Jennifer Lynn aus Chicago lebt im Landkreis Regensburg – Jetzt kehrt sie im Fernsehen auf die Bühne zurück

Von Chicago über Seattle und Holland nach Regenstauf – Jennifer Lynns Lebensweg führte sie über Landesgrenzen hinweg. Eines stand für sie aber nie zur Debatte: Dass sie von der Musik leben will. Ab 4. Oktober wird sie in vielen deutschen Wohnzimmern zu sehen und vor allem zu hören sein: Dann wird sie in den Blind Auditions, dem ersten Vorsingen in der Sendung „The Voice of Germany“, auftreten.
„Ich bin nicht aufgewärmt“, sagt die Amerikanerin in ihrem Musikzimmer. In dem stehen drei Klaviere, sie sitzt an einem weißen elektrischen Flügel. Eines ist ein Geschenk von ihrer verstorbenen Mutter und das dritte war schon in dem Haus, als sie eingezogen ist. „Das hat vorher den Domspatzen gehört“, sagt Lynn stolz. Heute ist ihr zehnjähriger Sohn selbst ein Domspatz. Dass sie ihre Stimme nicht aufgewärmt hat, ist nicht bemerkbar. Sie singt „Easy on me“, eine gefühlige Ballade der Ausnahmesängerin Adele.
In Holland im Halbfinale
Lynn war schon einmal bei „The Voice“. 2013 hat sie an dem holländischen Ableger der Show teilgenommen und ist bis ins Halbfinale gekommen. Damals hat sie bereits seit Jahren von ihrer Musik gelebt. „Ich bin für einen Vertrag aus den USA nach Holland gezogen.“ In dem Club Crazy Pianos in Den Haag ist sie viermal die Woche aufgetreten. Dort gibt es eine Bühne, auf der immer zwei Pianisten und weitere Musiker spielen. Lynn bezeichnet das Konzept als „Piano Ping Pong“, denn die Musiker improvisieren auf Zurufe aus dem Publikum. Wenn sich ein Gast einen Song wünscht, fängt einer an zu spielen und die anderen steigen ein. „Für mich als Songwriterin war das großartig“, erzählt sie. „Ich konnte zu jeder Zeit die aktuellen Top 40 spielen und habe hautnah erlebt, worauf das Publikum reagiert und was einen guten Song ausmacht.“
Europa wollte Jennifer Lynn nicht mehr verlassen, das war für sie sofort klar. „Die Lebensqualität ist hier einfach viel höher als in den USA“, erklärt sie. „Hier geht Qualität über Quantität. Man merkt, dass es in Europa um ein gutes Leben geht und nicht immer nur darum, höher, schneller, weiter zu gehen.“
Durch die Fernsehsendung wurde Lynn in Holland schließlich bekannt und nahm ein Album auf. Dann lernte sie ihren Mann kennen, einen Regensburger, und gründete mit ihm eine Familie. „Ich wollte mit meinen Kindern in der Nähe von Familie wohnen und da meine Eltern beide tot sind, sind wir nach Regensburg gegangen.“ Dort kümmerte sie sich in erster Linie um ihre Kinder – einen zehnjährigen Sohn und eine fünfjährige Tochter. Dann kam die Pandemie und an Auftritte war gar nicht zu denken.
„Nach Corona wurde mir bewusst, dass meine Ehe vorbei ist.“ Lynn ließ sich scheiden. Eine Freundin vermittelte ihr ein Haus in Regenstauf, in dem sie jetzt mit ihren beiden Kindern lebt.
Die Entscheidung, ein zweites Mal bei einem „The Voice“-Format teilzunehmen, hat sich die 46-Jährige nicht leicht gemacht. „Freunde haben mir immer wieder gesagt, dass ich dort teilnehmen soll. Aber ich will nicht die Amerikanerin sein, die nach Europa zieht und in die ganzen Fernsehsendungen geht.“ Schließlich überwog aber die Chance, nachdem sie eine Pause für ihre Kinder gemacht hat, erneut mit der Musik durchzustarten. „Es ging mir nie darum, berühmt zu sein. Ich möchte mit meiner Musik gern etwas bewegen, das ist alles.“
Hymne für das Rote Kreuz
Und das hat sie besonders mit einem Song bereits geschafft. „Carry me“ hat sie eigentlich für ihre Mutter geschrieben, als die schon schwer krank war. „Ich habe am Klavier gesessen und vor mich hingespielt, da hat sie mich gefragt, was das für ein Lied ist.“ Eigentlich wollte Lynn den Song nicht veröffentlichen. Er war für sie zu persönlich. Aber dann kam eine Anfrage, die ihre Meinung änderte: Das Rote Kreuz wollte „Carry Me“ zu seiner internationalen Hymne machen. „Meine Mutter hat immer an das Rote Kreuz gespendet. Das war für mich wie ein Kreis, der sich schließt.“
