Nach 48 Jahren als Aktiver bei der Feuerwehr Cham geht es für Erich Piendl in den Ruhestand

Zuhause im Kleiderschrank von Erich Piendl ist in der vergangenen Woche ein Platz frei geworden: „Uniform, Helm und den Funkmeldeempfänger habe ich bereits abgegeben!“ Samstag hatte er 65. Geburtstag – damit endete der aktive Dienst für den freiwilligen Helfer, der bei kaum einem Einsatz der Chamer Helfer gefehlt hat. Fast 50 Jahre lang eilte er zu Brand oder Unfall, um Hilfe zu leisten. Zeit für ihn, einmal zurückzuschauen.
Und wer Piendl etwas näher kennt – den Mann, der im zivilen Beruf ebenfalls bis zur vergangenen Woche Finanzbeamter in Cham war, – der weiß, dass hat er sich nicht nur an Vergangenes erinnert, sondern einiges gleich auch gerne aufschreibt. Mit 17 Jahren sei er in die Freiwillige Feuerwehr Cham eingetreten: „Der Norbert Neft hat mich damals angesprochen.“ Er habe auf „seine zwei linken Hände“ verwiesen, sich dann aber doch überzeugen lassen, bei der guten Sache mitzumachen.
3500 bis 4000 Einsätze
Und zwar ab dem Tag, als die neue Feuerwehrwache in Cham von den freiwilligen Helfern bezogen wurde. Das sei der 22. Januar 1976 gewesen, „damals war ich 17 Jahre alt.“ Seitdem ist er unzählige Male zügig dorthin gefahren, wenn der Piepser ging, die Sirene heulte oder sonst irgendwie sein Einsatz gefordert war. Denn es ist heute wie 1976 noch die gleiche Feuerwache in Cham. Ein Neubau wäre wohl überfällig, doch zuerst muss das Seniorenheim St. Michael erneuert werden. In Zahlen schätzt Erich Piendl, dass er in den 48 Jahren zwischen 3500 und 4000 Einsätze absolviert hat.
Er hat einige der zahlreichen Einsätze aufgrund von Besonderheiten herausgepickt. Etwa den höchsten Einsatz, den er dort hatte, wo er damals auch noch ehrenamtlich engagiert war, als Kirchenpfleger, nämlich am Turm der Stadtpfarrkirche St. Jakob. Damals im Jahr 2002 drohte sich eine große gemauerte Verzierung bei Sturm und Regen in 22 Metern Höhe zu lösen und runterzubrechen. Er habe das Bauteil damals an der Kirche abgeklopft und gesichert.
Der schönste Einsatz für ihn sei die Rettung eines Falken gewesen, der sich in einem Taubennetz verfangen hatte. Und einmal ist ihm sogar ein Vogel vor die Füße gefallen, der eigentlich hoch oben im Nest eingefangen werden sollte. Das sei am Straubinger Turm gewesen. Das Chamer Storchenelternpaar war im Straßenverkehr umgekommen, die Jungstörche sollten aus dem Nest geholt und in die LBV-Auffangstation für Vögel gebracht werden. Ein Jungvogel ergriff beim Herannahen der Feuerwehr die Flucht, flog unbeholfen übers Dach und landete direkt vor Erich Piendls Füßen. Er habe ihn nur niedergehalten, bis die LBV-Experten da gewesen seien, erzählt er.
Seinen spektakulärsten Einsatz erlebte er an der Grenze – ein Gefahrgut-Transport verunglückte und alle Gefahrgut-Züge des Landkreises machten sich auf nach Schafberg, um Schlimmeres zu verhindern.
Die Chamer Feuerwehr sei früher im Landkreis schon etwas Besonderes gewesen, da die Wehr eine reine Einsatzmannschaft sei, ohne dass es bis heute einen Verein dazu gibt wie anderswo.
Und als größte Stadt in der Mitte des Landkreises mit den Bundesstraßen sei die Feuerwehr auch immer bestens ausgestattet gewesen, anders als die kleineren Wehren in den anderen Orten – daher seien die Chamer auch zu vielen Einsätzen weiter entfernt gefahren, um zu helfen. Sprüche wie „Geht‘s weg, das ist unser Brand“ seien aus dieser vergangenen Zeit, so der 65-Jährige. Heute seien viele Feuerwehren im Landkreis gut ausgestattet und entsprechend einsatzfähig.
Skurril war ein Einsatz am Kreisverkehr in Janahof, als ein Getränkelaster mit 14000 Flaschen Bier verunglückte. Für bayerische Biertrinker hielt sich das Mitleid in Grenzen – es sei Jever-Bier aus dem hohen Norden gewesen, erinnert sich Piendl. Es habe auch viele grausame Einsätze mit Toten gegeben – doch hätten ihn die Bilder nicht begleitet: „Mit der Zeit ist man auch abgestumpft.“
Froh, dass es vorbei ist
Wie sich die Zeiten für freiwillige Helfer geändert haben, hat er auch miterlebt. 1978 habe es im Norden des Landkreises einen Brand auf einem Gehöft gegeben – damals hätten sie die Anwohner bremsen müssen, die unbedingt helfen wollten, um das Feuer zu löschen. Bei einem Großbrand gut 20 Jahre später hätten die Leute im Weg gestanden, um Fotos und Filme zu machen statt zu helfen.
Er sei froh, dass es vorbei sei, sagt Erich Piendl. Und selbst, wenn er einen Alarm mitbekomme, bleibe er heute ruhig im Bett – da sehe er kein Problem.
Dem Nächsten zur Wehr
Ende: Nach 48 Jahren endete vergangene Woche der aktive Dienst von Oberbrandmeister Erich Piendl bei der freiwilligen Feuerwehr Cham. Er wurde 65, was automatisch das Dienstende als Aktiver bedeutet. Daher war er der zuletzt älteste der etwa 65 aktiven Feuerwehrler der Stadt – diese Rolle hat jetzt Josef Frisch inne.
Start: Piendl ist am 22. Januar 1976 der Chamer Feuerwehr als Aktiver beigetreten. Seitdem hat er kontinuierlich Ausbildungen etwa an der Feuerwehrschule gemacht – von der Grundstufe über den Verbandsführer und Atemschutz wie Jugendwart und Ausbilder Truppmanntruppführer (TTF) insgesamt 13 Fortbildungen absolviert. Dazu ist er bei bis zu 4000 Einsätzen mitgefahren. Und das nicht nur in Cham – beruflich an anderen Finanzämtern eingesetzt, war er auch dort mit der FFW im Einsatz, etwa in Regensburg, in Bad Kötzting und Amberg.
Einsätze: Neben den Einsätzen habe er 33 Jahre Kameraden der FFW ausgebildet. Die Einsätze seien ganz unterschiedlicher Art gewesen, von der Unterstützung bei der Tierrettung, etwa Falken oder Pferde, über Sicherungseinsatz bei St. Jakob im Sturmtief, Löschdienst bei Großbränden, Sicherungen bei Hochwässern bis zu Einsätzen bei grausamen Unfällen mit Toten war alles dabei.