Bis 67 Jahre bei der Feuerwehr im Einsatz? – Das sagen Chamer Kommandanten

Von Sabrina Kauer · 21. August 2024 um 05:00

„Feuerwehrdienst können alle geeigneten Personen vom vollendeten 18. bis zum vollendeten 65. Lebensjahr in der Gemeinde leisten“, heißt es im Artikel 6 des Bayerischen Feuerwehrgesetzes. Diese Regel wird derzeit diskutiert. Denn die Altersgrenze soll auf 67 Jahre angehoben werden. Aber wieso? Und was halten die Kommandanten aus dem Landkreis Cham davon?

Die Anhebung der Altersgrenze solle vor allem dem demografischen Wandel entgegenwirken. Wie in vielen Vereinen in der Region haben auch die Freiwilligen Feuerwehren damit zu tun, Nachwuchs zu gewinnen. Um dennoch die Sicherheit für die Menschen zu gewährleisten, sollen die Ehrenamtlichen länger ihren aktiven Dienst leisten können.

Dafür setzen sich vor allem die Freien Wähler ein. „Erst beim Hochwasser im Juni haben wir es wieder gesehen: Wir brauchen jede helfende Hand. Deshalb haben wir Freie Wähler (FW) mit unserer Initiative die Diskussion angestoßen und deshalb tut sich jetzt auch etwas. Wir müssen reagieren, bevor demnächst ein Riesenloch durch die Baby-Boomer-Generation entsteht“, so MdL Julian Preidl (FW) in einer Pressemeldung.

Ältere Kameraden haben viel Erfahrung

Michael Weiß, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Bad Kötzting, findet das Vorhaben „grundsätzlich vernünftig“. Wenn man bis ins Alter von 67 Jahren auch arbeiten kann, sollte das auch für den Dienst bei der Feuerwehr gelten, findet er. „Die Älteren bringen viel Erfahrung mit und geben sie an die Jüngeren weiter“, sagt Weiß. Deswegen: „Je länger sie dabei bleiben können, desto besser“.

Nur weil jemand das Rentenalter erreiche, heiße es nicht, dass er oder sie nicht mehr für die Freiwillige Feuerwehr geeignet sei. „Es gibt welche, die sind mit 70 noch topfit“, sagt Weiß. Und wenn das doch nicht mehr der Fall sein sollte, könne der Kamerad trotzdem weiterhin mit anpacken, beispielsweise bei der Gerätewartung beziehungsweise -pflege oder bei Einsätzen außerhalb des Gefahrenbereichs. Allein damit sei schon geholfen.

Ein weiterer Vorteil, den die Alters-Anhebung bringen würde, ist, dass diese Personen vor allem tagsüber einfacher bei Einsätzen mithelfen könnten. Dem stimmt auch Franz Engl, stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Cham, zu. Oft seien nämlich die Älteren schon in Rente oder Altersteilzeit. „Das würde sich tagsüber positiv auf die Alarmsicherheit auswirken“, sagt Engl.

Dem Gefahrenbereich im höheren Alter fernbleiben

So sieht es auch Stefan Menacher, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Thürnstein-Schrenkenthal im Lamer Winkel. Die Ehrenamtlichen könnten dem Gefahrenbereich ab dem höheren Alter fernbleiben, dafür aber beispielsweise mithelfen, die Straße abzusperren. „Das müssen sonst die Jüngeren machen“, sagt Menacher.

Dennoch sollte man laut Chams Kommandant Franz Engl die Gesundheit der Aktiven im Blick haben. Wenn man sich darüber als Kommandant nicht sicher ist, könne man sich dafür Rat und eine Rückversicherung vom Kreisfeuerwehrarzt holen. Es sei immer eine Einzelfallbewertung, ob jemand noch fit genug für den aktiven Dienst ist, oder nicht.

Für einen Gesundheits-Check ist auch Alexander Tag, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Roding. Er spricht sich für die Anhebung der Altersgrenze aus, „aber grundsätzlich mit einer Prüfung“, sagt er. „Es gibt Leute, die sehen ein, dass es körperlich oder geistig nicht mehr geht. Einige scheiden mit 40 aus dem aktiven Dienst aus. Andere wollen mit 100 Jahren noch nicht aufhören“, sagt Tag. Sein Wunsch für Bayern wäre die Allgemeine Feuerwehr-Tauglichkeitsuntersuchung, wie es sie beispielsweise im Norden Deutschlands gibt. So sei man als Aktiver, aber auch als Kommandant auf der sicheren Seite.

Der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Furth im Wald, Franz Stoiber, hat, wie er sagt, „gemischte Gefühle“ beim Thema Altersgrenze-Anhebung. „Alle, die 65 sind, kehren keine Ölspur mehr“, sagt er.

Und die Fahrzeuge seien heute auf einem derart modernen technischen Stand, dass Kameraden im höheren Alter die Geräte „nicht mehr so beherrschen. Das zeigt die Praxis“, sagt Stoiber.

Diensttaugliche Feuerwehrmänner und -frauen in Rente sind eine gute Unterstützung

„Ich bin schon dafür, dass die Altersgrenze angehoben wird, weil wenn man arbeitet, dann kann man auch noch bei der Feuerwehr seinen Dienst leisten. Aber einen großen Vorteil sehe ich mir nicht raus. Ich bin da nicht so blauäugig“, sagt er.

Chams Kreisbrandrat Michael Stahl steht positiv zur Anhebung der Altersgrenze. Aktive, die in Berufsrente gehen, aber bei der Feuerwehr diensttauglich sind, seien eine gute Unterstützung. Dass die 67-Jährigen nicht mehr an der „Front“ sein müssen, sieht auch er. „Es gibt so viele Aufgaben, die man machen kann. Man muss nur miteinander reden“, sagt Stahl. Zudem ist auch er der Meinung, dass man die Einzelfälle prüfen müsse.

Ärzte können Eignung jederzeit prüfen

Wie er sagt, könne ein Kommandant seine Leute jederzeit zu Ärzten schicken, damit diese die Aktiven auf ihre Eignung prüfen. Zudem hätten Kameraden auch eine Meldepflicht, wenn ihnen beispielsweise gesundheitlich etwas fehlt. Zum Thema Anhebung der Altersgrenze „wird es verschiedene Meinungen geben“, sagt Stahl.

„Ich glaube, dass die Altersgrenze angehoben wird, aber der Kommandant jeden einzelnen prüfen muss, ob’s noch geht“, sagt er. Bis zum Jahresende will das Bayerische Innenministerium um Innenminister Joachim Herrmann (CSU) eine Entscheidung fällen.