drehleiter bietet, haben sich enorm weiterentwickelt.
Markus Müller am Hauptbedienstandplatz: Er war begeistert von deren Technik.
„Drehleitern haben eine hohen Anteil am Einsatzerfolg“, sagte KBR Michael Stahl.