Für 5000 Menschen: Die Stadt Regensburg plant ein neues Viertel im Norden

Noch hört Regensburg am Ende der Sandgasse recht abrupt auf: mit einem Altkleidercontainer und einer städtischen Grüngutsammelstelle neben einem Maisfeld. Hier im Norden soll Regensburg bald wachsen: und zwar gewaltig.
Die Stadt plant zwischen der Konradsiedlung und Wutzlhofen sowie dem Gewerbegebiet Haslbach ein neues Viertel für circa 5000 Einwohner. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat als Grundlage dafür am Dienstagabend den Rahmenplan „Regensburg Nord“ beschlossen.
Planungs- und Baureferent Florian Plajer erklärte: „Stadtentwicklung ist im Stadtgebiet selbst in mittelgroßem bis größerem Maßstab nicht mehr möglich und auch nicht mehr zeitgemäß möglich.“ Die Stadt glaube, dass das Areal im Norden sich als Siedlungsgebiet gut eigne, insbesondere wegen der möglichen Anbindung über den für 2028/2029 geplanten Bahnhaltepunkt Wutzlhofen.
Die Stadt Regensburg plant 20 Jahre voraus
Wenn der Bahnhaltepunkt kommt, soll der von Plajer als „multifunktional, urban und grün“ beschriebene Stadtteil für Wohnen und Gewerbe bereits im Wachsen sein. Plajer sagte, die Stadt strebe eine möglichst klimaneutrale Realisierung an. Vorhandene Biotope sollen gestärkt werden. In einem Zeitraum von insgesamt 20 Jahren könnten dort etwa 5000 Menschen ein neues Zuhause finden, in preisgedämpften und frei finanzierten Wohnungen und Häusern.
Entstehen soll das neue Viertel auf einer Fläche von circa 107 Hektar zwischen der Sandgasse im Süden und Haslbach im Norden sowie der B16 im Westen und der Pilsen-Allee im Osten. Circa die Hälfte des Planungsgebiets befinde sich im Eigentum der Stadt, teilt eine Sprecherin mit, weitere Flächen gehörten Privateigentümern und vereinzelt Unternehmen. Zum Vergleich: Das Gelände der ehemaligen Prinz-Leopold-Kaserne im Osten, wo die Stadt ebenfalls ein neues Quartier plant, ist etwa 15 Hektar groß.
Vier Kilometer Luftlinie von der Innenstadt entfernt
Das Areal im Norden ist etwa vier Kilometer Luftlinie von der Innenstadt entfernt und wird heute zum größten Teil landwirtschaftlich genutzt, wie Lothar Backhaus, Abteilungsleiter im Stadtplanungsamt, im Ausschuss sagte. „Wir streben natürlich vor dem Hintergrund des Flächensparens einen urbanen Stadtteil an.“ Der „Lebensstandort der Zukunft“ solle im Zentrum dicht und kompakt bebaut werden und nach außen hin „etwas moderater“. Neben Wohnraum sollen dort auch eine Vielzahl von Arbeitsplätzen entstehen, Infrastruktur für Kinderbetreuung und Bildung, Freizeit, Sport und Erholung sowie Freiraum. Ein Rahmenplan sei ein informeller Plan, der sich noch ändern könne. Mit Leben füllen soll er sich zunächst durch eine Teilnahme der Stadt an einem Wettbewerb des Forums „Europan“, in dem Städte gemeinsam mit Planer-Nachwuchs Städtebau-Ideen entwickeln.
Die Mehrheit der Stadträte zeigte sich angetan. Josef Zimmermann (CSU) äußerte sich „sehr einverstanden, dass wir im Zentrum die urbanen Gebiete ausweisen, dass wir da auch eine städtische Entwicklung im Stadtnorden bekommen“. Sehr gut täte dem Stadtteil ein „Nordbad“. Klaus Rappert (SPD) nannte das Vorhaben „eine wunderbare Geschichte“. „Wir brauchen zusätzlichen Wohnraum, auch im Stadtnorden, weil wir da Platz haben, wir brauchen ein zusätzliches Gewerbegebiet.“
Grüne wünschen sich eine möglichst dichte Bebauung
Grünen-Fraktionschefin Maria Simon unterstrich: Die Stadt benötige vor allem bezahlbaren Wohnraum, der müsse aber flächensparend entstehen. „Wir wünschen uns mehr Mut, ruhig in die Dichte zu gehen“, sagte sie. Einfamilienhäuser dürfe es nicht mehr viele geben. Gabriele Opitz (FDP) plädierte dagegen für „vielfältige Wohnformen, auch Einfamilienhäuser“. Auch Christian Janele (Christlich-Soziale Bürger) sprach sich für „Gärtchen“ für Familien aus, warnte aber vor möglichen Verkehrsproblemen wie in Brandlberg. Irmgard Freihoffer (BSW) forderte ein möglichst autofreies Quartier. Backhaus sagte, geplant sei eine „verkehrliche Durchnetzung“, die sich vor allem auf Fuß- und Radverkehr sowie den ÖPNV stütze. Der „Gedanke der 15-Minuten-Stadt“ mit kurzen Wegen und vielfältiger Nutzung gefalle ihm besonders, erklärte Florian Rottke (Brücke).
ÖDP-Fraktionschef Benedikt Suttner sprach sich als Einziger gegen den Rahmenplan aus, seine Partei sei gegen weitere Gewerbegebiete.
Europan-Wettbewerb
Konzept: Europan ist ein Netzwerk, das europäische Städte mit den Nachwuchsgenerationen von Architekten, Stadtplanern und Freiraumplanern zusammenbringt. Der alle zwei Jahre ausgerichtete Wettbewerb ist dem städtischen Planungsreferat zufolge „bekannt für seine unkonventionellen und kreativen Lösungsansätze“. Jeder Wettbewerb habe ein Thema, das für die Entwicklung der europäischen Stadt von zentraler Bedeutung sei.
Thema: Das Thema des aktuellen Europan-Wettbewerbs 2024/2025 lautet „Re-sourcing – eine neue Perspektive auf das Bestehende“. Dabei geht es darum, wie in urbanisierten Räumen dem Klimawandel und den von Menschen verursachten Ungleichheiten begegnet werden kann. Die Stadt will mit dem Rahmenplan Nord teilnehmen. Die Kosten von rund 145.000 Euro seien „im niedrigschwelligen Bereich“. Sie rechnet auch mit Förderung.