Zwei Damoklesschwerter über Continental – der BMW-Bremsen-Gau und die Abspaltung

Von Christian Eckl · 25. September 2024 um 12:14

Der Continental-CEO Nikolai Setzer äußert sich zu möglicher Abspaltung und dem Bremsen-Gate bei BMW. Betroffen ist in mehrfacher Hinsicht auch Regensburg. Die IG Metall fordert eine „solide Kapitalausstattung“, sollte es zu einer Abspaltung kommen. Das sind die Ansagen des Conti-Chefs.

Es brennt unterm Dach bei Continental. Ob das Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (Montag) als Befreiungsschlag gedacht war? Sicher ist: Continental-CEO Nikolai Setzer hat darin zwei heiße Eisen angesprochen, die den Standort in Regensburg unmittelbar betreffen: Zum einen eine mögliche Abspaltung der Automotive-Sparte, in der in Regensburg 4500 Mitarbeiter tätig sind. Zum anderen den Rückruf von Fahrzeugen bei BMW, den bei Conti hergestellte Bremssysteme verursacht haben.

„Wir haben Rückstellungen im mittleren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich gebildet und gehen derzeit davon aus, dass dies für den Gewährleistungsfall reichen wird“, so Setzer zum Fall der BMW-Bremsen. „Auf Basis der schon getauschten Systeme und unseres aktuellen Erkenntnisstands rechnen wir damit, dass nur ein geringer Anteil der ausgelieferten Bremssysteme betroffen ist.“ Die FAZ-Redakteure weisen darauf hin, dass BMW selbst von einem Schaden im Bereich eines dreistelligen Millionenbetrags spreche. Setzer entgegnet, mit „unseren ergriffenen Maßnahmen können Fahrzeuge mit Bremsen auf dem technisch aktuellen Stand ausgeliefert werden“. Und weiter: „Alles andere klären wir mit BMW.“

Continental: Abspaltung der Automotive-Sparte ein „wichtiger Schritt“

Setzer macht in dem Gespräch deutlich, dass es ihm ernst ist mit der Abspaltung. „Der Spin-off, also die Abspaltung unserer Automotive-Sparte, ist ein wichtiger Schritt. Ich bin zuversichtlich, dass wir

diesen wie geplant bis Ende des kommenden Jahres umsetzen können“, sagte der Conti-CEO.

„Der Spin-Off betrifft die Beschäftigten in Regensburg direkt und unmittelbar“, sagt Rico Irmischer, Erster Bevollmächtigter der IG Metall in Regensburg. Regensburg sei nach Hannover der größte Automotive-Standort Deutschlands, und daher sei die Entscheidung für den Spin-Off besonders brisant. Irmischer betrachtet diesen Schritt als möglichen „Befreiungsschlag“ für den Automotive-Bereich von Continental, nach vielen vorherigen Umbaumaßnahmen vielleicht sogar als letztes Mittel, um dem Unternehmen eine sichere Zukunft zu geben.

Ist Continental in der Lage, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu etablieren?

Ob dieser Plan jedoch erfolgreich sein wird, hänge maßgeblich davon ab, ob Continental in der Lage sei, ein funktionierendes Geschäftsmodell zu etablieren und eine solide Kapitalausstattung zu sichern, so Irmischer weiter. Eine eigenständige Automotive-Gesellschaft müsse schließlich in der Lage sein, kräftig zu investieren – nicht nur in innovative, absatzstarke Produkte, sondern auch in tarifgebundene Arbeitsplätze, die den Beschäftigten Sicherheit bieten.

Er betont außerdem, dass die Last der bisherigen Transformation in erster Linie von den Beschäftigten getragen worden sei. „Seit Beginn des Konzernumbaus waren es vor allem die Mitarbeitenden, die die Konsequenzen zu spüren bekamen“, erklärt Irmischer. Diese seien durch Abbauprogramme, Umstrukturierungen und Einbußen in der Tarifvergütung stark belastet worden. Hinzu komme die anhaltende Unsicherheit, ob das nächste Sparprogramm den eigenen Arbeitsplatz gefährden werde.