„Hier passt es einfach“ – Pfarradministrator Andreas Schinko fühlt sich wohl in Herz Jesu Schwandorf

Er hat der Pfarrei Herz Jesu neues Leben eingehaucht: Pfarradministrator Andreas Schinko (39). Vor fünf Jahren ist er als jüngster Pfarrer ins Stadtgebiet gekommen. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über den Kirchenbesuch, Bauprojekte und seine persönlichen Erwartungen.
Herr Pfarrer, seit fünf Jahren wirken Sie nun schon als Seelsorger in der Großen Kreisstadt. Was hat Sie in dieser Zeit am meisten überrascht?
Andreas Schinko: Besonders angetan bin ich von den treuen Seelen in unserer Pfarrei. Sie sind einfach immer da, wenn man sie braucht. Sie nehmen mir auch Fehler nicht krumm und akzeptieren mich, wie ich bin. Die Menschen hier bringen mir großes Vertrauen und Wohlwollen entgegen. Das war ich so nicht gewohnt. Hier in Herz Jesu passt es einfach.
Sie sind bestimmt mit gewissen Erwartungen nach Schwandorf gekommen: Erwartungen an Ihren neuen Einsatzort und vielleicht auch an Ihre eigene Person.
Schinko: Das stimmt. Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass man noch viel weniger ändern kann, als man meint. Am Anfang meiner Zeit in Schwandorf wurde ich von Corona ausgebremst. Ich war ein knappes halbes Jahr da, als erst Mal gar nichts mehr ging. Das wurmte mich. Ich hatte nämlich das Gefühl, dass wir als Pfarrei auf einem aufsteigenden Ast waren. Wir haben ja auch Neues versucht. Nach der Pandemie stellte ich dann schnell fest, wie viel Arbeit der Alltag macht. Ein Arbeitstag ist durch die vielen Termine schnell voll.
Natürlich wünscht sich jeder neue Pfarrer, dass er die Kirche füllen kann. Aber es geht mehr darum, diejenigen, die regelmäßig zum Gottesdienst kommen, bei der Stange zu halten. Und gleichzeitig diejenigen, die nur sporadisch auftauchen, zu begeistern. Die wichtigste Aufgabe ist es, positiv den Glauben zu verkünden. Das darf auch mal lustig sein. Ich glaube, dass die lustigste Sakristei im Stadtgebiet in Herz Jesu zu finden ist.
Sie haben gerade den Kirchenbesuch angesprochen. Sind Sie mit diesem zufrieden?
Schinko: Ein Pfarrer, der mit seinem Kirchenbesuch zufrieden ist, lügt. Bei der letzten Kirchenbesucherzählung waren wir überdurchschnittlich gut im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Fünf Prozent unserer Pfarreimitglieder, das sind übrigens knapp 3000 Katholiken, waren im Gottesdienst. Man kann die Zahl der Messgänger leider im Vorfeld nicht abschätzen. Oft ist bei ganz normalen Gottesdiensten die Kirche voll. Und bei Messfeiern, die zum Beispiel besonders musikalisch gestaltet werden, fehlen dann die Leute. Aber ganz klar: Ich freue mich über jeden, der vorbeischaut.
Neue Ehrenamtliche zu finden, ist schwierig
Kirche lebt ja auch vom Ehrenamt. Gibt es in Ihrer Pfarrei genügend Ehrenamtliche?
Schinko: Neue Ehrenamtliche zu finden, ist schwierig. Auch ist es eine Herausforderung, sie länger an uns zu binden. Das stellt zum Beispiel auch unser Kirchenmusiker Volker Droge fest. Für einmalige Auftritte findet er leichter Sänger als für die regelmäßigen Proben. Dennoch: Für unser Ehrenamtsessen konnten wir fast 100 Einladungen versenden. Gerade stehen wir übrigens vor der Kirchenverwaltungswahl. Sie findet am 24. November statt.
Und haben Sie dafür schon genügend Kandidaten?
Schinko: Leider noch nicht. Wir sind noch auf der Suche. In der Kirchenverwaltung geht es vor allem um Gebäude und Finanzen. Einmal im Monat ist Sitzung. Neue Mitglieder haben es leicht. Viele Baustellen haben wir schon abgehakt.
Das ist zum Beispiel der vollzogene Verkauf des Piusheims. Rückblickend betrachtet: Eine Entscheidung, mit der Sie glücklich sind?
Schinko: Jeder Pfarrer zieht die berühmte A-Karte, wenn er sein Pfarrheim verkaufen muss. Ich habe das Piusheim jedoch nicht als aktives Pfarrheim kennengelernt. Nur noch ein Raum, nämlich die alte Bücherei, wurde von der Pfarrei genutzt. Im Hinblick auf die Zusammenlegung der Pfarreien war das Piusheim einfach zu groß. Mit dem Käufer, der Horsch Stiftung, sind wir sehr gut gefahren. Das sind sehr engagierte Leute, die zudem sehr gläubig sind.
Für Ihre Pfarrei gibt es dennoch eine Perspektive, was das Feiern angeht: Der Lukasraum gleich neben der Kirche wird gerade erweitert. Ab wann können dort die ersten Veranstaltungen stattfinden?
Schinko: Ende Oktober sollten die Arbeiten abgeschlossen sein. Ich freue mich schon auf das Neue!
Ein Großprojekt ist die Sanierung der Pfarrkirche. Wie sieht es hier aus?
Schinko: Die Maßnahme ist unumgänglich. Die letzte Außenrenovierung war 1977, die letzte Innenrenovierung Ende der 80er Jahre. Es geht nicht nur um die Optik, sondern vor allem um die Sub-stanz. Man merkt der Kirche einfach mittlerweile ihr Alter an. Wir haben mit der Maßnahme schon begonnen und in einem ersten Schritt nach einem Schädlingsbefall den Dachstuhl begast. Nächstes Jahr wollen wir mit der Außenrenovierung starten. In den Jahren 2026/27 soll die Innenrenovierung erfolgen – auch um die Technik auf den Stand der Zeit zu bringen. Einen Gesamtpreis für alle Maßnahmen gibt es noch nicht. Mit dem Verkauf des Piusheims hatten wir natürlich Einnahmen, aber die werden nicht reichen. Derzeit haben wir einen Spendenstand von 20 000 Euro. Wir sind noch auf weitere Unterstützung angewiesen.
Pfarradministrator Schinko will gerne noch länger in Schwandorf bleiben
Sie waren kürzlich in Israel. Was haben Sie dort erlebt?
Schinko: Ich musste feststellen, dass in den deutschen Medien darüber mehr Panik verbreitet wird, als man vor Ort wahrnehmen kann. Ich war die meiste Zeit in Jerusalem. Kein einziges Mal war dort Alarm. Es war wirklich entspannt, gleichzeitig waren nach all den Nachrichten nur wenige Touristen unterwegs. Für meine Pilgerreise war das ideal. Am Heiligen Grab musste ich nur eine halbe Minute anstehen. Für meinen Glauben war es eine sehr wertvolle Reise. Ich hatte Zeit, mir alles in meinem Tempo anzusehen und gute Gespräche zu führen.
Sie sind jetzt seit fünf Jahren in Schwandorf. Normalerweise bleiben Pfarrer zehn bis 15 Jahre an einem Ort. Wie planen Sie Ihre Zukunft?
Schinko: Ich habe nicht vor, in absehbarer Zeit zu gehen. Ich fühle mich wohl in der Stadt. Ich möchte noch mindestens fünf weitere Jahre hier sein, gerne aber auch länger.
