Liveübertragung vom Erntedankfest: Die Barbarakirche wird zum TV-Studio

Am Sonntag wird der Gottesdienst aus Abensberg im Bayerischen Rundfunk übertragen und erreicht so auch Gebrechliche in ganz Deutschland.
Schrille Töne zerreißen das Kirchenschiff: Was sich wie ein Hörtest anhört, ist nichts weiter als das Stimmen der Orgel. Die wird mindestens zweimal im Jahr gestimmt, aber weil am Sonntag der Gottesdienst live aus der Barbarakirche in die Wohnzimmer ganz Deutschlands übertragen wird, schadet es nicht, wenn auch die Orgel perfekt klingt.
Die kommenden Tage wird es trubelig rund um die Kirche. Ab diesem Freitag rücken die Übertragungswagen an, dann gehört der Barbaraplatz dem Team vom Bayerischen Rundfunk. Und auch in der Kirche werden Regisseur, Kameramänner oder Tonassistentinnen zu Gange sein, werden Kabel verlegen und Scheinwerfer platzieren, um jeden Winkel ins rechte Licht zu rücken.
Pfarrer Georg Birner kennt das Spiel schon, denn für ihn ist es bereits der dritte Fernsehgottesdienst. Und eine Selbstverständlichkeit, denn „wenn es keiner macht, dann gibt es irgendwann immer weniger Fernsehgottesdienste oder das Format wird ganz gestrichen. Aber manche Pfarrer scheuen den Aufwand“, so Birner.
Minuziöser Plan
Er weiß, wovon er redet. Vor ihm liegt ein Laufplan, in dem minuziös notiert ist, wann am Sonntag, zum Erntedankgottesdienst was gesagt wird. „Davon gab es schon mehrere Fassungen.“ Birner musste schon im Juni die Texte für die Predigt und die Fürbitten oder die Gabenprozession vorlegen.
Im Laufplan steht dann aber nicht nur das, was Birner sagt, was in der Predigt steht, was in der Lesung vorkommt oder was der Chor singt. Hier sind auch etwa die Standorte der Kamera vermerkt: Vier Kameras werden aufgestellt sein, mehrere Dutzend Scheinwerfer und Spots sorgen für die perfekte Ausleuchtung. Und Mikrofone – Birner wird ein kleines angesteckt bekommen – tragen den Ton in bewährter Qualität zu den Zuschauern auf den heimischen Sofas.
Auch das könnte Sie interessieren: Georg Birner geht in Abensberg live auf Sendung
Die Planungen begannen freilich schon viel früher. „Als wir im vergangenen Jahr den Gottesdienst am 15. August ausgestrahlt hatten, war eigentlich schon klar, dass wir wieder einen machen.“ Dafür musste ein passender Tag ausgewählt werden, „Pfingsten zum Beispiel sind viele im Urlaub“, sagt Birner. Gespräche mit den Behörden folgten.
Und das Fernsehteam, das Birner im Übrigen als sehr angenehm empfindet, sah sich die Kirche, die Gegebenheiten vor Ort an. Birner machte auch auf die Besonderheiten aufmerksam, etwa das Fresko unterhalb der Orgelempore, das aus dem 15. Jahrhundert stammt oder der Hochaltar, auf dem Hopfendolden abgebildet sind.
Für das Filmteam ist das deshalb interessant, weil sie kleine Einspieler drehen, die dann in die Liveübertragung eingebunden werden.
Damit dann am Sonntag alles sitzt, wird noch geprobt, und zwar mehrmals. Am Samstag proben alle, die zu Wort kommen und auch der Chor für sich. Der Abendgottesdienst dann ist gleichzeitig die „Generalprobe“ mit allen zusammen und freilich vor Publikum in der Kirche. „Vor dem letzten Fernsehgottesdienst war die Kirche voll“, sagt Birner, „das hat mich dann schon gefreut“.
Er habe den Gläubigen schon gesagt, dass sie bitte nicht in die Kameras reinschauen, sie am Besten ignorieren sollen, dass alles so natürlich wirken soll wie immer. Ob er aufgeregt ist? „Das gibt gute Spannung, und die schadet nicht“ , sagt Birner. Schließlich müsse er sich an das Skript halten.
Wenn der Gottesdienst am Sonntag vorbei ist, machen Birner und sein Team noch Telefondienst und beantworten Mails. Auf drei Telefonen nehmen sie dann Rückmeldungen und Fragen entgegen.
Für Kranke und Einsame
„Oft sind es nur Dankesworte oder die Bitte, die Predigt haben zu können“, weiß Birner von seinen vergangenen Fernsehgottesdiensten. Aber nicht selten ist auch sein seelsorgerisches Können gefragt.
Denn die Anrufer erzählen auch davon, dass sie sich einsam fühlen, vielleicht nicht mehr so mobil sind. Und gerade für jede Menschen, die nicht mehr selbst in die Kirche kommen können, sind die Fernsehgottesdienste wertvoll, weiß Birner.
Nicht nur deshalb sind ihm die Fernsehgottesdienste fast eine Herzensangelegenheit – deren Gelingen freilich nicht von ihm alleine abhängt, wie Birner nicht müde wird zu betonen: „Da stecken das Sakristeiteam, der Chor, der Frauenbund, die Ministranten oder auch das Eine-Welt-Forum dahinter.“
Und sie sind es auch, die die Früchte des Lohns tragen. Denn so ein Fernsehgottesdienst schweiße ungemein zusammen. Und das sei für ihn das größte Geschenk.
Am Sonntag live beim Erntedank mit dabei sein:
Live: Am Sonntag, 6. Oktober um 10 Uhr startet der Gottesdienst. Übertragen wird er live ins Bayerische Fernsehen. Anschließend ist das Pfarrteam unter Telefon (0 94 43) 13 42 erreichbar.
Probe: Die Vorabendmesse am Samstag um 18 Uhr ist zugleich die Generalprobe.
Gemeinschaftswerk: Neben dem Frauenbund, dem Messteam oder auch den Ministranten wirkt auch das Eine-Welt-Forum mit.

