„Die Leute rufen wie wahnsinnig an“: Im Oktober fließt erstmals der neue Ökodiesel

Von Marion Koller · 26. September 2024 um 05:00

Die Avia Tankstelle in der Landshuter Straße bietet als erste Tankstelle in Regensburg HVO 100 an, den neuen Ökodiesel. Der TÜV spricht bei der Genehmigung ein gewichtiges Wort mit.

Am Mittwochvormittag ist es ruhig in der Avia-Tankstelle. Ein Autofahrer lässt seinen Wagen waschen. Alle Zapfsäulen sind frei. Neben drei Super-Kraftstoffen kann Diesel und Premium Diesel getankt werden. Noch deutet nichts auf den neuen, ökologischen Sprit hin, der bald erstmals in Regensburg sprudeln wird. Doch die Vorbereitungen laufen.

Tankstellenbesitzer Armin Mayer hat 30 000 Liter HVO 100 bestellt. „Ich hoffe, dass nächste oder übernächste Woche befüllt wird“, sagt er. Der unterirdische Tank ist bereits ausgepumpt worden. Die Reinigung und eine Prüfung durch den TÜV folgen. Viele Dieselfahrer warten offenbar auf den umweltfreundlichen Kraftstoff. „Die Leute rufen wie wahnsinnig an“, sagt Mayer (67). Etwa 50 Kunden hätten vergangene Woche nachgefragt. „Selbst das Stadtwerk war schon da.“

Weniger Stickoxid

Seit Mai dürfen Tankstellen in Deutschland den neuen synthetischen Diesel-Kraftstoff HVO 100 verkaufen. Dieser wird hauptsächlich aus altem Speiseöl und -fett sowie daraus bestehenden Abfallstoffen produziert. Aber auch tierische Fette können eingesetzt werden. Das Bundesverkehrsministerium urteilt, mit einer möglichen Treibhausgas-Einsparung in der Produktion von mehr als 90 Prozent gegenüber fossilem Diesel könne HVO 100 einen wichtigen Beitrag zu weniger Emissionen leisten. Auch verbrenne der Biosprit sauberer und geruchsärmer. Das reduziert die Umweltbelastung in Städten.

Hans-Peter Rabl, Professor für Verbrennungsmotoren an der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH), bezeichnet HVO als Teil der Lösung. „Wenn biogene Abfall- und Reststoffe wie Altspeisefette für die HVO-Produktion eingesetzt werden, kann man damit eine CO2-Reduzierung um rund 90 Prozent im Vergleich zu Standard-Diesel realisieren“, bestätigte der Fachmann im Sommer. Freilich darf kein Palmöl verwendet werden, sonst könne man wegen der dafür nötigen Rodung von Wäldern nicht mehr von Klimafreundlichkeit sprechen.

Aufwendige Genehmigung

Michael Sterner, OTH-Professor für Energiewirtschaft, hält die Einführung für einen sinnvollen Schritt. HVO 100 sei aber – auch wegen der begrenzten Mengen – keine Alternative zur E-Mobilität.

Die A. F. Bauer Mineralöl in Regenstauf liefert die 30 000 Liter. Für sie ist die Avia-Tankstelle eine Pilotstation. „Wir haben 85 Prozent CO2-Einsparung, ohne dass wir Infrastruktur oder Fahrzeug wechseln müssen. Das ist doch geil“, sagt Prokurist Stefan Schedel.

Allerdings dauere es wegen des aufwendigen Genehmigungsverfahrens noch eine Weile. Anfang Oktober wird der Tank gereinigt. Ein TÜV-Sachverständiger muss die Materialbeständigkeit von Tank, Schläuchen und Zapfsäulen prüfen. Nach der Befüllung untersucht ein Fachmann, ob alles dicht ist. Solange es kein allgemeines Regelwerk für einen neuen Kraftstoff gebe, setzten die Genehmigungsbehörden die Hürden höher, erklärt Schedel. Der Technische Leiter von A. F. Bauer geht davon aus, dass der Ökodiesel nicht vor dem 21. Oktober an der Landshuter Straße getankt werden kann. Der Liter wird 15 bis 20 Cent mehr kosten als fossiler Diesel.

Genehmigungsbehörde ist die Stadt. Sprecherin Juliane von Roenne-Styra erinnert, der Schutz der Gewässer gehöre zu den verantwortungsvollsten Aufgaben der Gesellschaft und vor allem der Industrie. Bodenverunreinigungen, die die Umwelt oder das Grundwasser schädigen könnten, seien zwingend zu verhindern. Beim Umgang mit wassergefährdenden Stoffen – wie etwa HVO 100 – müsse größte Sorgfalt walten. Das Wasserhaushaltsgesetz schreibe vor, dass Anlagen zum Lagern, Abfüllen oder Umschlagen wassergefährdender Stoffe nur betrieben werden dürften, wenn ihre Eignung von der zuständigen Behörde festgestellt wurde.

Aus altem Speisefett

HVO: Das ist ein erneuerbarer Diesel, der vor allem aus Rest- und Abfallstoffen wie Altspeisefett hergestellt wird. Durch eine katalytische Reaktion mit Wasserstoff werden die Pflanzenöle in Kohlenwasserstoffe umgewandelt und an fossilen Diesel angepasst.

Begriff: HVO bedeutet Hydrotreated Vegetable Oils, also „mit Wasserstoff behandelte Pflanzenöle“.

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