Folgenschwerer Unfall: Hat sich der Fahrer eines Neumarkter Stadtbusses strafbar gemacht?

Von Nicole Selendt · 18. September 2024 um 19:00

Vor einigen Tagen ist es in einem Bus der Stadtwerke Neumarkt zu einem folgenschweren Unfall gekommen. Eine 83-Jährige war in der Weiherstraße in Neumarkt eingestiegen, beim Anfahren gestürzt und hatte sich den Oberschenkelhals gebrochen. Nun fragt ihr Sohn: Ist der Fahrer zu schnell angefahren? Und: Ist das Unglück ein Einzelfall?

Der Chat, in dem der Fall auf der Social-Media-Plattform Facebook rege diskutiert wird, legt nahe, dass so etwas öfter vorkommt: Passagiere steigen zu, der Bus fährt an, bevor alle sitzen, es kommt zu Unfällen. „So was ist meiner Mutter auch vor ein paar Jahren passiert. Sie hat sich einen Wirbel im Rücken gebrochen“, schreibt eine Facebook-Nutzerin. Der Sohn der 83-jährigen Frau spricht in seinem Zeugenaufruf sogar davon, dass sich seine Mutter derzeit in Lebensgefahr befinde.

Zum Zeitpunkt des Sturzes die einzige Person im Bus

Die Stadtwerke Neumarkt, zu denen der Linienbus gehört, weiß von dem Vorfall. Am 5. September sei es um 13.04 Uhr bei der planmäßigen Abfahrt eines Busses der Linie 565 an der Haltestelle Museum Lothar Fischer zu dem Vorfall mit der 83-jährigen Frau gekommen. Sei sei daraufhin zur ärztlichen Versorgung ins Neumarkter Klinikum gebracht worden. Sie sei zu diesem Zeitpunkt die einzige Person im Bus gewesen. Das schreiben die Verantwortlichen der Neumarkter Stadtwerke auf Anfrage unseres Medienhauses. Aufgrund des schwebenden Verfahrens könnten jedoch keine weiteren Angaben gemacht werden, heißt es weiter.

Nur so viel: „Leider haben wir momentan keine Möglichkeit, mit der Dame in Kontakt zu treten und uns über ihren Gesundheitszustand oder den Fortschritt ihrer Genesung zu informieren. Dies bedauern wir sehr.“ Auch bei unserem Medienhaus hat sich der Sohn der Betroffenen auf unsere Nachfrage hin bisher nicht zurückgemeldet.

Doch die Polizei beschäftigt sich ebenfalls mit dem Vorfall. Dort weiß man: Die Frau sei mit einer Gehhilfe in den Bus eingestiegen, habe in ihrer Tasche nach ihrem Fahrschein gesucht. In diesem Moment sei der Bus losgefahren und die Frau sei umgefallen. Jetzt müssen zuerst Polizei, dann Staatsanwaltschaft prüfen, ob eine Straftat vorliegt. Dann müsste sich der Fahrer der Stadtwerke wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten, wie ein Sprecher der Polizei auf Anfrage erklärt. Sehen Polizei und Staatsanwalt keine Straftat, bleiben der Frau und ihrem Sohn noch die Möglichkeit, zivilrechtlich gegen den Fahrer vorzugehen. Noch ist es nicht soweit, der Fall ist noch nicht abschließend bearbeitet.

Video der Überwachungskamera soll helfen

Bei der Aufklärung helfen könnte jedenfalls die Videoüberwachung im Bus. Wie die Stadtwerke in ihrer Stellungnahme erklären, seien alle Busse der SWN mit Videoüberwachungsanlagen im Fahrgastraum ausgestattet. Sie dienten sowohl der Sicherheit der Fahrgäste und des Fahrpersonals, als auch der Aufklärung von Vandalismusschäden und Unfällen. Grundsätzlich habe die Sicherheit der Fahrgäste oberste Priorität, wie die Stadtwerke schreiben. Daher erhielten den Angaben zufolge alle Fahrer auch regelmäßig Sicherheitseinweisungen. Dies gelte insbesondere für den Umgang mit älteren oder hilfsbedürftigen Personen.

Stadtbus-Nutzer berichtet von weiteren Zwischenfällen

Ein Leser, der sich in der Redaktion gemeldet hat, nachdem er im Internet davon erfahren hat, bezweifelt, dass sich wirklich alle Fahrer an die Vorgaben aus den Einweisungen halten – wenn er auch überzeugt ist, dass es die große Mehrheit der Fahrer tut. Der Mann habe aus gesundheitlichen Gründen länger nicht Auto fahren dürfen und sei deswegen auf den Stadtbus umgestiegen. Wenn nicht gerade Schüler um die Mittagszeit mit dem Bus unterwegs seien, seien es vor allem ältere Menschen, die das Angebot der SWN nutzen. Und gerade deshalb sei es seiner Einschätzung nach wichtig, dass die Fahrer warten, bis alle Fahrgäste sitzen. „Dann müssen halt die Autofahrer, die hinter den Bussen warten, ein bisschen Geduld aufbringen“, erklärt er aufgebracht.

Er schildert aus seinen Erfahrungen beim Fahren mit dem Stadtbus: „Sehr sauer hat mich immer wieder gemacht, dass ich wegen des zu frühen Anfahrens des Busses Probleme hatte, nach dem Einsteigen sicher zu einem Sitzplatz – geschweige zum Sitzen – zu kommen. Und ich bin beileibe nicht langsam zu einem Sitzplatz gegangen“, sagt der Mann Mitte 60.

Wie es der 83-jährigen Passagierin nach dem Unfall geht, ist auch der Redaktion nicht bekannt. Jedoch wünschten zahlreiche Facebook-Nutzer der Dame gute Genesung.