Reiter und Gespanne geben Festspiel und Historischem Festzug Furth im Wald das gewisse Etwas

Die Tore öffnen sich, Donnerhall in der Arena, die Konstruktion, auf der die Sitzbänke der Zuschauerreihen montiert sind, beginnen zu vibrieren. Es ist der Anfangsauftritt der Kutschen und Pferde, die auch im Fortgang schwierige Aufgaben zu erledigen haben.
Michael Seidl aus Lam leitet zusammen mit seiner Frau Julia die Gruppe der Kutscher: „Ohne uns ging‘s zu Fuß in die Schlacht“, steht auf den offiziellen T-Shirts der Gruppe. Stimmt, und damit würde das Kriegsgeheul der Soldaten weit weniger furchteinflößend wirken. „Sir“ heißt das neunjährige süddeutsche Kaltblut, das im Gespann vorne rechts steht.
Der rund 900 Kilo schwere Koloss ist der Chef unter den beeindruckenden Tieren. „Auf ihn kann ich mich am allermeisten verlassen.“ Gutmütig und nervenstark sind die vierbeinigen Muskelpakete und ab vier oder fünf Jahren kann man sie einsetzen. Sagen können sie es ihm natürlich nicht, aber der 43-Jährige, der in Lam wohnt und zusammen mit seiner Frau insgesamt fünf der gewaltigen Pferde und einen Isländer besitzt, hat schon das Gefühl, dass die Pferde die Auftritte lieben: „Die wollen das, das merkt man, es gefällt ihnen.“
Zurückzuführen sei das auch auf den Arenasand, der speziell für Pferdehufe angefertigt wird. „Die Stadt tut viel, damit sich unsere Pferde wohl fühlen, dafür sind wir dankbar.“
Die Pferde haben Freude
Das mit der Freude, kann Sabrina Wanninger aus Furth im Wald nur bestätigen. Sie selbst hat einen 13-jährigen Schimmel.Galinhola heißt die Lusitano-Stute. „Uns fällt auf, wenn wir das erste Mal im Jahr durch die Arena reiten, wissen sie gleich wieder, worum es geht“, sagt Wanninger und ergänzt: „Galinhola mag das, sie ist schon ein bisschen eitel.“ Trotzdem ist es natürlich viel Arbeit, bis die 14 Reiter ihrer Gruppe soweit sind, dass sie die Arena betreten können. Bei allen Pferden gilt: „Ich bin nicht der Chef, es ist eine Partnerschaft, die auf gegenseitigem Vertrauen basiert“, sagt die 41-Jährige. Kein Wunder, schließlich sind Pferde Fluchttiere. Vertrauen und Verständnis sind da unabdingbar. Von daher wissen die Pferdeprofis ihre Tiere auch genau einzuschätzen. Was für den Zuschauer bedrohlich aussehen mag, ist an sich ganz normal: „Auch wenn immer mal etwas passieren kann, die meisten Reiter haben ihre Vierbeiner unter Kontrolle. Wir sind stolz auf sie.“ Seidl ergänzt: Wenn die Tiere laut Wiehern, als würden sie sich begrüßen, ist das eher Imponiergehabe. „Sind halt Hengste.“
Noch einmal ganz andere Probleme zu bewältigen hat die Gruppe um Dominik Pongratz (31). Zehn Pferde von der Pferdezüchtervereinigung, aus privater Hand und von Reitvereinen bilden den Trupp der „falschen Hussiten“, die auf Geheiß des Chamerauers getarnt Angst und Schrecken verbreiten.
Auch Fußvolk hat der Trupp dabei. „In der Arena ist es eng, die Pferde reiten nicht nur durch, sondern müssen im Gewimmel ruhig bleiben.“ Deswegen bestehen die Fußgänger, die sich zwischen den Pferden bewegen, aus erfahrenen Leuten. Reiter, Pferde und Fußvolk müssen sich aufeinander verlassen können und das Chaos verstehen, bestätigt Pongratz.
Das Ehepaar Seidl und Sabrina Wanninger, die schon seit 2008 dabei sind, sind auch für die 200 Pferde am Historischen Festzug verantwortlich. „Schon im Januar und Februar starten die Vorbereitungen“, sagt Seidl.
Die Herausforderung ist beim Festumzug natürlich noch einmal eine andere. Wanninger gibt deshalb wichtige Sicherheitstipps: Kinder nur dann vorne hinsetzen lassen, wenn sie im Notfall schnell aufspringen können. Bevor man ein Tier anfasst, erst fragen. Nicht hinter dem Pferd vorbei laufen.
Sir und das Oktoberfest
Übrigens: Seidl und seine Kaltblüter gehören durchaus zur Prominenz unter den Gespannen. Seit 2018 ziehen „Sir“ und seine vierbeinigen Kollegen beim Oktoberfestumzug die Schottenhammelkutsche, auf der auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter Platz nimmt. Auch das erste Fass, das der OB ansticht, ist mit auf der Kutsche dabei.

