Vom Mesnerdienst ins Priesterseminar: Rodinger verwirklicht seinen lang gehegten Wunsch

Von Bastian Schreiner · 24. September 2024 um 15:30

Für manchen Kirchgänger ist es eine große Überraschung, für viele hingegen eine logische Konsequenz: Der Rodinger Mesner Alexander Gabler gibt seinen Beruf auf und tritt ins Priesterseminar ein. Über vier Jahre erledigte er die Reihe an Aufgaben in der Pfarrkirche und am Heilbrünnl mit voller Hingabe. Nun will sich der 26-Jährige seinen über lange Zeit gereiften Wunsch erfüllen, einmal selbst am Altar zu stehen.

Wenige Tage vor der letzten Messe – Gabler beendet seinen Dienst zum 30. September – überwiegt die Vorfreude auf den neuen Lebensabschnitt. Bereits am 4. Oktober wird er sein Zimmer im Priesterseminar in Regensburg beziehen. Möglich macht den Schritt das Rudolphinum, das im Gegensatz zur Universität kein Abitur voraussetzt. Das Institut eröffnet Bewerbern ohne Abitur den Weg zum Priestertum.

Beim Blick zurück schwingt aber auch etwas Wehmut mit. Schließlich machte Alexander Gabler der Job als Mesner viel Spaß. Schon als Bub hat er in Trasching seine Oma immer unterstützt. Franziska Gabler war bis ins hohe Alter in der Expositurkirche als Mesnerin im Einsatz. „Meine Oma war mein großes Vorbild“, sagt er. Nach und nach machte er sich mit den Abläufen im Gotteshaus vertraut, 2016 übernahm er das Mesneramt, das quasi zur Familie gehörte. Und nachdem Hubert Pusl in Roding in den Ruhestand ging, bewarb sich der Traschinger für die Vollzeitstelle. Er kündigte seinen Beruf als Straßenwärter bei der Stadt und traf Anfang 2020 offiziell die Nachfolge an.

Vielfältige Aufgaben

Langweilig wurde Alexander Gabler nie. Vielmehr schätzte er die Abwechslung und Selbstständigkeit. Der Mesner bestellt nicht nur Kerzen, Hostien und Messwein. Er sperrt die Kirche auf und zu, bereitet sämtliche Gottesdienste vor und räumt danach auf, besorgt den Blumenschmuck, hat ein Auge auf den Schriftenstand, kümmert sich um Winterdienst und Kirchenwäsche, zahlt die Kollekte ein und ist Ansprechpartner für die Ministranten. „Viele Dinge laufen hinter den Kulissen“, weiß der 26-Jährige. Ist eine Wallfahrt am Heilbrünnl, ist der Mesner vor Ort, wird kurzfristig eine Beerdigung angesetzt, ist der Mesner vor Ort, kommen Handwerker in die Kirche, ist der Mesner vor Ort.

„Auf die Stunden habe ich nie geschaut“, sagt Gabler. Der Umfang des Dienstes sei eben abhängig von der Gewissenhaftigkeit, die man selbst an den Tag legt. „Viele Kleinigkeiten machen auch Arbeit“, ergänzt er. Wichtig war ihm stets die Sauberkeit, auch wenn die gründliche Reinigung der Stadtpfarrkirche schon mal vier bis sechs Stunden in Anspruch nimmt. In Erinnerung wird den Rodingern auch der üppige Kirchenschmuck bleiben. Neben einem Meer an Christsternen um den Alter sorgte jedes Jahr ein prächtiger Christbaum, der mit unzähligen Lichtern, Kugeln und Strohsternen geschmückt war, für Aufsehen. „Die Sakristei kann man mit der Küche vergleichen, das Gotteshaus mit dem Wohnzimmer“, so Gabler. Apropos Sakristei: Deren Neubau bescherte ihm zwischen 2020 und 2022 mit der Betreuung der Handwerker eine weitere Aufgabe.

Zusätzlich ist Alexander Gabler stellvertretender Pfarrgemeinderatssprecher, Lektor und Kommunionhelfer in Roding, in Trasching ist er Kirchenpfleger und im Sachausschuss. Die Mesnerstelle teilt er sich mit seinem Vater. Einige Ämter will Alexander Gabler auch künftig noch bekleiden, denn gerade der Kontakt zu seiner Heimat soll auch während seiner Zeit im Priesterseminar nicht abreißen. In Trasching will er an den Wochenende leben, wenn in Regensburg keine Präsenztermine anstehen.

Kein Schlüsselmoment

Während seiner Tätigkeit als Mesner, die ihn vor allem an Festtagen und Wochenende forderte, bei der er aber auch viele Freiheiten genoss, sei ihm der Gedanke ans Priestertum immer wieder in den Sinn gekommen. „Der Wunsch ist schon länger da, schon einige Jahre“, sagt Gabler. Es habe keinen Schlüsselmoment gegeben, auch kein besonderes Ereignis. „Ich bin mittendrin im kirchlichen Kontext, ich kann mir das einfach gut vorstellen“, sagt er.

Diese ist bereits im März 2023 gefallen. Zuvor hat er befreundete Geistliche in seine Pläne eingeweiht. Für diese ehrlichen Gespräche ist er sehr dankbar. „Der Zeitpunkt war bewusst gewählt, damit ich die Hochfeste wie Weihnachten und Ostern ein letztes Mal mit der Gemeinde feiern kann“, erzählt der 26-Jährige. Im Januar 2024 hat er schließlich seiner Familie den Entschluss überbracht, ihn aber ansonsten weiter geheim gehalten. Im Juli schickte er nötige Unterlagen nach Regensburg, im August kam die schriftliche Zusage für das Studium am Rudolphinum. Daraufhin reichte Gabler fristgerecht seine Kündigung ein. Einarbeiten kann er seinen Nachfolger nun nicht mehr, steht ihm bei Fragen aber zur Verfügung.

Während die Familie zunächst etwas skeptisch war, unterstützt sie das Vorhaben nun voll. Für Freunde war sein Schritt keine große Überraschung. Alexander Gabler startet übrigens mit einem sogenanntem Propädeutikum, ein Jahr, in dem sich Bewerber intensiv mit ihrem Wunsch, Priester zu werden, auseinandersetzen sollen. Auf dem Stundenplan stehen aber auch Deutsch, Latein und Kirchengeschichte. Das Studium umfasst wie das Universitätsstudium zehn Semester und orientiert sich dessen Stundenumfang und Fächerkanon.

Läuft alles nach Plan, so Gabler, sei die Diakonenweihe im Dezember 2030 sowie die Priesterweihe im Juni 2031 sein Ziel. Für Trasching wäre dies ein großer Festtag, liegt die letzte Primiz von Monsignore Bernhard Piendl doch schon 45 Jahre zurück.

Die letzten Tage als Mesner in Roding will Alexander Gabler noch genauso engagiert wie in den Monaten zuvor absolvieren, bis er am Montagabend zum letzten Mal die Türen der Pfarrkirche abschließt. „Denn der Job war ein wichtiges Teilstück für meine Entscheidung“, ist er überzeugt.

In ein paar Jahren will sich Alexander Gabler selbst edle Priestergewänder überstreifen und Gottesdienste feiern. Foto: Bastian Schreiner