Wo Wassermassen ständig bewegt werden: Ein Blick in das Technikgebäude des Rodinger Freibads

Hier laufen alle Leitungen zusammen: Riesige Rohre, Filteranlagen und Pumpen gibt es im neuen Technikgebäude des Rodinger Freibads. Während der Probephase wird auch die Technik auf Herz und Nieren geprüft, erläutert Thomas Pickel, Geschäftsführender Gesellschafter der L&P Beratende Ingenieure GmbH, der die Generalsanierung des „Platschare“ federführend begleitet.
Die Technik in dem 50 Meter langen und damit ungefähr doppelt so großem Gebäude wie vorher sei auf dem neuesten Stand, sagt Pickel. Quasi alles laufe vollautomatisiert. Künftig ist es im Gegensatz zu früher auch möglich, unterschiedliche Wassertemperaturen in den vier verschiedenen Becken zu kreieren, „die unterschiedlichen Steuersysteme machen das möglich.“ Ein großer Gewinn für die Nutzer, betont der Planer.
Die gigantischen Mengen an Wasser, die benötigt werden, kommen aus einem Brunnenanschluss, der hauptsächlich für die Becken verwendet wird, sowie einem Trinkwasseranschluss, vorrangig für Duschen und sanitäre Anlagen. Bei Bedarf könne auch gewechselt werden, an der Qualität des Wassers ändere sich dadurch nichts, wie Pickel betont. Wie bei vielen anderen Dingen müssten zahlreiche Normen eingehalten werden.
Nachhaltigkeit ist Trumpf
Es wird auch viel Wert auch Nachhaltigkeit gelegt. So hat das flache Gebäude eine Holzfassade, außerdem ist es an das Fernwärmenetz der Agrarenergie Roding angeschlossen. So wird das Badewasser miterwärmt, ebenso das Wasser für die Duschen.
Das Wasser in den vier Becken wird durch die Umwälzpumpen in Bewegung gehalten. Die Reinigung verläuft vollautomatisch. In den Becken fließt das überlaufende Wasser in Rinnen am Rand und dann über Leitungen in das Technikgebäude. Das Wasser wird nicht mehr wie früher über die Beckenwand abgesaugt, da die Schwebstoffe meist an der Wasseroberfläche haften und so leichter ausgespült werden können, erklärt der Experte.
3,4 Meter hohe Filterbehälter
Das Badewasser fließt dann in 3,4 Meter hohe und 2,8 Meter breite Filterbehälter, wo es mit Sand und Aktivkohle gesiebt und gereinigt wird. Die Rückspülung erfolgt nicht mehr mit warmen, gereinigtem, sondern mit kaltem Wasser, für das zwei große Lagertanks bereitstehen. Das verschmutzte Wasser fließt zunächst in einen Schwallwasserbehälter, in dem sich die Sedimente absetzen, bevor es wieder zurück in den Kreislauf beziehungsweise zur Kläranlage geht.
Für die vier Becken gibt es verschiedene Reinigungs-Intervalle, erläutert Pickel, diese richten sich unter anderem nach dem Zufluss an neuem Wasser unter Berücksichtigung der Verdrängung durch die Badegäste. Das Kinderbecken etwa muss wegen der relativ kleinen Wassermenge und -tiefe zwei Mal pro Stunde komplett umgewälzt werden, beim Schwimmerbecken sind längere Intervalle möglich. Dies kann aber auch gesteuert und verändert werden, je nachdem, wie viele Badegäste gerade im „Platschare“ sind. Insgesamt können 1300 Kubikmeter Wasser pro Stunde umgewälzt werden.
Die Qualität des Badewassers werde ständig durch Messwasserpumpen geprüft, so der Planer. Falls nötig, erfolge der Auftrag an die Dosierpumpen, die dann die nötige Menge an Chlor oder ph-Flockungsmittel zugeben. Zudem werden auch weiter Messungen mit der Hand durchgeführt, um stets beste Wasserqualität zu garantieren.
Maschinen laufen leise
Wichtig ist Pickel zu betonen, dass die großen Maschinen laufen würden, ohne viel Lärm zu erzeugen: „Die Anwohner werden davon nichts mitbekommen.“ Außerdem diene das Gebäude auch gewissermaßen als Schallschutz nach außen beim laufenden Badebetrieb. „Wir haben in Roding die modernste Technik, die derzeit in einem Freibad zum Einsatz kommt“, sagt Pickel. Getestet wird sie nun beim Probebetrieb, nachdem auch die Becken mit Wasser befüllt sind. Diese Testphase zu haben, komme dem Planer sehr entgegen: „Wenn etwas nicht richtig läuft, haben wir noch genügend Zeit, um gegenzusteuern und eventuell Ersatzteile zu bestellen“.
Nach dem Probebetrieb wird die Technik wieder herunter- und dann, je nach Witterung, Ende März oder Anfang April kommenden Jahres wieder hochgefahren. Am 1. Mai wird das Rodinger Freibad wieder seine Pforten öffnen, „dann wird alles rund laufen“, ist sich Pickel sicher.
