Neues Team hinter dem Einsatzleiter: Wie läuft die Führungsunterstützung der Chamer Feuerwehren?

Von Sabrina Kauer · 1. Oktober 2024 um 19:00

Mehrere Dinge gleichzeitig zu erledigen, klappt, wenn es sich um simple Prozesse handelt. Bei komplexen Sachverhalten ist das schwieriger. Einsatzleiter der Feuerwehren im Landkreis Cham waren dem bisher im Ernstfall ausgesetzt. Hinzu kommt Stress, vor allem, wenn ein Mensch gerettet werden muss. Die Führungsunterstützung soll die Einsatzleiter entlasten. Das Konzept wurde während der Aktionswoche Mitte September erprobt. Doch was genau macht eine Führungsunterstützung? Und wie fällt das Fazit nach der ersten Testphase aus?

„Die Führungsunterstützung ist ein Team hinter dem Einsatzleiter, das ihm einiges abnimmt“, sagt Chams Kreisbrandinspektor Marco Greil. Die Hauptaufgabe dieses Teams bestehe darin, dem örtlichen Kommandanten, der den Einsatz am Schadensort leitet, Arbeiten abzunehmen. „Auf den Einsatzleiter prasselt alles ein. In der Zeit nach der Alarmierung stehst du unter Strom“, sagt Greil.

Den Kopf frei bekommen

Damit der Einsatzleiter, wie Greil sagt, „den Kopf freibekommt“ und sich voll und ganz auf das Geschehen vor Ort konzentrieren kann, soll die Führungsunterstützung wesentliche Aufgaben übernehmen. Wie Markus Reittinger, Kommandant der Feuerwehr Cham, erklärt, bestehe die Führungsunterstützung aus vier Personen, die bestimmte Aufgaben zu erfüllen haben:

Ein Aktiver überwacht den Funkverkehr. Der nächste erstellt die Lagekarte zum Einsatzgeschehen vor Ort. Ein weiterer Aktiver übernimmt das Einsatztagebuch, um dort unter anderem wichtige Funksprüche zu vermerken. Der vierte begleitet den Einsatzleiter und liest ihm „die Wünsche von den Lippen“ ab, so Reittinger. Der Einsatzleiter muss dem Unterstützer nur sagen, welche Verstärkung er beispielsweise noch benötigt. „Der Einsatzleiter muss nur noch anschaffen, alles andere machen andere für ihn. Dadurch wird es einfacher und angenehmer“, sagt Reittinger.

So sieht es auch Kreisbrandrat Michael Stahl. „Auf den Einsatzleiter strömt so viel ein. Die Führungsunterstützung ist wie das ,Büro’ des Einsatzleiters.“

Führungsunterstützung rückt bei der Alarmierung B 3 mit an

Eine Führungsunterstützung komme bei der Alarmierung B 3 ins Spiel. Darunter fallen unter anderem ein Wohnhaus- oder Dachstuhlbrand. Im Falle eines B 3-Einsatzes rückt im Landkreis Cham immer die nächstgelegene Feuerwehr mit Drehleiter mit an, sagt Stahl. Das sind die Feuerwehren Cham, Roding, Bad Kötzting, Furth im Wald, Waldmünchen, Neukirchen beim Heiligen Blut und Lam.

Die Führungsunterstützung helfe zudem bei einem nahtlosen Übergang, falls sich ein Brand zu einer größeren Einsatzlage mit der Alarmierung B 4 entwickelt. „Bei B 4 gibt es schon immer die Unterstützungsgruppe“, sagt der Kreisbrandrat. Die Führungsunterstützung sei die verkleinerte Form davon. Derzeit befindet sich das Konzept laut Stahl in der Schulungsphase. Nach und nach werde es in die Praxis übertragen.

Das bestätigt auch Norbert Mezei, Kreisbrandinspektor in Roding. Wie er sagt, gibt es seit Mitte des Jahres Schulungen zur Führungsunterstützung und das Konzept werde nun Stück für Stück umgesetzt.

Für die westlichen Randbereiche in Roding – beispielsweise Wald, Rettenbach oder Falkenstein – würden die Verantwortlichen nach einem individuellen Konzept suchen. Denn in den Grenzbereichen könnte es sein, dass Feuerwehren mit Drehleitern aus dem Nachbarlandkreis die Führungsunterstützung stellen. „Das müssen wir erst noch absprechen, wie es dann gemacht wird“, sagt Mezei, der positiv auf die vergangenen Übungen zur Aktionswoche Mitte September blickt.

Feedback der Einsatzleiter war gut

„Das Feedback der Einsatzleiter war durchwegs gut. Wichtig ist, dass sie bei ihren vielfältigen Aufgaben unterstützt werden. Ihnen wird nichts von ihrer Kompetenz weggenommen“, sagt er.

So sieht es auch Mario Bierl, Kreisbrandinspektor im Bereich Furth im Wald/Hohenbogenwinkel. „Viele Einsatzleiter meinen, sie müssen alles selber machen“, sagt er.

Eine Führungsunterstützung sei keine Pflicht. Der Einsatzleiter könne jederzeit selbst entscheiden, ob er ein Team braucht oder nicht. „Aber eine Entlastung schadet nicht“, findet Bierl. Die Erprobung der Führungsunterstützung sei auch im Further Bereich gut angelaufen. „Wir waren zufrieden“, so Bierl.

Übungsbedarf besteht

Dennoch gebe es Übungsbedarf. Die Einsatzleiter hätten die Führungsunterstützung zum Teil noch nicht auf dem Schirm; sie seien es nicht anders gewohnt, als alle Aufgaben alleine zu organisieren.

In der anlaufenden Phase kann es zudem vorkommen, dass sich die Einsatzleiter noch nicht sicher sind, ab wann sie eine Unterstützung anfordern sollen, sagt Kreisbrandrat Michael Stahl, und fügt hinzu, „nach der Aktionswoche waren 95 Prozent positiv dazu eingestellt.“

Dem stimmt Chams Kreisbrandinspektor Marco Greil zu: „Die Führungsunterstützung war im KBI-Bereich Cham Schwerpunkt der Übungen in der Aktionswoche. Es funktioniert gut, wenn jedes Rad ins andere greift, aber es muss geübt werden.“