BMW ruft 1,5 Millionen Autos zurück: So sind die bayerischen Werke von BMW betroffen

BMW ruft 1,5 Millionen Fahrzeuge aus fast allen Modellreihen zurück in die Werkstätten bzw. liefert sie als Neuwagen nicht aus. Grund dafür sind Probleme mit dem Integrierten Bremssystem (IBS). Wie unsere Zeitung aus gut informierten Kreisen erfuhr, werden zur Fehlerbehebung auch Werke vorübergehend geschlossen.
In Dingolfing soll demnach die herkömmliche Autoproduktion für zwei Tage ruhen, Regensburg soll unseren Informationen zufolge nicht betroffen sein.
BMW geht von „zusätzlichen Gewährleistungskosten in dreistelliger Millionenhöhe“ aus. Hinzu kommt eine gebremste Nachfrage nach den Autos aus Bayern in China, die trotz der Stützungsmaßnahmen der Regierung nicht angekurbelt werden könne. Das zusammen veranlasste das Unternehmen gestern dazu, seine Jahresprognose für 2024 nach unten zu korrigieren. Statt einer Marge von acht bis zehn Prozent im Segment Automobile geht BMW nun noch von sechs bis sieben Prozent aus. Bei den Auslieferungen erwartet der Autobauer einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Eine ähnliche Tendenz verkündete BMW gestern auch für seine Sparte Motorräder. Auch hier schwächelt die Nachfrage vor allem in China und den USA.
Anpassung der Produktion in Dingolfing
Weil Luxus in China weniger gut läuft und bedingt durch die Ausliefersperren ist das Dingolfinger BMW-Werk betroffen. Es werde deshalb „Anpassungen des Produktionsvolumens“ geben, so Sprecher Julian Friedrich gestern, bei Bedarf würden „einzelne Schichten reduziert“, so Friedrich. Anders in Regensburg. Hier bestätigt Sprecherin Saskia Graser, die Volumensituation sei „derzeit stabil“ und die Nachfrage nach den Regensburger Modellen X1 und X2 „weiterhin hoch“. Besagte Bremsanlagen werden in diese Modelle übrigens nicht verbraut, weshalb es in der Oberpfalz auch keine Ausliefersperren gibt.
Insgesamt sind 1,5 Millionen Autos aller Reihen, Antriebsarten und Marken vom Rückruf betroffen bzw. werden nicht ausgeliefert. Das ist eine beträchtliche Anzahl angesichts einer Jahresproduktion von 2,55 Millionen Fahrzeuge weltweit (2023). Der Großteil der Autos, die in die Werkstätten sollen, ist einer Sprecherin zufolge bereits an die Kunden ausgeliefert. Rund 320 000 Autos stehen noch in den Produktionsstätten. Zehn BMW-Modelle, darunter die neue 5er und 7er Limousine und der neue 5er Touring sowie zwei Mini-Modelle und der Rolls-Royce Spectre stehen auf der veröffentlichten Liste der Rückrufe.
Entdeckt wurde das Problem beim Bremssystem einer BMW-Sprecherin zufolge bereits im Juni 2022. Damals war man von nur einigen betroffenen Bremsanlagen ausgegangen. Hersteller bzw. Zulieferer ist nicht offiziell bestätigten Angaben zufolge Conti. BMW startete bereits im April und noch einmal im August wegen des Bremssystems IBS Rückrufaktionen bzw. schickte über die Bordcomputer entsprechende Mitteilungen an die Fahrer.
Problem stammt von der Halbleiterkrise 2022
In Fachkreisen geht man davon aus, dass das Qualitätsproblem im Bremssystem Folge der Halbleiterkrise von 2022 ist. Als die Teile knapp waren, waren unter Umständen nicht zertifizierte Chips verbaut worden, erfuhr unsere Zeitung. Das führte dazu, dass das Anti-Blockier-System (ABS) und die dynamische Stabilitätskontrolle (DSC) ausfallen könnten, ein Defekt, der laut BMW-Sprecherin bei einer internen Qualitätsprüfung entdeckt wurde.
Tatsächlich betroffen seien der Sprecherin zufolge etwa drei bis fünf Prozent jener 1,5 Millionen BMW, Mini sowie eines Rolls-Royce-Modells. Betont wird aber ausdrücklich, dass „nicht die Gefahr besteht, dass die Bremsen versagen könnten“. Die Bremsanlage an sich funktioniere. Der Rückruf betrifft Neufahrzeuge.
Die Börse reagierte nervös auf die Nachrichten aus München, der Kurs der BMW-Aktie brach gestern um fast neun Prozent auf 70,74 Euro ein.