Fastenessen in Schwandorfer Pfarrei: In doppeltem Sinne eine rührende Angelegenheit

Fröhliches Lachen erklingt an diesem Samstagvormittag aus dem Lukasraum des Pfarrheims der Herz Jesu-Kirche in Schwandorf. Eine kleine Gruppe von Ehrenamtlichen hat sich eingefunden, um eine Fastensuppe für den Sonntag zuzubereiten, darunter auch Pfarrer Andreas Schinko – an diesem Tag allerdings als Küchenhelfer und nicht als katholischer Würdenträger.
Die Stimmung ist sehr gut, während alle am Tisch gemeinsam Gemüse schnippeln. Mesnerin Sigrid Gradl hat ihre Blicke überall, gibt hier freundlich Anweisungen und da Tipps, und Pfarrer Schinko bemerkt, jetzt wüsste er auch, warum bei ihm daheim das Schneiden so schwer ginge. Seine Messer seien einfach viel stumpfer als diese hier. Witze werden erzählt und von lustigen Kocherfahrungen berichtet. Oder sogar Heilige zitiert: „Teresa von Avila sagte: Gott ist auch zwischen den Kochtöpfen“, weiß Schinko.
Sigrid Gradl ist allen eine große Hilfe. Sie ist gelernte Köchin, obwohl es eigentlich nicht ihr Traumberuf war. „Meine Mutter war schon Köchin und der Vater entschied, das soll ich auch werden“, erzählt die 54-Jährige, die seit 21 Jahren im Pfarrgemeinderat ist. Also erlernte sie den Beruf in einem Regensburger Hotel.
Seit fünf Jahren Mesnerin mit Leib und Seele
Später jedoch habe sie den Kochlöffel „an den Nagel gehängt“ und nun ihre eigentliche Berufung gefunden: Sie ist seit fast fünf Jahren Mesnerin, und das mit Herz und Seele. Der Glaube habe immer eine große Rolle in ihrem Leben gespielt, und nun, da die drei Kinder erwachsen sind, hat sie für diesen Dienst in der Kirche, der doch auch oft am Wochenende und abends ist, mehr Zeit.
An diesem Samstag jedoch braucht man ihre Kochkünste. Im vergangenen Jahr führte man die Fastensuppenaktion erstmals mit großem Erfolg durch, und der gesamte Erlös wurde an ein Misereor-Krankenhausprojekt in Afrika gespendet. Natürlich soll das auch heuer so gehandhabt werden, erzählt man, während der Berg an Gemüse auf den Tellern immer größer wird.
Mit dem Fensterputzen hat es der Pfarrer nicht so sehr
Er selbst sei das Kochen ja gewöhnt, sagt Schinko. Denn eine Pfarrhaushälterin hat der Geistliche nicht, und daher mache er alles selbst: Kochen, Waschen, Putzen, Bügeln. Am wenigsten könne er Fensterputzen leiden, gibt er auf Nachfrage zu, hält kurz inne und überlegt. „Ich glaube, ich habe sie vor zwei Jahren das letzte Mal geputzt“. Kochen, das ginge ganz gut, in der Realschule hatte er Hauswirtschaftslehre als Schulfach und bekam aber „nur“ eine Zwei Minus, weil er angeblich zu viel Essig im Salat verwendete. „Dabei mag ich es so. Ich liebe Essig“, verrät Schinko. Am besten würden ihm allerdings Böhmische Knödel gelingen. Nur das schöne Anrichten, das sei bei seinen Gerichten verbesserungswürdig, räumt er ein.
Aber das wird heute nicht verlangt. Ohnehin sei der Beruf der Pfarrhaushälterin eine „aussterbende Zunft“, erklärt der Geistliche, der seit September 2019 der Pfarrei vorsteht. „Selbst mein früherer Chef hatte nur eine Zu- und Weggehfrau, wie er sie betitelte.“ Und Papst Franziskus, so weiß Elli Rees, die gerade Karotten schneidet, habe schließlich noch als hoher Würdenträger in seinem Haushalt auch alles selbst gemacht. „Die Schwestern sind zum Beten da, hat der Papst gesagt“, ergänzt Schinko und blinzelt vom Zwiebelschneiden.
Hilft Orgelspielen auch in der Küche?
Die Rollenverteilung löst sich also doch selbst in der Kirche langsam auf. Und gemeinsam kochen mache ohnehin viel mehr Spaß als alleine, betonen auch Georg Lippert, Simon Kiener und Kirchenmusiker Volker Droge – Letzterer, so scherzen alle anderen, habe ja vom Orgelspielen flotte Finger und schneide daher besonders schnell.
Nach und nach werden die zwei großen Töpfe voll. Darin befinden sich Zwiebeln, Kartoffeln, Karotten, Brokkoli, Blumenkohl und Lauch. Zuerst habe sie Brühe aufgesetzt, erklärt Gradl, und das Gemüse nach der jeweiligen Garzeit hinzugefügt. 25 Minuten lang wird die Suppe gekocht und dann mit Salz, Pfeffer, Brühe und Paprika abgeschmeckt – Letzteres sorge für eine schöne Farbe. Eine „rührende Angelegenheit“ sei das, scherzt Schinko, während Gradl eifrig im großen Topf rührt, und er hat noch ein Sprichwort parat. „Glaube geht durch den Magen“, sagt er, und zur Reporterin: „Wäre das nicht eine schöne Überschrift?“
30 Liter köstliche Suppe vorbereitet
Für die Gäste am Sonntag, geschätzt etwa 70 Personen, waren am Ende 30 Liter köstliche Suppe vorbereitet. Wer wollte, konnte die Suppe mit Wiener essen, oder eben die vegetarische Variante. „Ich werde nur Würstchen essen“, verkündete die vierjährige Bernadette bereits am Samstag. Die Suppe hat ihr dann am Sonntag doch sehr geschmeckt, wie allen anderen Gästen.
Das gemeinsame Essen sei am schönsten, sind alle der Meinung. In vielen Familien, so erfährt Schinko immer wieder in seiner Pfarrei oder beim Religionsunterricht, würde auf gemeinsame Mahlzeiten nicht mehr viel Wert gelegt. Dabei kämen doch oft nur zu dieser Gelegenheit alle zusammen. „Auch das letzte Abendmahl ist doch eine wichtige Begebenheit in der Bibel – wenn auch keine schöne“, bemerkt Gradl.
Willkommene Gelegenheit zum Ratsch
Das Fastensuppenessen war tatsächlich am Sonntag eine gute Gelegenheit für Gespräche. Niemand musste allein essen, wie es bei vielen Menschen heute der Fall ist. Denn Einsamkeit, so sagt der Pfarrer, sei immer mehr ein Thema, auch in seiner Gemeinde, und nach der Pandemie noch mehr. Es brauche Ehrenamtliche wie die Pfarrgemeinderatsmitglieder, die sich Aktionen wie die Fastensuppe einfallen lassen. Hier werden nicht nur Spenden gesammelt, sondern auch Menschen vereint.
Sehr wichtig war am Sonntag auch das Dankgebet für die Suppe. Denn das Danken, sagt Gradl, komme ebenfalls zu kurz. Dabei gebe es doch so vieles in unserem Leben, für das man dankbar sein sollte.

