Rätsel um Uralt-Raub in Regensburg: Angeklagte bestreiten Spielothek-Überfall vor 20 Jahren

Überfälle auf Spielotheken sind beileibe nichts Ungewöhnliches – dass eine solche Tat nach über 20 Jahren vor dem Landgericht Regensburg verhandelt wird, allerdings schon. Nach dem ersten Verhandlungstag blieben zahlreiche Fragen offen.
Die Jugendstrafkammer befasst sich mit einem Fall aus dem Jahr 2004, der nur durch Zufall wieder in den Blick der Justiz rückte: Zwei Männern (39 und 45) wird vorgeworfen, im März 2004 eine Spielothek in der Altstadt überfallen zu haben. Dabei soll einer eine Cola bestellt haben, während sich der andere unbemerkt maskierte, die Angestellte attackierte und mit Schuhbändern fesselte. Danach sollen die Täter 400 Euro aus der Kasse genommen haben. Der Fall war zunächst zu den Akten gelegt worden – bis zu einem DNA-Zufallstreffer vor etwa zwei Jahren. Damals führte die Spur auf der Cola-Flasche zum 39-Jährigen, der daraufhin verhaftet wurde. Der eigentliche Prozessauftakt im April war geplatzt, einer der Angeklagten war schlicht nicht aufgetaucht.
Angeklagter bestreitet Raubüberfall in Regensburg
Am Dienstag erschien der Iraker (45) und bestritt die Tat. Er erzählte, er habe damals flüchtig einen „Benni“ gekannt, mit dem er mehrfach Streit hatte. Er habe die Vermutung, dass ihm dieser Benni auch den Spielotheken-Raub anhängen wolle. Der Mitangeklagte heißt jedoch nicht Benni. Darüber hinaus sagte der 45-Jährige, er habe damals eine schwere Verletzung am Bein gehabt, wodurch er gar nicht in der Lage gewesen wäre, sich an so einem Raub zu beteiligen.
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Nach dem Raub habe ihn ein Polizist, den er aus einem anderen Zusammenhang kannte, auf der Straße angesprochen und ihn gebeten, mit auf das Revier zu kommen. Dort habe man ihn zu dem Vorfall in der Spielothek verhört. Es sei aber nichts weiter passiert. Allerdings landete ein Foto von ihm in der Akte. Das Gericht unterbrach die Verhandlung daraufhin, um alte Akten zu Fällen, in denen der Name des Irakers auftaucht, zu holen. Darin fand sich allerdings keine Verbindung zu seinem Mitangeklagten und keine Anhaltspunkte zu einem „Benni“. Zudem fanden sich in den Akten keine Hinweise darauf, welcher Polizist den Iraker damals auf der Straße ansprach.
Angestellte leidet noch heute unter Verbrechen in Regensburg
Am Dienstag hörte das Gericht auch die Angestellte, die damals überfallen wurde. Sie berichtete unter Tränen, das Geschehen von damals eigentlich verarbeitet zu haben, seit der Wiederaufnahme des Verfahrens habe sie allerdings größere Probleme. Sie sagte, sie habe denjenigen, der eine Cola bestellte, damals nach dem Ausweis gefragt. Sie könne sich allerdings nur noch an das Geburtsjahr erinnern – dieses stimmt mit dem des 39-Jährigen überein. Die Frau ärgere sich noch heute darüber, sich nicht an den Namen des Mannes zu erinnern.
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Vor Gericht sagten auch zwei pensionierte Kriminalbeamte aus, die 2004 mit dem Fall betraut waren. Sie schilderten die Ermittlungen, nach zwei Jahrzehnten konnten sie sich allerdings an nicht mehr viel erinnern. Ein Knackpunkt des Verfahrens könnten die Schnürsenkel werden, mit denen die Angestellte gefesselt wurde. Diese wurden am Tatort sichergestellt. Allem Anschein nach wurden sie allerdings nicht auf DNA-Spuren untersucht. Womit sie als Beweismittel ausscheiden. Warum die Schnürsenkel nicht untersucht wurden, konnten die beiden Kriminalbeamten in Pension nicht mehr sagen. Zudem konnten sie sich nicht mehr daran erinnern, ob ein Polizeikollege einen der möglichen Verdächtigen auf der Straße angesprochen hat.
Angeklagter bestreitet, beteiligt zu sein
Der 39-Jährige, dessen DNA-Spur an der Cola-Flasche gefunden wurde, ließ am Dienstag über seinen Anwalt Johannes Büttner ausrichten, dass er an dem Raub nicht beteiligt gewesen sei. Bei einer Haftprüfung vor rund zwei Jahren hatte er vor einem Richter allerdings zugegeben, in der Spielothek gewesen zu sein und besagte Cola getrunken zu haben. Damals sei er heroinabhängig gewesen. Er habe von zwei Männern Drogen kaufen wollen, diese hätten ihn dazu gezwungen, in die Spielothek zu gehen, um dort eine Cola zu kaufen. Als er realisierte, dass es sich um einen Raubüberfall handelt, sei er abgehauen, sagte er dem Richter bei der Haftprüfung. Im Anschluss seien ihm Fotos in der Ermittlungsakte gezeigt worden, auf einem habe er seinen jetzigen Mitangeklagten erkannt.
Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.