Große Ehre: Lamer Pferdenarr fährt die Kutsche der Festwirt-Familie Schottenhamel

Wenn am Samstag das Oktoberfest startet, dann sind zwei mit dabei, die in Furth im Wald im Landkreis Cham jeder kennt: Michael Seidl, der für die Kutschen-Action beim Drachenstich sorgt, und Bürgermeister Sandro Bauer.
Anton ist der Erste, der einen begrüßt, wenn man auf das Grundstück von Michael Seidl in Lam fährt. Der pechschwarze Vierbeiner ist beinahe so groß wie ein Kalb und ausnehmend freundlich. Freundlich ist auch sein Herrchen, der in seiner Garage steht und eine himmelblaue Kutsche begutachtet. Die ist nagelneu, wurde von der Familie Schottenhamel, die das gleichnamige Zelt auf der Wiesn betreibt, in Auftrag gegeben und nach Lam gebracht. „Seit vier Wochen steht das Prachtstück hier, heute wollen wir sie mal einspannen und ausprobieren“, sagt der Pferdenarr.
Tradition seit 2008
Heute, das ist im konkreten Fall eine Woche vor Oktoberfeststart. Seit 2017 sitzt Michael Seidl, der mit seinen Kollegen, Pferden und Kutschen für die spektakulären Aktionen beim Drachenstich sorgt, auf dem Kutschbock der Familie Schottenhamel.
Auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter, der später das erste Fass im Schottenhamelzelt anstechen wird, nimmt mit Gattin in der Kutsche Platz. Seidl bringt die Münchner Promis im Festzug sicher zum Schottenhamelzelt. Wie kommt man denn zu dieser großen Ehre? „Mit Vitamin B“, sagt Seidl und lacht.
Ab 2008 bis 2016 haben er und sein Team erst die Kutsche des Hippodroms gefahren und nach dessen Aus auf der Theresienwiese, die des Zeltes Marstall. „2017 habe ich durch einen Bekannten erfahren, dass der Posten bei der Familie Schottenhamel frei ist.“ Und weil der Lamer als besonders zuverlässig gilt, durfte er die Aufgabe übernehmen.
Während er erzählt, dass die Kutsche ein Vierspänner ist und „Break“ heißt, fährt Matthias Brandl auf den Hof. In seinem Hänger warten der elfjährige Schani und sein siebenjähriger Kollege Sierra Madre auf ihren Einsatz. Die beiden süddeutschen Kaltblüter sind wahre Kolosse, können bis zu 900 Kilo wiegen. Dem entgegengesetzt ist ihr Wesen.
Mit großer Langmut lassen sie sich das Geschirr anlegen und vor die Kutsche spannen. Dann kommt der Auftritt von Valentino (zwölf) und Doornkaat. Der Fünfjährige ist der Chef des Viererteams, steht aus Seidls Sicht von der Kutsche vorne links. „Er ist der Leithengst, auf ihn kann ich mich am meisten verlassen.“
Bürgermeister Sandro Bauer kommt vorbei. Er wird am Samstag ebenfalls dabei sein, wenn der Tross um vier Uhr morgens los fährt. Davor werden die Pferde von Brandl und Seidl um zwei Uhr morgens schon gefüttert. „Um circa 6.30 Uhr sind wir bei der Spatenbrauerei, dann gibt’s im Brauereiturm erst einmal ein Weißwurstfrühstück.“ Ab 8.30 Uhr wird eingespannt und gegen 9.30 Uhr fahren die Waidler los. „Wir stehen mit ganz vorne im Zug, deshalb ist die Abfahrt schon so früh.“ Die Kutsche, die das Jahr über in Lam steht, wird übrigens schon am Donnerstag nach München gebracht. „Damit sie der Gärtner in Ruhe schmücken kann.“
Damit am großen Tag auch alles gut klappt, bitten die Herren ihre Pferde erst einmal zur Anprobe. Lederriemen und -gurte werden angepasst, Doornkaat und die drei anderen Kaltblüter von Brandl und Seidl in Position gebracht. Jeder packt mit an, auch der Further Rathauschef. Er hält Schani in Schach, kitzelt ihm die Nüstern, was dem offensichtlich Spaß macht.
Das Gespann ist beeindruckend, finden auch die Nachbarn, die dem Treiben zuschauen. Immer wieder fahren Autos vorbei, verlangsamen, um einen Blick auf die beeindruckende Szene werfen zu können. Dann ist es so weit: Michael Seidl nimmt die Zügel und setzt sich auf den Kutschbock, neben ihm Sandro Bauer, der heuer mitfahren durfte.
Pferde machen ihre Sache gut
Kein Problem hat der CSU-Mann, dass sein Münchner Kollege Dieter Reiter von der SPD ist. „Darauf können wir keine Rücksicht nehmen“, sagt er und grinst. Es geht los, Probefahrt ist angesagt. Die Laune in der Kutsche ist bestens, die Pferde ziehen gelassen ihre Runde.
Zum Abschied noch ein Klaps für Anton und dann schnell in den Kalender eintragen: Samstag Fernseher einschalten, der Festumzug wird übertragen. Bei der prominenten Fracht wäre es doch ein Wunder, wenn Bauer und Seidl nicht zu sehen sind.




