„Uber ist eine Gefahr“: Regensburgs Taxifahrer bangen um ihre Existenz

War schon mal besser, die Stimmung. Fast zwei Dutzend Taxis parken in Kolonne vor dem Bahnhof. Ihre Fahrer warten auf Kundschaft. Die müssen sie sich seit ein paar Tagen mit einem potenten Mitbewerber teilen: Uber hat Regensburg für sich entdeckt.
„Scheiße“, befindet einer der Taxler ganz unverblümt. Ein anderer wird noch expliziter: „Die sollen sich verpissen“, ruft er durch den Fensterspalt seines Mercedes. Existenzangst treibt die Branche um.
Seit Montag lassen sich in der Uber-App Fahrten in Regensburg buchen. Das Unternehmen mit Hauptsitz in San Francisco zeigt sich hellauf begeistert: „Es war einer der erfolgreichsten Starts unseres Vermittlungsservices in Deutschland“, sagt Sprecher Oliver Fritz auf Nachfrage. Die Zahl der Fahrten steige stetig.
Uber in Regensburg: Preise sind Taxifahrern ein Dorn im Auge
Am Hauptbahnhof hält sich die Begeisterung in Grenzen. Die meisten der Taxifahrer, die am Donnerstag dort warten, wollen sich nicht näher zum neuen Konkurrenten äußern. Anders Sinan Yildirim. Noch spüre er die Konkurrenz nicht, sagt der langjährige Taxifahrer, der seit zwei Jahren selbstständig ist. Yildirim befürchtet, dass ihm und seinen Kollegen 20 Prozent der Kunden wegbrechen. „Uber ist eine Gefahr. Ganz gefährlich.“ Der Unternehmer erklärt das so: Bei geringer Nachfrage fahre Uber unter dem Preis, zu Stoßzeiten „drastisch“ darüber. „Wenn sie sich an die Regeln halten würden, hätte ich nichts gegen Uber.“
Was mit „Regeln“ genau gemeint ist, erklärt Christian Linz, Geschäftsführer vom Landesverband Bayerischer Taxi- und Mietwagenunternehmen. Taxis seien laut Personenbeförderungsgesetz dem ÖPNV zugeordnet. Daher gelte für sie eine Betriebs-, eine Beförderungs- und eine Tarifpflicht. Heißt: Wie viel ein Taxi kostet, ist genau geregelt. Die Fahrer müssen alle Gesuche annehmen, ob eine Strecke nun ökonomisch interessant ist oder nicht. „Das stellt sicher, dass die Oma, die drei Monate auf ihren Facharzttermin gewartet hat, an dem Tag sicher dort hin kommt – und das zu einem vernünftigen Preis“, erklärt Linz. Der Branche sei dadurch ein Korsett angelegt. „Taxis müssen auch an Silvester, wenn das Geschäft brummt, nach Tarif fahren, obwohl sie an diesem Tag viel mehr verdienen könnten.“ Als Gegenbeispiel führt Linz Hotels ins Feld, die ihre Preise an die jeweilige Saison anpassen können.
Uber und seine Freiheiten –„Ist Dult, verdreifacht sich der Preis“
Die Krux mit Uber: Für Mietwagen, wie sie das Unternehmen vermittelt, gelten die Taxi-Pflichten nicht. Wie Yildirim prangert auch Linz das „Spiel mit den Preisen“ an. Uber könne zu normalen Zeiten billigere Fahrten als Taxiunternehmen anbieten. Aber: „Ist Dult, verdreifacht sich der Preis.“ Mietwagen haben Linz zufolge „alle wirtschaftlichen Freiheiten“, können kurze, uninteressante Fahrten ablehnen. „Die Wettbewerbsverhältnisse sind ungleich“, sagt der Landesgeschäftsführer.
Assad Ghorab ist Vorstandsvorsitzender von Taxi Regensburg, einem Zusammenschluss von rund 60 hiesigen Unternehmen. „Wir sind sowieso schon am Rande der Wirtschaftlichkeit“, sagt er – und blickt dementsprechend mit Sorgenfalten auf den neuen Wettbewerber. Uber werde mit Dumpingpreisen versuchen, den Markt für sich zu erschließen, fürchtet Ghorab. Die Erfahrungen aus anderen Städten hätten gezeigt, dass man mit Umsatzrückgängen von „20 bis 30, wenn nicht gar 40 Prozent“ rechnen müsse. Landesverbandschef Linz bestätigt das.
Uber legt in Regensburg los: Taxifahrer behalten sich rechtliche Schritte vor
In Deutschland darf Uber keine privaten Fahrer einsetzen. Das Unternehmen vermittelt Buchungen in erster Linie an lokale Mietwagenunternehmen. Was Linz und Ghorab umtreibt, ist die sogenannte Rückkehrpflicht. Sie gilt für Mietwagen und besagt, dass ein Auto nach einer Fahrt zu seinem Betriebssitz zurückkehren muss – es sei denn, dort ist in der Zwischenzeit eine neue Buchung eingegangen. „Die Autos fahren natürlich nicht zurück, stellen sich in irgendeine Seitenstraße und warten“, sagt Linz. Ghorab bezeichnet das als eklatanten Regelverstoß: „Nur so kann Uber existieren.“ Er wolle niemanden unter Generalverdacht stellen, die Entwicklung aber genau beobachten und im Zweifel rechtliche Schritte einleiten.
In der Uber-App können sich Nutzer auch Fahrten in klassischen Taxis vermitteln lassen. Die Partnerschaften mit lokalen Unternehmen will Uber in Zukunft ausbauen. Ghorab glaubt nicht, dass sich dafür viele Taxler begeistern lassen. Auch Yildirim vom Hauptbahnhof sagt: „Das kommt für mich nicht in Frage.“