Schwarzhofen: Windkraft-Pläne bei Mitterauerbach sorgen weiter für Unmut

Von Andreas Loscher · 20. September 2024 um 11:00

Die Diskussion um die geplante Potenzialfläche für Windkraftanlagen östlich von Mitterauerbach hält weiter an. Auch die Marktgemeinde Schwarzhofen ist mit dem Entwurf des Regionalplans unzufrieden, wie Bürgermeister Maximilian Beer (CSU) erklärte. Das Vorranggebiet würde fast bis an die nächste Wohnbebauung reichen.

„Es hat uns alle etwas überrascht“, gesteht Beer, als er von den neuen Flächenvorschlägen für Windräder in seiner Marktgemeinde erfuhr. Die Diskussion dreht sich um zwei Gebiete: den Haginger Berg südlich von Denglarn unter dem Planungskürzel SAD58, die der Markt selbst vorgeschlagen hatte, und das Gebiet östlich von Mitterauerbach (SAD16), das aber auf Ablehnung seitens der Schwarzhofener stößt. „Wir wollen die Fläche bei Mitterauerbach nicht“, macht Beer deutlich.

200 Hektar des Marktes

Ursprünglich hatte Schwarzhofen dem Planungsverband rund zwei Prozent seiner Fläche, etwa 68 Hektar, als Vorrangfläche für Windenergie am Haginger Berg gemeldet. Diese seien jedoch ohne Rücksprache auf 15 Hektar reduziert worden – laut Beer wegen möglicher Beeinträchtigungen von Schwarzstorch und Uhu. Überraschenderweise sei das Gebiet SAD16 mit 299 Hektar hinzugefügt worden. Ein Großteil davon, etwa 200 Hektar, befinde sich auf dem Gebiet von Schwarzhofen. „Das entspricht nun sechs Prozent unseres Gebietes, eine Belastung, die wir so nicht tragen wollen“, kritisiert der Bürgermeister.

250 Meter hohe Anlagen

Beer zeigt sich deshalb besorgt über den zunehmenden Druck auf die Kommunen seitens des Bundes. „Der Gesetzgeber fordert, dass 1,8 Prozent der Landesfläche als Vorrangfläche für Windenergie ausgewiesen werden. Wenn das nicht klappt, wird die Windkraft privilegiert, was bedeutet, dass theoretisch überall Anlagen gebaut werden könnten, ob sinnvoll oder nicht.“ Für Beer ist das ein Eingriff in die Selbstverwaltung der Kommunen. „Es ist bedenklich, dass Zwang eingesetzt werden soll, wenn Kommunen nicht freiwillig mitspielen.“

Die Fläche SAD58 am Haginger Berg sei dem Planungsverband gemeldet worden, weil sie die geringsten Beeinträchtigungen mit sich gebracht hätte, so Beer. Simulationen hätten gezeigt, dass die gut 250 Meter hohen Anlagen dort unter anderem keinen Schatten auf die Häuser werfen würden. Bei SAD16 würde hingegen entlang des Schwarzachtals gebaut werden und die Windräder kämen der Wohnbebauung sehr nahe.

Beer glaubt, dass der Markt mit der mehr als 200 Hektar großen Fläche bei Mitterauerbach nun dafür herhalten solle, dass in anderen Regionen Bayerns keine geeigneten Gebiete zur Verfügung stünden – weil der Wind nicht stark genug wehe oder besondere Sehenswürdigkeiten wie das Schloss Neuschwanstein Anlagen verhindern würden. „Das ist für uns als Kommune nicht tragbar“, betonte Beer.

Eine weitere Problematik sieht Beer in einer Art Goldgräberstimmung, die derzeit unter manchen Projektentwicklern herrsche. Noch bevor der Entwurf des Regionalen Planungsverbands offiziell vorgestellt worden sei, würden bereits Verträge mit Grundstückseigentümern abgeschlossen, meint der Bürgermeister.

Zum Gebiet am Haginger Berg hätte es hinter dem Rücken der Marktgemeinde Infoveranstaltungen eines Entwicklers mit den Grundstückseigentümern gegeben. „Es wird um die besten Flächen gefeilscht, bevor überhaupt klar ist, ob sie als bestandskräftiges Vorranggebiete ausgewiesen werden“, kritisierte Beer.

Der Markt Schwarzhofen sieht sich deshalb in einer schwierigen Lage: „Wir müssen uns entscheiden, ob wir zusehen oder aktiv mitgestalten.“ Trotz der Ablehnung von SAD16 zeigt sich die Kommune laut Beer offen für Gespräche mit den Projektentwicklern, um zumindest Einfluss auf die weitere Planung nehmen zu können. Mit zwei Projektentwicklern aus Bayern sei man in einem produktiven Austausch. Auch das faire Beteiligungsmodell der Firmen für Bürger und Kommunen sehe er positiv.

Die Marktgemeinde habe nun ein Schreiben an den Planungsverband übergeben, in dem sie darlege, dass die Gemeinde Windkraft grundsätzlich begrüße, das geplante Gebiet SAD16 aber zu Schattenwurf und einer Umzingelung von Schwarzhofen führe. Beer hofft, dass dies berücksichtigt werde.

„Wir sind nicht mit Hurra-Patriotismus vorangegangen, aber wir haben unsere Hausaufgabe gemacht“, sagt Beer mit Blick auf den bisherigen Prozess. Persönlich sei er nie ein Befürworter von Windkraftanlagen gewesen. Dennoch erkenne er die Notwendigkeit an, dass gehandelt werden müsse. „Aber es kann nicht sein, dass wir als kleine Kommune die Hauptlast tragen müssen.“

Das geplante Wind-Vorranggebiet SAD16 mit 299 Hektar liegt östlich von Mitterauerbach. Foto: Jan Lange