Die Geschichte vom teuren Wäscheautomaten und fehlender Klinikkleidung in Cham

Wenn man zum Lachen in den Keller gehen will, darf man das nicht bei den Sana Kliniken in Cham tun. Denn dort ist es allen Beteiligten vergangen. Der Grund ist eine Mischung aus einem sündteueren Wäscheautomaten, technischen Problemen und einigen Mitarbeitern, die das System sprengen.
Das Grundproblem regt die Sana-Bediensteten schon lange auf: Es gibt Ärger mit der Dienstkleidung. Sie ist zu wenig, sagen die Mitarbeiter. Es wäre genug vorhanden, wenn alle sich an die Vorgaben halten würden, sagt die Geschäftsführung.
Der verflixte Spalt
Nun hat Sana 100 000 Euro investiert, um die Sache endgültig aus der Welt zu schaffen. „Klappt überall, nur bei uns nicht“, sagt Geschäftsführer Dr. Thomas Koch. Die Stellvertretende Pflegedienstleiterin Agnes Kreis hat regelmäßig die Beschwerde-Meldungen auf ihrem PC, wenn das System falsch registriert, oder jemand den Notknopf gedrückt hat. Sie erzählt, dass es vor allem am Anfang Probleme mit der älteren Dienstkleidung gegeben habe, die zu Fehlregistrierungen führten.
Dabei hört sich alles so einfach an: Der Mitarbeiter hat einen Chip, registriert sich damit am Einwurfschacht, und wirft dort zwei Wäschestücke ein. Die werden gescannt – wenn er trifft. Am Anfang gab es einen kleinen Spalt im System. Wenn jemand da reintraf, dann durfte er nicht in den Raum mit der frischen Wäsche. Das System ging davon aus, dass er nichts eingeworfen hatte. „Das haben wir aber inzwischen beseitigt“, sagt Kreis.
Und dann fehlt die Wäsche
Also geht der Mitarbeiter jetzt bestenfalls mit zwei Wäschestücken als Guthaben durch die Drehtür, wo er sich wieder mit dem Chip Zugang verschafft hat. Dort nimmt er die frische Wäsche und geht wieder...
Falls Wäsche da ist. Denn – und das beklagen die Mitarbeiter – von den gängigen Größen gibt es zu wenig. Eigentlich nicht, sagt Dr. Koch. Denn manche Mitarbeiter sprengen offensichtlich das System. Wenn man sich nämlich mit dem Wäschescanner in die Mitte eines Raumes mit Mitarbeiter-Spinden stellt, dann weiß man zwar nicht, wer wie viel Wäsche in welchem Spind hat, aber man bekommt angezeigt, wie viel Wäschestücke in diesem Raum sind: Im Durchschnitt 5,5 Wäschestücke pro Spind. Zu viel, sagt die Geschäftsführung. Und wenn man davon ausgeht, dass rund 250 Mitarbeiter im Dienst sind, die nachweislich nicht nackt durch die Flure laufen, dann ist der Schnitt sogar noch höher.
Es wird gehortet
Der zulässige Rückschluss: Es wird gehortet! Und nicht nur das. Manche Mitarbeiter haben entweder in Notwehr (weil die alte Wäsche nicht registriert worden war) oder aus Findigkeit herausbekommen, dass man nicht registriert wird, wenn man Wäsche durch den Schlitz über der Drehtüre in den Vorraum wirft. So kann man sich auch den Rest der Woche genug Wäsche sichern, falls nicht genug da ist.
Andere haben festgestellt, dass es auch funktioniert, wenn man die frische Dienstkleidung aus dem Fenster im hinteren Teil des Wäscheraumes auf das Vordach wirft, dann rausgeht, und sich die Wäsche durchs Fenster neben dem Abwurfschacht wieder holt.
Das führt dazu, dass die anderen noch weniger Wäsche haben. Außerdem könnte man sich dadurch verraten, dass man durch das Vordach bricht, das für ein Betreten statisch gar nicht ausgelegt ist. Aber die Notaufnahme ist ja nur um die Ecke.
Nun hat die Geschäftsführung eine technische Lösung für den Schlitz über der Drehtüre bestellt und die Fenster versperrt. Und mehrere Sätze neuer Wäsche bestellt. Wenn jetzt noch Technik und Mitarbeiter mitspielen...