Stadtrat fordert gleiche Preise: Warum zahlen Vereine in Berchings Hallen unterschiedlich viel Miete?

Das Symphonische Blasorchester Berching muss für sein Herbstkonzert mehr als zweieinhalb mal so viel Miete zahlen wie 2023. Statt 151 Euro werden 400 fällig. Und das nur, weil die Musiker nach einem Wasserschaden nicht wie gewohnt in der Europahalle spielen können, sondern auf die Kulturhalle ausweichen müssen. Unfair oder gerechtfertigt?
Dietmar Zeller, der für die SPD im Stadtrat sitzt, hatte in der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses angefragt, ob die Stadt den Berchinger Gruppen nicht entgegenkommen könnte. Seiner Meinung nach sollten in beiden Halle die gleichen finanziellen Bedingungen gelten – zumindest für den Zeitraum, in dem die Europahalle gesperrt ist.
SBO in Berching: Gleicher Preis in den Hallen wäre fair
Hintergrund seiner Anfrage war eine Aussage der SBO-Vorsitzenden Carolin Luber in einem Artikel unserer Zeitung. Damals hatte sie gesagt, dass der Verein in der Kulturhalle Miete zahlen müsse. Das sei ein Grund, warum die Kulturhalle nicht optimal für das Blasorchester sei.
Dass das SBO für die Kulturhalle Miete zahlen muss, ist korrekt. Fakt ist aber zudem: Auch für die Europahalle verlangt die Stadt grundsätzlich Mietgebühren. Für die zwei Herbstkonzerte im vergangenen Jahr werden für das Blasorchester laut Markus Amon von der Stadt 302 Euro fällig, sprich: 151 Euro pro Tag, wenn man es herunterrechnet. In der Kulturhalle muss das SBO jetzt für ein Konzert (am Sonntag, 20. Oktober) 400 Euro zahlen.
Eine Menge Geld für den Verein, sagt Luber. Die Vorsitzende hielte es nur für fair, wenn das SBO zum gleichen Preis in die Kulturhalle wie in die Europahalle dürfte. „Denn es ist ja nicht unser Verschulden, dass die Europahalle unter Wasser stand und wir auf die Kulturhalle ausweichen müssen“, sagt Luber.
Kulturhalle vs. Europahalle: Das sagt die Hechtonia Berching
Ein anderer Verein, der oft die Europahalle nutzt, äußert sich lieber nicht zu den Mietgebühren. Die Beauftragte für die Öffentlichkeitsarbeit der FG Hechtonia Berching, Katharina Hiemer, sagt zu diesem Thema nur: „Auch uns betrifft es aktuell, dass die Europahalle gesperrt ist und auch noch eine Weile gesperrt bleibt.“
Da die Hechtonia eine stolze Mannschaft mit über 100 Aktiven sei, komme die Kulturhalle allein schon wegen der Größe nicht infrage. Denn in der Europahalle finden deutlich mehr Besucher Platz als in der Kulturhalle. Insgesamt sei die Kulturhalle für das ein oder andere Event anderer Vereine eine tolle Möglichkeit, sagt Hiemer. „Damit die Vereinsaktivitäten aufrecht erhalten bleiben.“
Wann und wie viel Miete Berchinger Vereine zahlen müssen, wenn sie Europa- oder Kulturhalle nutzen, erklären Markus Amon und Veronica Platzek von der Stadt Berching. Amon kümmert sie um die Belegung der Europahalle, Platzek um die Kulturhalle.
Hochzeit in der Kulturhalle Berching: 1600 Euro Miete
Die Nutzung der Kulturhalle Christoph Willibald Gluck wird laut Platzek meist pauschal über Paketpreise abgerechnet. Das Hochzeitspaket (von Freitag bis Sonntag) kostet 1600 Euro. Tagungen und öffentliche Veranstaltungen ohne Küche kosten 750 Euro pro Tag, mit Küche 800 Euro. Vermeintliche Zusatzzahlungen wie Neben- und Reinigungskosten sind im Pauschal-Preis inbegriffen.
Bürger, Vereine, Gastronomen aus der Großgemeinde Berching sowie kirchliche und caritative Einrichtungen erhalten für die Kulturhalle Ermäßigungen. Laut Gebührenordnung gibt es für Berchinger bei geschlossenen Veranstaltungen einen Nachlass von 35 Prozent, bei Hochzeiten werden 200 von den 1600 Euro abgezogen. Vereine und Institutionen erhalten für öffentliche ein- bis dreitägige Veranstaltungen einmal jährlich 50 Prozent Rabatt. So kommt auch der Preis für das SBO zustande. Statt 800 zahlt der Berchinger Verein 400 Euro für die Kulturhalle.
Platzek hält diese Summe für angemessen. Denn die Mehrzweckhalle (Europahalle) sei nicht mit der Veranstaltungsstätte (Kulturhalle) zu vergleichen. In der Kulturhalle sei alles neu. Es gebe eine Küche und eine moderne Bühnentechnik.
Wenn man die Kulturhalle nutzen will, muss man laut Gebührenordnung immer Miete zahlen. In der Europahalle ist das anders. Einrichtungen, die einen gemeinnützigen Auftrag erfüllen, können diese kostenfrei nutzen, sofern nicht aufgrund der besonderen Situation die Erhebung eines Entgeltes oder besonderer Kosten als gerechtfertigt erscheint. Sprich: Trainieren Berchinger Sportvereine in der Europahalle, zahlen sie nichts. „Wenn ein Verein aber Eintritt für eine öffentliche Veranstaltung verlangt, dann verlangen wir Mietkosten je nach Gebührenordnung“, erklärt Amon. Wenn das Eintrittsgeld gespendet würde, werde nichts abgerechnet.
Gebühren in der Berchinger Europahalle
Ansonsten regelt die Gebührenordnung die Miete sowie weitere Kosten. Für die Halle muss man pro Stunde 56, maximal aber 300 Euro pro Tag zahlen. Für den Hausmeister zahlt man pro Stunde 35 Euro. Meist veranschlage die Stadt zwei Stunden. Dazu kommen Nebenkosten von 30 Euro (zwischen April und September) bzw. 60 Euro (von Oktober bis März). Wer Stühle, Tische und Bühne nicht selbst aufbaut, muss extra zahlen.
Berchinger Vereine und Institutionen, die mehrfach im Jahr die Europahalle mieten, erhalten laut Gebührensatzung Rabatt. Ab drei öffentlichen Veranstaltungen gibt es 30 Prozent Nachlass auf alle Veranstaltungen, ab fünf Terminen 50 Prozent.
Einer Ermäßigung für Berchinger Vereine, die Dietmar Zeller vorgeschlagen hatte, erteilte Bürgermeister Ludwig Eisenreich gleich in der Sitzung eine Absage. Die Kulturhalle müsse so wirtschaftlich wie möglich vermietet werden. Deshalb sollte man die Gebühren aus seiner Sicht nicht aufweichen. „Wenn wir das jetzt anfangen: Wo hören wir dann auf?“
