Schlammteiche in Regensburg: Darf Schmack bald bauen? – Naturschützer drohen mit Klage

Der Bebauungsplan für das Industriegebiet Lago A3 im Regensburger Osten geht in die Auslegung. Naturschützer schätzten die ehemaligen Schlammteiche der Zuckerfabrik als Naturparadies und drohen mit Klage.
Auf den Hallen des Industriegebiets Lago A3 am östlichen Stadtrand, wo früher die Zuckerfabrik in Klärschlammteichen das Rübenwasser reinigte, prangen bekannte Namen aus der Wirtschaft. Unter anderem Continental und Krones sind hier Mieter. Weitere Firmen sollen dazukommen: In seiner jüngsten Sitzung stellte der Planungsausschuss des Stadtrats Weichen für die Erweiterung von Lago A3 nach Osten. Genau dieses Areal schätzt der Bund Naturschutz (BN) allerdings als „Vogelparadies“. Er erwägt eine Klage.
Die erste Halle des Zulieferparks der 2010 gegründeten Lago A3 GmbH entstand bis 2013, die zweite bis 2017. Ein Ausbau ist seit Langem geplant. Lago-A3-Geschäftsführer Ferdinand Schmack sagt: „Wir planen immer noch zwei weitere Logistikhallen, wie bereits seit 14 Jahren.“
Frieden trägt Früchte
In der Zwischenzeit traf sich der Immobilienunternehmer mit der Stadt mehrfach vor Gericht, unter anderem wegen einer Aufschüttung im nahe gelegenen Gleisdreieck, die die Stadt zwischenzeitlich als Abfall eingeordnet hatte. Inzwischen sind die Streitigkeiten aber beigelegt, hieß es im April bei einem Friedensgipfel im Rathaus. Auch im Planungsausschuss des Stadtrats macht es sich bemerkbar, dass langjährige Verhandlungen zwischen Schmack und der Stadt jetzt zu Ergebnissen führen.
Nun votierte der Planungsausschuss neun Jahre nach dem ersten Beschluss zum Gebiet „Südlich der Kremser Straße“ mehrheitlich dafür, den Bebauungsplanentwurf in die finale öffentliche Auslegung zu schicken. Grüne, ÖDP und BSW stimmten dagegen – und verwiesen auf die Bedenken des BN und des Umweltamts, hier werde wertvolle Biotopfläche aufgegeben. Grünen-Fraktionschefin Maria Simon sagte etwa: „Wir haben den Eindruck, diese Einwendungen sind nicht gut gelöst.“ CSU, SPD und Brücke dagegen lobten den Plan als ausgewogen. Thomas Thurow (Brücke) betonte, „dass man dem Unternehmen einfach Entwicklungsmöglichkeiten aufzeigen muss und diese Hallen auch dringend benötigt werden“.
OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) sprach sogar von einem „super Ergebnis, das die Verwaltung da erzielt hat in diesem nicht einfachen Bebauungsplanverfahren“. „Man muss natürlich den Lebensraum erhalten. Aber da stärken wir doch die Natur und den Lebensraum für die Tierwelt schon deutlich“, sagte sie. Als Erfolg sieht die Verwaltung, dass die Fläche der ehemaligen Teiche nördlich der Kremser Straße nicht gewerblich genutzt werden soll, sondern sich als Grünraum entwickeln soll. Auch seien im Vergleich zum Vorentwurf zusätzliche ökologische Ausgleichsflächen dazugekommen. Stadt und Investor heben hervor, dass der Anteil des Grüns an der Gesamtfläche von circa 25 Hektar 38 Prozent betragen solle.
BN: „Amphibienhotspot“
Der BN dagegen will verhindern, dass der Bebauungsplan rechtskräftig wird – und mit seinem Landesverband klären, unter welchen Voraussetzungen er dagegen vor Gericht zieht. Kreischef Raimund Schoberer nennt den Ausschuss-Beschluss in einer am Donnerstag mit Unterstützung des Landesbunds für Vogelschutz veröffentlichten Mitteilung einen „weiteren Schritt in Richtung Zerstörung“ des für die Artenvielfalt wichtigen Areals. Es sei Heimat von Vögeln wie Braun- und Blaukehlchen und ein „Amphibienhotspot“. Schoberer klagt: „Selbst die besonders wertvollen sogenannten ,CEF-Flächen‘ sollen mit zwei Megahallen überbaut werden und das Naturparadies soll nahezu komplett zerstört werden.“ Dabei dürften solche Gebiete nicht ohne Weiteres verlagert werden.
Von Stadt und Investor heißt es dazu: Die vom BN als wertvoll betrachteten CEF-Flächen müssten künstlich bewässert werden, um nicht auszutrocknen. Schmack sagt: Von „Megahallen“ zu sprechen, sei falsch. Die Größe entspreche der der bestehenden Hallen und sei in der näheren Umgebung üblich.
Kritik ist auch aus dem nahen Ortsteil Irl zu hören. So fürchten Bürger der Arbeitsgemeinschaft (AG) Irl mehr Lkw-Verkehr. „Glücklich ist keiner über die Verdichtungsmaßnahme“, erklärt Sprecher Markus Schreiner. AG-Mitglied Gerhard Froschhammer sagt, prinzipiell könne er sich mit der Erweiterung abfinden. Sorge bereite ihm aber die geplante Einleitung von Regenwasser in den Aubach. Eine Stadtsprecherin versichert, die Stadt berücksichtige bei der Planung den Hochwasserschutz.
Das Industriegebiet
Ausrichtung: Im Logistikpark Lago A3 arbeiten circa 250 Menschen. Ihre Tätigkeiten reichen von Vorproduktion bis Verpackung.
Bedeutung: Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg, sagt: Der Stadtosten sei ein gewerblich-industrieller Schwerpunkt Regensburgs und solle in dieser Funktion ausgebaut werden. Er bilde als Zentrum der regionalen Transportlogistik „das Rückgrat unserer exportorientierten Wirtschaft“. Die Branche sorge dafür, dass es sich für die Unternehmen lohnt, hier zu produzieren.
Das Industriegebiet Ausrichtung: Im Logistikpark Lago A3 arbeiten circa 250 Menschen. Ihre Tätigkeiten reichen von Vorproduktion bis Verpackung.
Bedeutung: Martin Kammerer, Geschäftsführer des IHK-Gremiums Regensburg, sagt: Der Stadtosten sei ein gewerblich-industrieller Schwerpunkt Regensburgs und solle in dieser Funktion ausgebaut werden. Er bilde als Zentrum der regionalen Transportlogistik „das Rückgrat unserer exportorientierten Wirtschaft“. Die Branche sorge dafür, dass es sich für die Unternehmen lohnt, hier zu produzieren.